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Corona: Der Jugendfußball im Kreis Mettmann braucht eine Perspektive

Corona und die Folgen für den Sport (6) : Rudolf Schwarzer: „Wir werden dieses Jahr keinen Boom im Jugend-Fußball haben“

Der Jugend-Fachmann im Fußballkreis Düsseldorf hofft, dass es wegen des langen Lockdowns nicht zu viele Abmeldungen in den Vereinen gibt.

Seit drei Monaten ruht der Trainings- und Spielbetrieb bei den Amateurfußballern. In der Diskussion, welche Auswirkung der zweite Lockdown in der Corona-Krise auf die Fortführung des Spielbetriebs hat, stand zuletzt vor allem die 23 Mannschaften umfassende Oberliga Niederrhein im Fokus. Fast noch einschneidender sind jedoch die Folgen für die Nachwuchsarbeit, denn in den meisten Jugend-Ligen des Fußballkreises Düsseldorf hat die eigentliche Meisterschaftsrunde noch gar nicht begonnen. Rudolf Schwarzer, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses, spricht über die aktuelle Lage.

Wie hat der Fußballkreis Düsseldorf die Saison 2019/20 überhaupt beendet?

Rudolf Schwarzer Wegen der Corona-Pandemie haben wir die alte Saison ähnlich wie bei den Senioren abgebrochen und die Tabelle gemäß der Quotientenregel erstellt. Nach den Sommerferien stand im September und Oktober erst einmal die Qualifikation zur Leistungsklasse an. Das haben wir für die A-, B-, C- und D-Jugend hinbekommen, also von den Ältesten mit 17 und 18 Jahren bis hin zu den Jüngsten zwischen 12 und 13 Jahren. Dann haben wir die entsprechenden Gruppen gebildet. Die elfjährigen E-Jugendlichen sowie die jüngeren bis hin zur G-Jugend haben schon früher begonnen in kleinen Gruppen mit jeweils sechs Teams. Mit dem Lockdown Anfang November war aber auch hier Schluss. Die Talentsichtungen an den DFB-Stützpunkten für die Regionalauswahlen der Jungen und Mädchen konnten wir bis Ende Oktober auch noch durchführen.

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Wie sehr wirft der aktuelle Lockdown die Jugendarbeit im Fußball zurück?

Schwarzer Das Schlimmste ist nicht die Pause im Spielbetrieb, sondern dass auch kein Training mehr möglich ist. Das große Problem ist, dass die Kinder und Jugendlichen zu Hause auf sich allein gestellt sind, weil keine Aktivitäten mehr im Verein unter Aufsicht erlaubt sind. Im Nachhinein stellt sich natürlich die Frage, ob man das nicht hätte anders regeln können. Alle Vereine haben sich bemüht, sich an die Corona-Schutzverordnung zu halten. Alle hatten super Konzepte für Training und Spielbetrieb – vor allem das Training wäre unter diesen Voraussetzungen nicht das Problem.

Wie geht es weiter, wenn Sportplätze und Sporthallen endlich wieder geöffnet sind?

Schwarzer Auch die Jugend braucht eine entsprechende Vorlaufzeit, bevor wir Meisterschaftsspiele ansetzen können. Von null auf hundert geht nicht. Bei den Mannschaften bis zur D-Jugend, also den 12-Jährigen, wo der Leistungsgedanke nicht so sehr im Vordergrund steht, ist das weniger problematisch. Bei den älteren A- und B-Jugendlichen ist der Wettkampfgedanke ausgeprägter, da brauchen wir wie bei den Senioren eine Vorlaufzeit. Vielleicht nicht unbedingt vier bis fünf Wochen, wie es für die Oberliga vorgesehen ist, aber mindestens 14 Tage sollten es sein. Bei den ganz Kleinen ist das nicht notwendig. Ich gehe aber davon aus, dass wir frühestens im März wieder spielen können.

Reicht die Zeit bis Ende Juni, um die komplette Meisterschaftsrunde durchzuführen?

Schwarzer Vielleicht müssen wir bis kurz vor den Sommerferien spielen. Das müssen wir mit den Senioren-Plänen abstimmen, denn Spieltermine sind rar und die Vereine haben viele Mannschaften. Für die Klubs wird das eine logistische Herausforderung. Der SC Rhenania Hochdahl zum Beispiel hat nur einen Platz für 20 Jugendmannschaften und drei Seniorenteams. Und die Tage unter der Woche werden auch für Trainingseinheiten benötigt. Tannenhof, Urdenbach, Links und TuSA haben alle das gleiche Problem.

