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Lokalsport: Das "Schweinchen" im Blick

Lokalsport : Das "Schweinchen" im Blick

Der Boule-Club Fanny hat französische Lebensart in Hilden etabliert. Das Spiel mit den Metallkugeln fördert die Geselligkeit. Die Regeln sind einfach, der Spaßfaktor ist auch für Anfänger hoch – und Zuschauer sind immer willkommen.

Der Boule-Club Fanny hat französische Lebensart in Hilden etabliert. Das Spiel mit den Metallkugeln fördert die Geselligkeit. Die Regeln sind einfach, der Spaßfaktor ist auch für Anfänger hoch — und Zuschauer sind immer willkommen.

Mit einem dumpfen Schlag und einem Gewicht von 700 Gramm prallt die silberne Stahlkugel etwa acht bis neun Meter nach ihrem gefühlvollen Abwurf auf der Boule-Bahn auf und legt noch etwa rund einen halben Meter rollend auf dem feinen Kiesgranulat zurück. Wenige Zentimeter neben der kleinen neon-orangenen Holzkugel, dem sogenannten Schweinchen, bleibt sie schließlich liegen. Es sieht nach einem klaren Punktsieg für den Werfer aus.

Doch zu früh gefreut. Mit seinem letzten Wurf trifft Manfred Schrader zielgenau und wuchtig die Kugel seines Kontrahenten und befördert diese mit einem lauten metallischen Knall aus dem Spielfeld. Wieder einmal wird Schrader seinem Ruf als erfahrener "Schießer" gerecht. Eine kleine Szene, die genau verdeutlicht, worauf es beim Boule-Spiel ankommt: Konzentrationsfähigkeit, eine ruhige Hand und eine große Portion Übung und Erfahrung.

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Bereits im Mittelalter versuchten die Franzosen, die schweren Metallkugeln möglichst näher an die Zielkugel heranzuwerfen als ihre Gegner. Entstanden ist rund 800 Jahre später eine weit verbreitete Freizeit- und Wettkampfsportart, die heutzutage auch unter der Bezeichnung Pétanque geführt wird und in den verschiedensten Varianten sowohl in der Halle und gerade in der Natur gespielt werden kann.

Seit 1994 fliegen auch beim Boule-Club Fanny in Hilden die Kugeln durch die Luft — und dabei fing alles ganz beschaulich an. "Anfangs haben wir vor allem hier im Stadtpark auf den Fußwegen oder auf dem ehemaligen Parkplatz des Elisa-Seniorenstifts gespielt, bevor wir von der Stadt diese Anlage bekommen haben", berichtet Karl-Jürgen Schulte.

Der erste Vorsitzende des Vereins, den alle nur "KaJü" nennen, gehörte bereits zu den Gründungsmitgliedern und kennt seinen Verein von der Pike auf: "Am Anfang waren wir etwa 30 Leute. Mittlerweile sind es leider wieder weniger geworden. Aber das beobachten wir ja auch bei anderen Vereinen — die Leute wollen sich einfach nicht mehr fest binden und lieber immer Neues ausprobieren." Deshalb lädt der Verein an jedem ersten Sonntag im Monat unter dem Motto "Boule ist cool" zum Mitspielen für Interessierte ein. Der Klub freut sich aber auch über spontane Gäste, die einfach einmal vorbeischauen und Boule selbst ausprobieren möchten.

Während KaJü und die anderen Vereinsmitglieder über die richtige Taktik fachsimpeln, Abstände zwischen den Kugeln ausmessen oder über den Punktestand diskutieren, bleiben immer wieder Fußgänger und Radfahrer am Spielfeld stehen und versuchen, im augenscheinlichen Chaos der Kugeln den Überblick zu behalten. Dabei sind die Regeln nicht schwer. Ziel des Spiels, das entweder im Team oder als klassisches "Tête-à-tête", also im Eins-gegen-Eins-Modus gegeneinander gespielt werden kann, ist das möglichst nahe Platzieren der eigenen Kugeln an der Zielkugel.

Je mehr Kugeln des eigenen Teams näher am Schweinchen liegen, desto mehr Punkte gibt es. Wer als erstes 13 Punkte erzielt hat, gewinnt ein Spiel. Wie wichtig dabei die richtige Wurftechnik ist, zeigt Ingrid Hengstmann, der es 2006 als erster und bisher einziger Frau gelang, den Vereinsmeistertitel des BC Fanny Hilden zu gewinnen. Ihre ersten Boule-Erfahrungen machte die Hildenerin in der südfranzösischen Stadt Toulon, wo sie mehrere Jahre lebte.

"Dort haben die Leute nachmittags um vier Uhr schon in den vielen Parks Boule gespielt und ich fand es einfach toll." Heute schätzt Hengstmann vor allem die Bewegung an der frischen Luft und verspürt auch immer eine gewisse Portion Ehrgeiz: "Auch wenn es immer spaßig zugeht — man muss auch seine Leistung bringen."

Aber gerade für Einsteiger erweist sich das Spiel mit den Metallkugeln als spannende Herausforderung. Hat man erst einmal die richtige Länge und Kraftdosierung beim Abwurf gefunden und die Tücken der Naturbahn erkannt, stellen sich schnell die ersten Erfolgserlebnisse ein. So auch bei Astrid Payenburg, die gemeinsam mit ihrem Mann zum Schnuppertraining gekommen ist. "Zu Hause oder im Urlaub spielen wir öfters Boccia, aber halt nur auf Gras oder im Sand. Ich hatte vorher eigentlich gedacht, dass ich es gar nicht kann, aber es hat dann doch ganz gut geklappt", freut sich die Hildenerin und möchte gerne wiederkommen.

(tzb)