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Lokalsport: Aus dem Schwimmbad in den See

Lokalsport : Aus dem Schwimmbad in den See

Nach erfolgreich absolviertem Theorieteil und Monaten im Hallenbecken durften die Nachwuchs-Taucher des TSC Manta Haan nun im Widdauer See II ihre Prüfung für das Deutsche Tauchsportabzeichen abschließen. Vor allem die Sicherheit stand bei den Prüfern im Mittelpunkt.

Zwar warnt das dreieckige Schild immer noch vor Wildwechsel. Doch wer das schwarze Reh vor dem nicht mehr ganz so weißen Grund sieht, kann sich sicher sein, nicht von einem plötzlich nahenden Wildtier überrascht zu werden. Eher dürften Barsche, Hechte oder Karpfen den Weg kreuzen. Denn zu finden ist der Warnhinweis nicht neben einer Straße, sondern auf dem Boden des Widdauer Sees II. "Man findet auch noch einige Stahlträger und Seile, die vom Kiesabbau damals übrig geblieben sind", erzählt Thorsten Hesselbein, der 2. Vorsitzende des TSC Manta Haan.

Seit rund 20 Jahren haben die Taucher, die im kommenden Jahr ihr 30-jähriges Vereinsjubiläum feiern, den Baggersee zusammen mit vier weiteren Vereinen gepachtet und nutzen ihn für ihre Freigewässerübungen oder um einfach die Unterwasservegetation zu genießen. Diesmal hat der Klub die Fahrt an die Grenze zwischen Langenfeld und Leverkusen jedoch auf sich genommen, um den jüngsten Vereinsmitgliedern die Gelegenheit für ihre zum Teil erste Taucherfahrung außerhalb des heimischen Hallenbades zu ermöglichen. Nach abgeschlossenem Theorieteil und Schwimmbadausbildung sind die Prüfungen im freien Gewässer der letzte Baustein auf dem Weg zum Deutschen Tauchsportabzeichen.

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Verhalten bei Notsituationen

Neun Jugendliche im Alter zwischen zehn und 18 Jahren versuchen, in insgesamt fünf zu absolvierenden Tauchgängen ihr Wissen anzuwenden, um dann das Gold-, Silber- oder Bronzeabzeichen in Empfang nehmen zu können. "Prüfungsinhalte sind Unterwasserzeichen, das Verhalten bei Notsituationen, zum Beispiel die Wechselatmung, falls einmal der Lungenautomat ausfällt", erklärt Jugendwart Jens Kluge, der wie andere TSC-Mitglieder vom Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) ausgebildeter und zugelassener Übungsleiter ist und so die Prüfungen abnehmen kann.

Auch die Regeln zum Auftauchen müssen den Prüflingen in Mark und Bein übergehen, nichts ist schließlich gefürchteter als die sogenannte Taucherkrankheit, die bei zu schneller Druckentlastung entstehen kann.

"Das ist wie mit dieser Sprudelflasche hier", sagt Hesselbein, schnappt sich die Plastikflasche und schraubt den Verschluss ab. "Dadurch nehme ich den Druck weg, und schon bilden sich Bläschen. So ist das auch im Körper. Wenn ich dort Druck zu schnell wegnehme, hat der Stickstoff, der sich im Blut angereichert hat, die Möglichkeit, Blasen zu bilden. Das gibt dann Embolien." Nicht umsonst liegt der Schwerpunkt der Ausbildung auf der Sicherheit. Die angehenden "Froschmänner und -frauen" sollen auf spätere Alleintauchgänge perfekt vorbereitet sein.

"Man muss ja vernünftig sein"

"Tauchen ist nicht ungefährlich. Das darf man nicht vergessen und da sollte man schon Wert auf Sicherheit legen", mahnt der 1. Vorsitzende, Peter Fernahl. "Anders als das bei Urlaubstauchschulen häufig der Fall ist, gibt es hier nicht automatisch am Ende den Schein. Solange jemand nicht sicher tauchen kann, bekommt er kein Abzeichen", ergänzt Hesselbein. Auf das in der bronzenen Version haben es Richard und Patrick abgesehen. Die beiden Zwölfjährigen sind seit einem Jahr dabei und haben bis jetzt vor allem im Haaner Schwimmbad erste Taucherfahrungen sammeln können. "Wir haben damals ein Probetraining mitgemacht. Das hat uns dann so viel Spaß gemacht, dass wir dabeigeblieben sind", sagt Richard. Dass die beiden ausgerechnet beim Tauchen gelandet sind, ist kein Zufall. "Wir sind sowieso zwei Wasserratten", meint Patrick freudig, "wir gehen oft schwimmen und sind auch im Schwimmverein."

Weniger Freude hat dagegen Ruben Hammerstein, der sich eigentlich auf das Silberabzeichen vorbereiten wollte, jedoch keinen Druckausgleich herstellen konnte und plötzlich Nasenbluten bekam. "Ich war noch einmal zum Testen im Wasser, habe dann aber beim Abtauchen direkt abgebrochen. Man muss ja vernünftig sein", sagt der 18-Jährige.

Ein Entschluss, der für die Übungsleiter nur allzu verständlich ist. "Schon, wenn einem nur unwohl ist, sollte man lieber nichts machen", findet Hesselbein, "denn gerade in solchen Situationen passieren dann die Unfälle." Doch Zeit, die Tauchgänge nachzuholen, bleiben in diesem Sommer noch genug. Und das "Achtung Wildwechsel"-Schild wird auch weiterhin in 15 Metern Tiefe auf kreuzende Taucher warten.

(-ham)