Wassersport Das Gefühl von Freiheit genießen

Wassersport · Klaus Henrich hat 35 Jahre nach der Gründung der Seglergemeinschaft Hilden sein Amt als Vorsitzender aufgegeben. Ganz von Bord gehen möchte 68-Jährige jedoch nicht. Als Ehrenpräsident bleibt er seinem Heimathafen weiter eng verbunden.

Hilden Das Pfeifen des Windes, wenn er die Segel bläht und die Wellen, die gegen die Bordwand klatschen, das ist Musik in den Ohren von Klaus Henrich. Segeln ist für den Hildener ein Gefühl von Freiheit. Hart am Wind fährt er dem Alltag davon, lässt alles hinter sich. Zwischen Ruder und Brücke hat der 68-Jährige schon so manchem Sturm die Stirn geboten, doch nun möchte er ruhigere Fahrwasser ansteuern.

Posten als Kapitän aufgegeben

Seinen Posten als Kapitän der Seglergemeinschaft Hilden hat er aufgegeben, ohne allerdings ganz von Bord zu gehen. Als Ehrenpräsident bleibt der Gründer dem Verein erhalten. "Meine Unterstützung hat die Mannschaft nach wie vor, doch aus dem Hauptgeschäft wollte ich aussteigen und mehr im Hintergrund mitarbeiten", sagt der Seemann mit den großen kräftigen Händen. Seine wasserblauen Augen verraten jedoch, dass die Entscheidung ihm schwer gefallen ist. Sein Herz hängt an dem Verein, den er vor 35 Jahren zusammen mit Freunden gegründet hat. "Die Idee entstand abends beim Bier im Hagelkreuz. Bei der Gründungsversammlung waren 80 Leute da", erinnert sich Klaus Henrich.

Vereinseigene Yacht

Sein junger Verein lag jedoch zunächst ziemlich auf dem Trockenen. Für die Handbreit Wasser unter dem Kiel mussten die leidenschaftlichen Segler weite Strecken in Kauf nehmen. "Wir haben mal am Unterbacher See angefragt, doch da hatten wir keine Chance. Also sind wir immer nach Holland ans Ijsselmeer gefahren." Damit das Vereinsleben Fahrt aufnehmen konnte, kauften die Mitglieder gemeinsam eine Yacht. "Wir haben dann Pläne gemacht, wer wann damit unterwegs sein konnte, denn damals war fast jedes Wochenende irgend jemand in Holland. Mitte der 80er Jahre vergrößerte sich zwar das vereinseigene Segelschiff von sieben auf neun Meter, doch das Meer rückte nicht näher. "Da wir hier kein Wasser hatten, begann der Verein zu Beginn der 90er Jahre langsam auseinander zu driften", erinnerte sich Klaus Henrich.

Um die verbliebenen 38 Mitglieder an Bord zu halten, setzte er die Segel und nahm Kurs auf den Elbsee. Die Verhandlungen mit der Stadt hatten Erfolg, sie stellte ein Grundstück zur Verfügung – und dann musste alles ganz schnell gehen. "Wir haben am 30. November die Mitteilung bekommen, dass wir ein Grundstück erhalten und mussten bis zum 1. Dezember anfangen zu bauen", berichtet der langjährige Vorsitzende. Sofort mobilisierte er alle Bekannte, die im Bereich Bauen beschäftigt waren – und am nächsten Tag rollten die Bagger an. Die Anwohner nahmen den Sportlern jedoch schnell den Wind aus den Segeln. Sie beschwerten sich und bekamen Recht. Dennoch verlor Klaus Henrich den Glauben an sein Projekt nicht. Er musste sich jedoch Jahre gedulden, bis 1998 das nächste Grundstücksangebot auf seinem Tisch lag. "Es liegt ideal direkt am Wasser und ist so, wie wir es uns immer gewünscht haben." Die Zeit des Reisens nach Holland war jedoch noch nicht vorbei, denn die Baugenehmigung für das Vereinsheim ließ bis 2003 auf sich warten.

Segler, Kanuten, Surfer und Rettungsschwimmer hatten sich inzwischen zum Wassersportzentrum Hilden zusammen geschlossen. Zehn Jahre lang hielt Klaus Henrich auch dort die Leinen in der Hand. "Doch irgendwann war das alles zu viel." In unzähligen Arbeitsstunden bauten Vorstand und Mitglieder am Vereinsheim mit und konnten ab 2006 die untere Etage nutzen. "Die Mitgliederzahl stieg dann schnell bis auf die 125, die wir heute haben." Der Verein ist erwachsen und das war für Klaus Henrich das Signal, die Brücke zu verlassen. Von Bord gehen will er jedoch nicht. Denn Segeln ist für ihn Leidenschaft und der Verein sein Heimathafen.

(domi)
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