Boxer kämpfen für den Kinderschutzbund

Boxen : Boxer kämpfen für den Kinderschutzbund

In der Stadtwerke Arena fliegen die Fäuste – für einen guten Zweck. Das Finale der Rhein-Ruhr-Meisterschaft im Boxen steigt in Hilden und der Erlös der Veranstaltung geht an den Kinderschutzbund.

Laute Partymusik dröhnt aus den Boxen der gut besuchten Arena. Überwiegend Männer, nur wenige Frauen haben sich an diesem Nachmittag eingefunden, um dem Finale der Rhein-Ruhr-Meisterschaft im Boxen beizuwohnen. Zeitgleich wärmen sich die Jungs, die gleich in den Ring steigen, an den Seiten der Arena auf: Mit Trippelschritten und Hüpfbewegungen absolvieren sie mehrere Bahnen, die Fäuste halten sie vors Gesicht, holen immer wieder abwechselnd aus und weichen einem imaginären Gegenschlag aus.

Trainer Tim Ottehenning steht mittendrin, schaut auf den Boxring und mit einem Auge auf die Uhr. Einer seiner jungen Schützlinge steht kurz vor seinem Auftritt. Es ist der 15-jährige Dominik Parin, der erste Hildener, der an diesem Nachmittag in den Ring steigt. Gerade einmal seit einem Jahr trainiert Parin bei Ottehenning. Es ist erst sein zweiter offizieller Kampf. Trainiert wurde ausgiebig, berichtet Ottehenning. Vier bis fünfmal die Woche kommen die Jungs zu ihm. Eine spezielle Wettkampf-Vorbereitung gibt es im Anfängerbereich nicht. „Die Gegner stehen zwar schon länger fest, aber die Jungs wissen vorher nicht, auf wen sie treffen. Eine Gegneranalyse machen wir daher nicht“, sagt der Trainer. Natürlich sei Parin vor dem anstehenden Kampf nervös. „Das gehört dazu. Und wenn die Jungs nicht nervös sind, dann mache ich sie nervös“, erzählt der Trainer mit einem Augenzwinkern. Das fördere die Aufmerksamkeit. Ottehenning blick nochmal auf die Uhr. „Ich hol ihn jetzt“, sagt er und verschwindet in die Umkleidekabine.

Bei den vorangegangenen Kämpfen feuerten die Anwesenden in der Halle lautstark an, mit blutigen Nasen verließen einige Boxer den Ring. Schon bei den Jüngsten geht es hart zur Sache. Der Moderator kündigt das nächste Duell in der Juniorenklasse über 50 Kilogramm an: Dominik Parin vom Boxring Hilden im blauen Outfit gegen Yasin Bajut vom TuS Gerresheim im roten Dress.

Die Jungs stehen sich in voller Montur, mit Handschuhen, Mund- und Kopfschutz gegenüber, tippeln aufgeregt auf der Stelle. Die Glocke ertönt und sie nähern sich. Es dauert nicht lange und die ersten Treffer sitzen. Schläge mitten ins Gesicht benebeln Parin, der versucht, seine Deckung aufrechtzuerhalten. Die erste Runde geht blitzschnell vorbei. Parins Gegner ist schnell und präzise. Der 15-Jährige hingegen schafft es kaum, einen guten Treffer zu landen.

Trainer Ottehenning schickt seinen Schützling in die zweite Runde, wissend, was er zu tun hat. Die Glocke ertönt erneut, die Kontrahenten gehen aufeinander los und Parin kommt nicht mehr zum Schlag. Sein Trainer wirft das Handtuch in den Ring. Abbruch. Bajut gewinnt. „Das war so mit meinem Sohn abgesprochen“, verrät Uwe Ottehenning, Vorsitzender des Boxring Hilden. Man wollte den Jungen nicht vollends auflaufen lassen. Dafür habe er noch zu wenig Erfahrung im Ring.

Parin zeigt sich nach einer kurzen Erfrischung einsichtig: „Ich hätte schon noch gerne weitergemacht, aber ich verstehe meinen Trainer.“ Diese Erfahrung motiviere ihn, nur noch härter zu trainieren. Er träumt von einer Profikarriere. „Das Boxen macht mir einfach sehr viel Spaß, es hat mich selbstbewusster gemacht“, berichtet Parin, der vorher Football spielte. Zum Boxen sei er eher zufällig gekommen.

Was bei den jungen Wilden noch unkontrolliert erscheint, wirkt bei den alten Hasen schon bedachter: Erdinc Arslan (49, Boxring Hilden) boxt seit 30 Jahren, hat lange in der Oberliga gekämpft. Im Finale der RRW-Meisterschaft tritt er gegen Ihsan Seyirt (FK Mönchengladbach) an. Die beiden Kontrahenten nähern sich trippelnden Schrittes, tasten sich langsam voran. Die Schläge sind präziser, treffsicherer. Die Wut und Aggression, die bei einigen jungen Sportlern noch hervorblitzte, ist hier nicht zu erkennen. Es wirkt taktischer, ein wenig eleganter. Arslan gewinnt am Ende den Meistertitel. Seinen Gegner kannte er. Nervosität verspürte er vor dem Kampf nicht. „Besonders eingestellt habe ich mich auf mein Gegenüber nicht. Ich bin einfach meinem Stil treu geblieben, denn einen alten Baum versetzt man nicht mehr.“

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