Lokalsport: Bei Olympia mit geschwommen

Lokalsport: Bei Olympia mit geschwommen

Die Hildenerin Erna Herbers nahm 1952 als Schwimmerin an den Sommerspielen in Helsinki teil. Für eine Medaille reichte es damals zwar nicht, dafür sammelte sie spannende Erlebnisse und unvergessliche Eindrücke. Jetzt wartet sie mit Spannung auf London.

Es waren nur vier Zahlen, die der Nachrichtensprecher im Radio verlas. Doch diese sorgten dafür, dass Erna Herbers von ihren Gefühlen übermannt wurde. 1:14,4 Minuten waren es, die die Dänin Karen Margarethe Harup benötigte, um bei den Olympischen Spielen 1948 in der Schwimmhalle von London die 100 Meter Rücken hinter sich zu bringen.

"Als ich die Zeit hörte, sind mir die Tränen gekommen", erinnert sich die heute 87-Jährige, "im selben Jahr hatte ich bei den Deutschen Meisterschaften in Rheydt noch eine schnellere Zeit geschwommen. Das war echt Pech." Doch nur drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war an eine Teilnahme Deutschlands nicht zu denken. Da die Bundesrepublik vier Jahre später jedoch wieder in den Kreis der olympischen Familie aufgenommen wurde, ging für Herbers der Traum von einem Start bei den Spielen doch noch in Erfüllung.

Erfolgreiche Karriere

Mit damals 27 Jahren lag bereits eine erfolgreiche Karriere hinter ihr, unter anderem mit 15 deutschen Meistertiteln und acht deutschen Rekorden. Eine weitere Medaille kam 1952 bei den Sommerspielen von Helsinki allerdings nicht mehr hinzu.

Im Vorlauf über ihre Paradedisziplin von 100 Meter Rücken schlug Herbers, die vor lauter Nervosität die Wende nach 50 Metern verpasst hatte, mit 1:23,1 Minuten 8,4 Sekunden hinter der späteren Olympiasiegerin Joan Cynthia Harrison (Südafrika) an und wurde Letzte. Dennoch blickt die Wahl-Hildenerin gerne auf die Tage in Finnland zurück.

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Schon die Einkleidung der deutschen Delegation im Vorfeld ringt ihr immer wieder ein Lächeln ab. "Es stellte sich heraus, dass wir Schwimmerinnen und die Leichtathletinnen alle verhältnismäßig große Füße hatten, die Boxer dagegen eher kleine. Also haben wir die Schuhe getauscht und so sind dann die Boxer mit den spitz zulaufenden Damen-Schuhen rumgelaufen. Die waren aber zum Glück mit einem flachen Absatz", erinnert sich Herbers, die Schuhgröße 41 hat. Weitere bleibende Eindrücke waren die Abschlussfeier im Olympiastadion und die Rennen des tschechischen Langstreckenläufers Emil Zátopek, der mit Siegen über 5000 und 10.000 Meter zum Held der Spiele von Helsinki wurde. "Sein Konkurrent Herbert Schade kam ja aus Solingen und saß mit uns zusammen im Flugzeug", erzählt Herbers.

Im ziemlich einfach gehaltenen Studentenheim, in dem die Athleten untergebracht waren, gab es zudem ein Wiedersehen mit den niederländischen Kolleginnen, mit denen sich die Schwimmerin bestens verstand. Denn in Amsterdam geboren, lebte sie bis 1945 im Nachbarland, wo ihr Vater für eine deutsche Firma tätig war und sie mit dem Schwimmsport erstmals in Berührung kam. Erst im relativ späten Alter von zwölf Jahren lernte Herbers, sich im Wasser zu bewegen. Doch das Potenzial wurde offenbar schnell erkannt. Schon zwei Jahre später sicherte sie sich den Titel der Provinzmeisterin. Nur ein Jahr nach der Erfahrung bei den Olympischen Spielen beendete die gelernte Stenografin (Deutsch und Niederländisch) 1953 ihre Karriere und zog über die Umwege Hamburg und Hannover mit ihrem Mann 1970 nach Hilden.

"Nach vier Wochen hätte mein Mann erneut versetzt werden können, aber da habe ich gesagt, dass es jetzt mal reicht. Das Schöne an Hilden war, dass es auch nicht allzu weit von der niederländischen Grenze entfernt liegt", sagt die rüstige Seniorin, die das Schwimmen nie ganz aufgegeben hat. "Normalerweise gehe ich einmal die Woche ins Schwimmbad, aber wenn ich jemanden hätte, der mich mitnehmen könnte, würde ich gerne öfter gehen."

Das mehrmalige Umsteigen sei auf Dauer einfach zu anstrengend. Auch an Wettkämpfen würde sie gerne noch einmal teilnehmen. Doch von nur vier Zahlen würde sie sich dann sicherlich nicht mehr aus der Ruhe bringen lassen.

(RP)
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