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Corona: Inhaberin von Fitnessstudio ist das Lachen vergangen

Fitness : Auch Training im Studio ist systemrelevant

Monica Lanzendörfer, Inhaberin von „Fit in Haan“, ist längst das Lachen vergangen. Bereits seit sechs Wochen dürfen Fitnesszentren in Deutschland wegen Corona nicht öffnen – dabei motivieren die Trainer doch die Menschen zum Sport, der das Immunsystem stärkt.

Rund 10.000 Fitness- und Gesundheitstudios gibt es in Deutschland, in denen fast 11,7 Millionen Mitglieder trainieren. Die Sportler müssen sich jedoch seit sechs Wochen in den eigenen vier Wänden oder mit Laufen und Radfahren fit halten, während die Mitarbeiter in den aufgrund der Corona-Pandemie geschlossenen Fitnessstudios sich anderweitig beschäftigen. „Wir haben alles Mögliche gemacht, das Unternehmen von rechts auf links gedreht“, berichtet Monica Lanzendörfer, Inhaberin von „Fit in Haan“. „Erst haben wir eine Grundreinigung gemacht, dann Trainingspläne und Videosequenzen erstellt – und immer wieder alle angerufen und nachgefragt, wann es weitergeht“, erzählt die Fitness-Expertin von der Entwicklung nach der ersten deutschlandweiten Verordnung in der Corona-Krise, als alle Sportstätten schließen mussten. „Dann kam die nächste Verordnung und wir haben uns gesagt: Dann streichen wir eben nochmal alles“, erklärt Lanzendörfer. Das klingt zunächst humorvoll, doch das Lachen vergeht der Chefin und den 20 Mitarbeitern mit jeder Woche des Stillstands mehr. Während die zwölf Festangestellten in Kurzarbeit sind, „stecken die Freiberufler und Minijobber nicht mehr in der Lohnkette drin“, betont Lanzendörfer. Und hofft, dass auch Fitnessstudios bald wieder öffnen dürfen. „Wir wissen schon, dass alles anders wird“, fügt sie hinzu.

Dabei hat Lanzendörfer mit ihren Angestellten bereits Konzepte entwickelt. Masken und Handschuhe für die Mitarbeiter sowie Desinfektionsmittel sind „in großen Mengen“ bestellt. Auch die Abläufe im Studio werden für die Zeit nach der Corona-Sperrung genau gestaltet. „Wir liegen da in den letzten Zügen. Alle sind auch schon in Hygiene geschult und die Trainer beherrschen die Ansage auf Distanz. Wenn wir aufmachen, soll sich der Kunde wohlfühlen“, betont Lanzendörfer.

Die Hoffnung auf Wiedereröffnung ist das eine. Zugleich aber stellt Monica Lanzendörfer für Fitness- und Gesundheitszentren auch die Frage nach der Systemrelevanz. „Die folgt zwar nicht aus den statistischen ökonomischen Daten, sondern vielmehr aus dem essentiellen Beitrag von Fitnessstudios für die Volksgesundheit. Diese Stellung wird von der Politik unterschätzt, wenn nicht sogar übersehen“, stellt sie fest. Dabei beruft sie sich auf die Allianz für Gesundheit, einem Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Experten im Gesundheitswesen, die „einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen“.

Lanzendörfer nennt vor allem den Mediziner Kurt Mosetter, der unter anderem von 2006 bis 2010 die Fußballer der TSG 1899 Hoffenheim mitbetreute und von 2009 bis 2011 die Handballer des Hamburger SV. Mosetter nennt trainierende Muskeln den Dynamo für die Batterie des Immunsystems. Oder wie es Lanzendörfer ausdrückt: „Das Trainieren in Fitness- und Gesundheitsstudios leistet einen relevanten Beitrag dafür, dass das Immunsystem des Menschen gestärkt wird und damit auch die Risikogruppen im Zusammenhang mit der aktuellen Pandemie reduziert werden.“ Bewegung sei ein wichtiges Medikament für die Gesundheit, aber auch „Krafttraining oder das angeleitete Training nimmt einen hohen Stellenwert ein“, erläutert Lanzendörfer und betont: „Es ist enorm wichtig, das Immunsystem zu stabilisieren. Um diesen positiven Effekt zu erreichen, ist es aber nicht mit Gartenarbeit oder Spazierengehen getan. Das gilt gerade für Leute, die beispielsweise Rücken- oder Knieprobleme haben.“

Herz- und Kreislauferkrankungen zählen zu den häufigsten Todesursachen, Bewegungsmangel ist eine der größten Sünden in der heutigen Zeit – und verstärkt sich in der Corona-Krise. „Wenn ich mal wieder angefangen habe zu trainieren, dann ernähre ich mich auch gesünder – alles hängt zusammen“, erläutert Monica Lanzendörfer. Die Fitness-Expertin stellt fest: „Videokurse erreichen nur bestimmte Menschen, die technisch gut ausgestattet und affin sind. Und Wasserflaschen als Hantelersatz sind nur für eine gewisse Zeit in Ordnung. Irgendwann braucht man etwas mehr Widerstand und einen Trainer, der einen korrigiert. Die Motivation ist im Studio ganz anders – da kann man auch mal zusammen lachen und die Verbindlichkeit ist einfach größer.“ Fitnesstraining stärkt übrigens auch die Atem- und Atemhilfsmuskulatur – und verbessert damit die Sauerstoffversorgung durch eine freiere Atmung. Ein interessanter Effekt gerade in Corona-Zeiten.

Einzelhandelsgeschäfte durften inzwischen wieder öffnen und auch der Gang zum Friseur ist bald erlaubt. Für Lanzendörfer stellt sich jedoch nicht die Frage, wer öffnen darf, sondern welches Konzept es gibt. „Das ist entscheidend“, sagt sie. Das gelte beispielsweise auch für Restaurants. Im Studio sieht sie viele Möglichkeiten, notwendige Auflagen zu erfüllen. Dazu zählt sie die elektronische Zugangskontrolle. „Man kann Termine vergeben“, betont sie. Nur im Studio umziehen, aber zu Hause duschen, ist ein weiterer Punkt von vielen wie die zusätzliche Reinigung der Trainingsgeräte durch die Mitarbeiter. Dazu hebt Lanzendörfer einen anderen Aspekt hervor: „Das Immunsystem des Sportlers ist sehr intakt: Wenn man krank ist, geht man nicht zum Sport.“ In der Gesamtbetrachtung ist für Lanzendörfer klar: „Es gibt keinen sachlichen Grund, dass unsere Berufsausübungsfreiheit weiterhin derart beschränkt wird.“ Sollte die Schließung von Fitness- und Gesundheitszentren nicht bald aufgehoben werden, sieht sie eine düstere Zukunft: „Der Gesundheitszustand der Menschen wird sich durch das fehlende Training signifkant verschlechtern. Und je länger der Schließungszustand besteht, um so größer ist das Insolvenzrisiko unseres Unternehmens, der gesamten Branche einschließlich der damit zusammenhängenden Industrie.“