Gibt es denn auch Positives in der Corona-Krise zu berichten?

Schwarzer In dieser Zeit haben die Vereine gut zusammengearbeitet, hatten Verständnis für corona-bedingte Ausfälle und Verschiebungen. Das hat hervorragend geklappt und das muss man auch mal loben. Man muss die Vereine aber auch dafür loben, dass sie gute Hygienekonzepte gemacht, die Nähe zum Verband gesucht und Ratschläge eingeholt haben.

Wenn es zum Re-Start in der Meisterschaft kommt, sind dann überhaupt noch genügend Kinder und Jugendliche da, die spielen wollen?

Schwarzer Eine gute Frage. Gerade im Mädchenbereich hatten sich vor dem neuerlichen Lockdown sehr viele F-Jugendliche der Jahrgänge 2012/2013 angemeldet. Dadurch hatten wir neun zusätzliche Teams und haben eine weitere Gruppe geplant. Dieser Zuwachs war richtig klasse, aber nach dem Lockdown müssen wir mal schauen, wer bleibt. Gerade im Bereich Mädchenfußball sind wir aber bestrebt, diesen weiter auszbauen und zu fördern. Das wollen wir gemeinsam mit den derzeit aktiven Mädchenfußballvereinen mit einigen Aktionen in 2021 angehen. Unabhängig davon befürchte ich aber, dass wir einige A-Jugendliche verlieren. Das ist sowieso problematisch, die Jungs und Mädchen in dieser Altersklasse bei der Stange zu halten. Die Frage ist ja auch, ob in diesem Jahr die Fußball-Europameisterschaft wirklich ausgetragen wird, und wenn ja, in welcher Form. Gerade diese großen Turniere haben in der Vergangenheit in Deutschland immer für einen Anmeldeboom gesorgt. Die Bundesliga läuft zwar, aber das ist in der Form auch nicht der Hit, Kinder ans Fußballspielen zu bekommen. Wir werden keinen Boom haben, aber ich hoffe, dass wir nicht allzu viele Abmeldungen bekommen.

Wird es denn mit einer kompletten Hin- und Rückrunde klappen?

Schwarzer In unseren Planungen waren wir schon sehr vorsichtig, haben in den Altersklassen A, B, C und D recht kleine Gruppen mit je sieben Teams gebildet. Mit zwölf Partien sind die Mannschaften durch – das sollten wir auf jeden Fall hinbekommen. Die eigentlichen Qualifikationsspiele können wir auch nach den Sommerferien machen, da gibt es keine Vorgabe und es hat auch Vorteile, denn in der Vergangenheit haben sich Jugendliche flugs aus einem Verein abgemeldet, wenn sie mit ihrer Mannschaft die Quali nicht geschafft haben, und dann in einem anderen Klub weitergespielt.

Wie sieht es mit den Niederrheinligen aus?

Schwarzer Die fallen ja in den Verantwortungsbereich des Fußballverbandes Niederrhein. Bei 16 Spieltagen könnte es da eher Probleme geben. In dieser Saison ist der Kreis Düsseldorf unheimlich präsent in allen Klassen der Niederrheinliga, um so trauriger ist es, dass die Mannschaften nicht spielen können.

Wie weit sind die Planungen im Kreis Düsseldorf fortgeschritten?

Schwarzer Kurz vor Weihnachten hatten wir eine Sitzung, wo wir besprochen haben, wie wir beginnen wollten. Jetzt haben wir unseren Arbeitskreis wieder gestartet, machen eine Sitzung nach der anderen, um zu besprechen, wie wir uns die Spielrunden vorstellen. Wir sind gerüstet, können eigentlich innerhalb weniger Tage die ganzen Spielpläne veröffentlichen.

Die Oberliga plant aktuell einen Start nach den Osterferien. Ist das zu spät?

Schwarzer Je früher wir starten können, desto besser ist es. Hinten raus hat man dann noch etwas Luft. Wir brauchen aber keine Bestimmungen ändern und die Gruppen sind so angelegt, dass wir das geregelt bekommen. Für die Vereine ist es die größere logistische Herausforderung, zumal wir dieses Jahr in der Kreisliga A mit 20 Mannschaften auch eine große Gruppe haben.