1. Hildener Sportforum: Das richtige Maß finden

1. Hildener Sportforum : Das richtige Maß finden

Die Vortragsreihe informierte Vereinsvertreter zum Thema "Sport und Prävention". Weitere Veranstaltungen sind in Planung.

Hilden Paul Faul liebt die Bequemlichkeit. Nur widerwillig schleppt er sich nach dem Aufstehen die 15 Meter zum Frühstückstisch. Der anschließende Weg in die Tiefgarage gleicht mit 44 Metern Länge einer Höllenqual. Erst auf der Arbeit kann Paul endlich mal durchschnaufen. Acht Stunden sitzt der Sachbearbeiter auf einem gut gepolsterten Bürosessel vor dem Computer. Bewegung Fehlanzeige. Abends dann noch eine deftige Mahlzeit und — Beine hoch — auf dem weichen Sofa von der Sportschau "berieseln" lassen.

Die Teilnehmer des ersten Hildener Sportforums zum Thema "Krankenkassenunterstützte Präventionsprogramme — Möglichkeiten und Chancen für Sportvereine" konnten sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Doch hinter der Karikatur des Referenten Dr. Theodor Stemper (Uni Wuppertal) verbirgt sich eine alarmierende Entwicklung. "So sieht der Tagesablauf eines Durchschnittsbürgers aus. Wir bewegen uns viel zu wenig", berichtete der Diplom-Sportlehrer und fuhr mit dem Zeiger auf Paul Faul. Während es Naturvölker auf ein Tagespensum von circa 20 Kilometern bringen, legt fast die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung heute weniger als zwei Kilometer am Tag zurück. "Auch ich habe heute nicht mehr als 1000 Meter geschafft", beichtete Stemper den Vereinsvertretern im Bürgerhaus.

Doch fördern Sport und Bewegung überhaupt die Gesundheit oder ist Sport nach Winston Churchill "Mord"? Der Privat-Dozent erklärte: "Es geht darum, das Optimum der Belastung zu finden." Allerdings: Pro Tag 15 bis 30 Minuten aktiv sein, dass würden selbst Kinder heute kaum noch schaffen. Fakt ist aber: Körperlich aktive Menschen sind in der Jugend leistungsfähiger und im Alter länger selbstständig. "Gesund bleiben, lange jung bleiben und gesund sterben. Das erfordert lebenslängliches Training", betonte Stemper.

Ähnlich sah das auch Frank Ickler. "Warum soll ich warten, bis ich aus der Puste bin, wenn ich zwei Etagen hochsteige? Je eher ich anfange, mich kontinuierlich zu bewegen, desto besser." In seinem Vortrag verwies der Geschäftsführer der "Gmünder ErsatzKasse" auf die steigenden Kosten der Zivilisationskrankheiten (siehe "Info"). Durch frühzeitige, qualifizierte und gezielte Prävention in den Feldern Bewegung, Ernährung und Stressabbau könne man "Krankheitskarrieren" nachweisbar verhindern, so Ickler. Der Massenabfertigung in einigen Fitnessstudios verteilte er eine Rüge. "Oft sind keine Trainer da und es wird einfach trainiert", erzählte der GEK-Geschäftsführer. Den Vereinsvertretern signalisierte Ickler ausdrücklich Kooperationsbereitschaft, sollten die Sportvereine Präventionskurse anbieten wollen. Voraussetzung für die Kostenübernahme durch die Krankenkassen sind qualifizierte Mitarbeiter, Theorie- und Praxisteil, eine Mindestteilnehmerzahl und der Kurscharakter.

Hans-Georg Schulz vom Landessportbund stellte in seinem Referat das "Handlungsprogramm 2015" vor. Neun Eckpunkte sollen den Sportvereinen helfen, im Wettbewerb mit kommerziellen Sportanbietern zu bestehen. "Das Handlungsfeld "Sport und Gesundheit" ist einer der Eckpfeiler für die zukünftige Vereinsentwicklung", appellierte Schulz an die 20 vertretenen Vereine und beendete seinen Vortrag mit der Frage: "Sind Sie dabei?"

(RP)
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