BSG Mettmann schließt Jubiläumsjahr sportlich ab

Bosseln: Bosseln ist eine Lebenseinstellung

Acht Mannschaften aus der Region trafen sich zum Bossel-Turnier der Behinderten-Sportgemeinschaft Mettmann. Dabei geht es zwar auch um sportlichen Ehrgeiz, die Geselligkeit steht jedoch an oberster Stelle dieser aus dem Mittelalter stammenden Sportart.

Es ist Samstagmittag, unaufgeregt und gemütlich geht es an diesem Tag in der Turnhalle des Berufskollegs an der Könneckestraße zu. Die Halle ist in mehrere Bahnen aufgeteilt, auf ihnen stehen sich jeweils zwei Dreierteams gegenüber, gut kenntlich in unterschiedlich farbigen T-Shirts. Die Blicke der Spieler richten sich konzentriert auf die 16 Meter lange Strecke, die vor ihnen liegt. Am anderen Ende der Bahn, auf einer gelben Bodenmarkierung ruhend, liegt sie da, die Daube, ein vergleichsweise großer roter Würfel. Es gilt – ähnlich wie beim Boccia oder dem Eisstockschießen – mit seinem Wurfgerät näher an die Daube heran zu kommen, als der Kontrahent. Das Wurfgerät, die Bossel, ist knapp sechs Kilogramm schwer, sieht aus wie eine hölzerne Glocke und ist auf der Unterseite mit Borsten ausgestattet, die ihr das Gleiten auf dem Hallenboden ermöglicht.

Im ersten Moment schaut die Sportart einfach aus: Hinter einem hohen Sprungkasten am Ende der Bahn stehen neben dem Schiedsrichter zwei Mannschaftsführer, die ihre Mitspieler anweisen, wohin sie die Bossel werfen müssen. Die Spieler treten vor die Markierung – Frauen dürfen bis zu zwei Meter vortreten –, visieren ihr Ziel an und werfen die Bossel mit Schwung auf die Bahn. „Das ist gar nicht so einfach“, sagt Mandy Burhenne von der Bank aus, während ihr Team der BSG Langenfeld zum Wurf ansetzt. Die 18-Jährige ist, zwischen den sonst graumelierten Herren und Damen, mit Abstand die jüngste Teilnehmerin in der Halle. „Ich bin für einen ausgefallenen Spieler im Team meines Opas eingesprungen“, erzählt sie nebenbei. Sie spiele schon lange, habe die Sportart von ihrem Großvater Hans-Leo Schmitz gelernt. „Ich bin ohnehin Mitglied im Verein, gehe mit meiner Oma schwimmen und mit meinem Opa ab und an zum Bosseln.“ Dass es ein außergewöhnlicher Sport ist, weiß sie auch. „Meinen Freunden musste ich schon öfter erklären, was das ist.“ Doch sie geht selbstbewusst damit um. „Es macht ja doch irgendwie Spaß.“

Auf das Turnier vorbereiten konnte sich die 18-Jährige offenkundig nicht. Zu kurzfristig hatte sie ihr Opa dazu gerufen. Viel trainieren hätte sie aber vorher auch nicht gekonnt, gibt sie zu. „Es hängt aber auch sehr von der Tagesform ab, wie gut man zielt, gegen welches Team man spielt.“ Und Favoriten, bestätigt auch Hans Stauff vom Veranstalter BSG Mettmann, gebe es nicht. „Aber die Burscheider, gegen die wir jetzt spielen sind schon sehr stark“, bemerkt die junge Frau und taucht kurz darauf wieder ins Spielgeschehen ein: Die Burscheider spielen in weinroten Shirts und einer der drei, der letzte Werfer, beweist ein gutes Händchen, zielt und trifft genau dort, wo die Bossel hingehört. Opa Schmitz, ebenfalls letzter Werfer, kann für sein Team nur noch versuchen zu kontern. Er holt Schwung und schleudert die Bossel mit Karacho auf die Bahn. Die Bossel schlittert die Bahn entlang, stößt die Pinne der Mitspieler an. Am Ende schafft er es allerdings nur, die Bosseln des gegnerischen Teams noch näher an die Daube zu manövrieren. „Da spielt halt auch Glück mit“, sagt Burhenne und lächelt vergnügt. Weil zwei von zehn Teams nicht zum Turnier erscheinen, hat ihre Mannschaft jetzt erstmal eine längere Verschnaufpause. Stärkung ist angesagt, am Kaffeebuffet, wo Mitglieder verschiedener Mannschaften ins Gespräch kommen.

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„Man kennt sich“, sagt Hans Stauff. Regelmäßig treffen sich die Teams in einer anderen Stadt zum Turnier. „Da kommt man viel herum und es entwickeln sich Freundschaften.“ Am Ende des Tages, nach Abschluss des Turniers, würden sich alle Mannschaften noch zu einem gemeinsamen Abendessen treffen, verriet Stauff.

Trotz der Schlappe gegen die BSG Burscheid, schlugen sich die Langenfelder gar nicht schlecht und landeten am Abend auf einem glücklichen dritten Platz, hinter der BSG Mettmann, die sich punktgleich (13:5) den zweiten Rang sicherte. Sieger des Turniers wurde das Team aus Benrath. Velbert, Ratingen, Burscheid, Opladen und Dormagen landeten auf den übrigen Plätzen.

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