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Coronavirus legt den Handball lahm – auch im Verband Niederrhein

Generalabsage : Coronavirus legt den Handball lahm – auch im Verband Niederrhein

Im Verbandsliga-Derby scheint das Ansteckungsrisiko unter den Zuschauern zu hoch – am Abend sagt der Verband alle Spiele ab.

Bundesliga, Pokal-Finalturnier der Profis – die Handball-Absagen durch die Coronavirus-Pandemie prasselten am gestrigen Donnerstag nach und nach herein. Dass sich das Virus auch auf den Amateur-Handball auswirkt, zeigte zunächst die Verlegung des Verbandsliga-Derbys zwischen dem TV Ratingen und dem TuS 08 Lintorf, das eigentlich am Samstag um 17.30 Uhr in der Sporthalle Europaring angepfiffen werden sollte. TV-Handballchef Marcus Otten hatte das Spiel in Abstimmung mit dem TuS verlegt, einstweilen auf einen Termin nach Ostern. „Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass es ein zu großes Ansteckungsrisiko auf den dicht gedrängten Tribünen geben kann, wo 250 Zuschauer dicht an dicht sitzen würden. Das ist ein Risiko, das man vermeiden kann“, sagte Otten im Gespräch mit unserer Redaktion. Später am Abend folgte der Verband dieser Einschätzung.

Im Kabinengang der Sporthalle Gothaer Straße in Ratingen West hatte Regionalligist SG Ratingen schon vergangene Woche auf die Coronavirus-Pandemie reagiert: Mit Tape hatte er dort einen Desinfektions-Spender an die Wand geklebt. Klar – ein Infizierter reicht schon, um alle anderen zu gefährden, gerade durch Bälle, die in einer Hand gehalten, gepasst und gefangen werden, die möglicherweise just vorher noch an der eigenen Nase war. Da ist Vorsorge und Vorsicht geboten. Es half indes nur bedingt: Am gestrigen Donnerstagabend teilte der TV Rheinbach mit, dass er sein Heimspiel gegen die Ratinger absagen muss, weil die Risikobewertung der Stadt das Spiel aufgrund der äußeren Rahmenbedingungen als „hoch riskant“ eingestuft habe. „Handlungsmöglichkeiten zu einer deutlichen Verbesserung der Gesamteinschätzung sind uns alleine aufgrund der kurzen Zeitspanne nicht gegeben“, sagte Rheinbachs Abteilungsleiter Thomas Schloßbauer.

Der Handballverband Mittelrhein (HVM) hatte bereits unter der Woche mitgeteilt, dass er seinen gesamten Spielbetrieb „bis auf Weiteres“ aufgrund der Pandemie einstellt – die anstehenden Spieltage finden erst einmal nicht statt und sollen, sofern möglich, an den letzten Spieltag der jeweiligen Saison angehängt werden. Dem HVM ist unter anderem der Handballkreis Aachen/Düren angeschlossen, wo das Coronavirus im Kreis Heinsberg bislang am stärksten zugeschlagen hat.

Der HV Niederrhein sah sich nach der Entscheidung der Kollegen vom Mittelrhein zahlreichen Nachfragen ausgesetzt, wie es denn bei ihm – unter anderem in der Regionalliga mit der SG Ratingen – weitergehe. Staffelleiter Peter Monschau informierte daher zunächst so: „Die Spiele der Regionalliga Nordrhein finden weiterhin statt, sofern die betreffenden Vereine die Möglichkeit haben und keine Absage in Erwägung ziehen. Vielleicht haben wir ja die Möglichkeit, die Saison noch einigermaßen zu Ende zu spielen.“ TVR-Chef Otten sagte da noch: „Grundsätzlich finde ich es richtig, das lokal zu entscheiden. Es darf aber nicht zu organisatorischen oder tabellarischen Schieflagen führen. Ab einem gewissen Punkt wird es so sein, dass Kreise und Verbände entscheiden müssen, ob man eine Saison noch regulär zu Ende spielen kann.“

Am Abend überholte der HVN dann seine ursprüngliche Einschätzung und sagte alle seine Spiele ab, später galt das auch für die Partien der Regionalliga Nordrhein. „Wie lange diese Entscheidung bestehen bleibt, ist aktuell nicht geklärt. Zunächst gilt es, sich mit der aktuellen Entwicklung auseinanderzusetzen“, schrieb der HVN auf seiner Homepage und ergänzte: „Für den Fall, dass die Spielzeit nicht ordentlich zu Ende gespielt werden kann, möchten wir darauf hinweisen, dass bezüglich Auf- und Abstieg in den kommenden Tagen nochmal separat gesprochen wird.“

Das dürfte auch für die Regionalliga gelten. Denn aufgrund der Coronavirus-Häufung im Raum Aachen sind in der laufenden Spielzeit bereits alle Partien mit Mannschaften aus diesem Bereich ausgesetzt worden, weshalb die Tabelle schon jetzt ein schiefes Bild aufweist: So hat der Vierte BTB Aachen zwei Spiele weniger als Spitzenreiter TuS Opladen, bei dem bis zur Entscheidung am Donnerstagbend noch kein Spiel verlegt werden musste. Ebenso betroffen ist der Zehnte HC Weiden, der auch seit Mitte Februar nicht mehr in der Regionalliga spielen durfte. Dessen letzte Partie ist bislang der 35:34-Sieg bei der SG Ratingen – damals gab es übrigens noch keine Desinfektions-Spender im Kabinengang an der Gothaer Straße.