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BSG Mettmann richtet Deutsche Meisterschaft aus

Hallen-Boccia : Boccia-Spieler benötigen eine ruhige Hand

Die BSG Mettmann richtete in diesem Jahr die Deutsche Hallen-Meisterschaft aus. Sportlich hatte die Mannschaft allerdings einen schweren Stand. Den Sieg machten am Ende des Turniers Teams mit Profi-Erfahrung unter sich aus.

Die Neanderthal-Stadt verwandelte sich am Wochenende in die Hauptstadt des Hallen-Boccia: Die Behinderten Sport-Gemeinschaft (BSG) schaffte es, zu ihrem 60. Vereinsjubiläum die Deutsche Meisterschaft nach Mettmann zu holen. 18 Teams machten die Besten der Bundesrepublik unter sich aus. Die BSG trumpfte als Gastgeber auf, sportlich konnten die Mettmanner jedoch schwer gegen amtierende Weltmeister und Olympioniken mithalten.

In der Halle der Kreisberufsschule wurde vergangenes Wochenende eine ruhige Kugel geschoben, wobei das runde Spielgerät vielmehr geworfen wurde. Konzentration herrschte während der unaufgeregten Partien, bei denen drei gegen drei Spieler antraten – sowohl Sportler mit als auch ohne Handicap. Menschen mit Behinderung erhielten, je nach Handicap, Extrapunkte, also mehr Bälle, als Sportler ohne Behinderung. Ansonsten stellten sich alle denselben Herausforderungen: Ein ruhiges Händchen bewahren, Ziel- und Treffsicherheit beweisen und dem weißen Ball in Summe näher kommen, als das gegnerische Team.

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Bei der Partie zwischen den Favoriten der BRS Gersweiler aus dem Saarland und dem TV Markgröning aus Baden-Württemberg hielten die Zuschauer kurzzeitig die Luft an, wenn die Sportler zum Wurf ansetzten. Anerkennung und Bewunderung lösten besonders gut platzierte Bälle aus. Es war eine hart umkämpfte Begegnung. Die Teams schenkten sich keinen Zentimeter.

Nach dem offiziellen Einzug der Mannschaften am Eröffnungstag und den ersten Partien pendelte sich das Turnier aus Sicht des Veranstalters, gut ein. Hans Stauff, Mitspieler der ausrichtenden BSG, schaute gelassener auf die Partien: „Es läuft alles sehr gut, außer für Mettmann.“ Das lokale Team startete sehr nervös ins Turnier. „Es hat die Sicherheit im Spiel gefehlt, vielleicht ist es der Fluch des Ausrichters.“ Vor der Meisterschaft fielen wichtige Spieler lange Zeit bei der BSG aus. Das Team trat zu seinem Heimturnier nicht in Bestform auf, besonders war es aber dennoch: „Das Turnier wird von den Teams sehr gut angenommen und auch einige Gäste waren zeitweise da“, berichtete der 79-Jährige. Zugegeben, volle Ränge wie bei einer Fußball-WM oder Ligapartien in der Handball-Bundesliga durften bei einem so besonderen Sport wie Boccia nicht erwartet werden. Wobei auch hier einige internationale Profisportler mitwirkten.

Als klare Favoriten zeichneten sich bereits nach wenigen Stunden die Gäste aus dem Saarland ab. Die BRS Gersweiler trat mit zwei Mannschaften an und brachte gleich den frisch gekürten Drittplatzierten der Weltmeisterschaft mit: Der 33-jährige Boris Nicolai spielt für die Paralympische Nationalmannschaft und holte sich erst kürzlich im englischen Liverpool die Bronzemedaille im Einzel. Seit fünf Jahren betreibt er Boccia von seinem Rollstuhl aus. „Früher habe ich gerne Tennis gespielt und Boccia ähnelt dem doch ein bisschen. Es ist ein Ballsport, der dir ebenso viel Konzentration abverlangt.“ Der 33-Jährige spielt vier große Turniere im Jahr, reist als Profisportler viel um die Welt. Auch in Mettmann wurde der Nationalspieler entsprechend empfangen. „Die Leute wissen von meiner Platzierung, gratulieren und fragen, wie es war.“ Zeit zum geselligen Gespräch gab es während der Deutschen Meisterschaft in Mettmann schließlich auch: zwischen den Partien, beim gemeinsamen Mittagessen und am Abschlusstag bei der Siegerehrung.

Die Gold- und Silbermedaille sicherten sich im Übrigen die beiden Teams aus Gersweiler. Für die erste Mannschaft, mit Boris Nicolai im Kader, war es bereits die dritte Deutsche Meisterschaft in Folge. TV Markgröningen schaffte es auf den dritten Platz.