Auch ganz große Fußballer haben mal klein angefangen

Fußball: Der Kita-Cup bewegt Kinder

Jogis Jungs haben es bei dieser Weltmeisterschaft nicht weit geschafft  – im Kreis Mettmann läuft derweil die Nachwuchsförderung.

Auch in Hilden durften am Wochenende die Allerkleinsten ran und ihr fußballerisches Talent beim Kita-Cup unter Beweis stellen. Mehr Ambitionen als die reine Freude am Kicken brauchten die Kids aber nicht.

Gespannt stehen Eltern, Trainer und Betreuer am Spielfeldrand und fiebern mit. „Pass“, fordert ein eifriger Vater seinen Sohn auf. „Jetzt mach ihn rein“, ruft eine Mutter begeistert über den Platz, während sich ihr Sohn dem gegnerischen Tor nähert. Im Schlepptau, nahezu umzingelt, acht weitere Spieler, die sich um den Ball tummeln. Darunter nicht nur die gegnerische Abwehr, sondern auch Mitspieler der eigenen Defensive. Der Ball ist bei diesem Gewusel von Beinen kaum noch zu sehen. Die Zuschauer schmunzeln, feuern ihre Teams dennoch voller Inbrunst weiter an.

Und dann plötzlich kullert der Ball ins Netz. Die Torfrau – chancenlos – kann dem Ball nur noch hinterher schauen. Die Menge jubelt, klatscht und schreit. Der Torschütze blickt aufgeschreckt und verdutzt auf, erblickt die kreischende Menge. Nach einer gefühlten Ewigkeit hebt er dann langsam die Arme in die Luft. Ein Torjubel Richtung Fans? Das Team macht es ihm gleich: Die Jungen und Mädchen der Kita St. Konrad in roten Trikots reißen alle die Arme in die Luft. Ja, er hat getroffen.

Während sich der kleine Torschütze an der Bande mit den Zuschauern noch immer verdutzt anschaut und sich viele Fragen zu stellen scheint, trippeln die restlichen Spieler längst wieder munter weiter übers Spielfeld. Alle auf einmal hinter dem rollenden Ball her. Bevor man sich versieht, ist auch schon das nächste Tor gefallen. Jetzt jubeln die Fans der in Blau gekleideten Mannschaft von St. Marien. Nach wenigen Minuten zählt kaum einer mehr nach. Wie viel es steht? „Das ist doch auch egal. Hauptsache, die Kinder haben Spaß“, bemerkt eine Mutter.

Und das scheinen sie ganz offensichtlich zu haben, denn selbst als der Ball meilenweit im Aus ist, spielen die Kinder unaufgeregt und heiter weiter, ungeachtet der Anweisungen der vielen Co-Trainer an der Zuschauerbande. Eltern und Betreuer lachen amüsiert. Als es dann mal zu einem Einwurf kommt, tritt ein kleiner blonder Junge selbstbewusst an den Spielfeldrand und packt sich den Ball. Er schaut sich um und wirft die Kugel unkontrolliert von der Hüfte aus aufs Feld.

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Am Ende der Partie laufen die Kinder erschöpft aber glücklich – hier haben schließlich alle gewonnen – in die Arme ihrer Eltern. Auch der sechsjährige Max ist ganz geschafft. Spaß habe ihm die Partie dennoch gemacht, erzählt er, zumal er sein Torkonto aufstocken konnte. Bislang hat er in drei Partien schon 20 Treffer für sein Team von St. Marien erzielen können. Dabei spielt Max, bereits Vereinsfußballer in Hilden, eigentlich in der Abwehr. „Hier bin ich aber im Sturm.“ Beim Kita-Cup, erzählt er, ist er zum zweiten Mal dabei. Im Vergleich zum Vereinssport, mache ihm das Turnier besonders viel Spaß, weil er hier mit seinen Freunden spielen könne.

Vielleicht aber auch, weil der Kita-Cup ganz ohne vorheriges Training oder einen Schiedsrichter auf dem Feld auskommt. Denn das Turnier, erklärt Holger Meinhold, wird im Fair-Play-Modus ausgetragen. „Die Kinder regeln sich auf dem Platz selber, ohne Schiri“, sagt der Jugendleiter der SpVg. Hilden 05/06, die Ausrichter des Kita-Cups ist. Einige Beobachter, ehrenamtliche Helfer des Vereins, schreiten nur ein, wenn es wirklich notwendig ist. Aber das kommt an diesem Tag so gut wie gar nicht vor. Die Kinder haben einfach Spaß dabei, sich an der frischen Luft zu bewegen und dem Ball hinterher zu jagen.

Das, sagt Meinhold, sei auch das erklärte Ziel dieses Kindergarten-Turniers: „Die Idee entstand eigentlich aus der Überlegung heraus, wie man Kinder wieder mehr für die Vereine interessieren könnte.“ Vor gut zehn Jahren gab es daher den ersten Kita-Cup unter dem Motto „Hilden bewegt Kinder“. Die Bemühungen des Vereins tragen Früchte. „Wir haben durch dieses Turnier auch einige neue Spieler gewinnen können“, bestätigt Meinhold.

Am Ende eines sportlichen Tages erhalten alle Kinder eine Siegermedaille und für ihre Kita einen Erinnerungspokal. Und wer weiß: Vielleicht wurde hier der Grundstein für eine Profikarriere gelegt.

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