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Lokalsport: Abschied vom Beckenrand

Lokalsport : Abschied vom Beckenrand

Nach mehr als 40 Jahren als Trainerin bei ME-Sport hat Hildegard Döring sich zurückgezogen. Generationen von Kindern hat die Mettmannerin das Schwimmen beigebracht und auch Mitja Zastrow ein Stück begleitet.

Das Wasser ist ihr Element, auch wenn sie inzwischen lieber auf dem Trockenen bleibt. Vier Jahrzehnte lang hat Hildegard Döring am Beckenrand gestanden und Kindern das Schwimmen beigebracht. "Wer mich nicht kennt, der kann auch nicht schwimmen", sagt die Mettmannerin mit einem Schmunzeln. Generationen von Nachwuchssportler hat sie gefördert und gefordert, ihr Bestes zu geben. Bei Wettkämpfen hat sie mitgejubelt und mitgelitten. Immer war sie mit dem Herzen dabei.

"Als eines meiner Mädchen beim Frühlingschwimmfest endlich über sich hinausgewachsen und Bestzeit geschwommen ist, habe ich sie umarmt, gedrückt und mich mit ihr gefreut. Gleichzeitig war ich auch immer traurig, wenn die Kinder traurig waren", erzählt Hildegard Döring und ein wenig Wehmut schwingt in ihrer Stimme mit. Denn nach 40 Jahren als Schwimmtrainerin bei Mettmann-Sport hat sie ihren Platz am Beckenrand verlassen. Ganz ohne große Welle hat sie sich zurückgezogen, um die Verantwortung an jüngere Trainer zu übergeben. "Meine Aufgabe hat mir immer sehr viel Freude gemacht, doch eines Tages habe ich festgestellt, dass es mir nicht mehr so leicht fällt, wie früher. Inzwischen bin ich 77 Jahre alt und gehöre einfach nicht mehr ans Wasser", sagt die engagierte Ehrenamtlerin entschieden.

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Doch wenn die zierliche Frau mit den kurzen dunkelblonden Haaren und der fast jugendlichen Ausstrahlung über ihren Verein spricht, blitzen die dunkelbraunen Augen hinter den ovalen Brillengläsern und ihre Hände erzählen lebhaft mit. "Es war wie eine Familie für mich und hat mir über schwere Zeiten hinweggeholfen." Nach dem Tod ihrer Tochter gab die Aufgabe ihr Halt. Durch ihre Kinder ist Hildegard Döring zum Schwimmen gekommen. "Alles begann mit dem einfachen Satz: ,Mama, ich möchte schwimmen lernen.' So bin ich in den Verein gekommen", erinnert sich die erfahrene Trainerin an ihren ersten Besuch am Beckenrand.

"Irgendwann haben mein Mann und ich uns überlegt, wir könnten auch etwas für uns tun, und haben ebenfalls mit dem Sport angefangen. Damals bestand der Verein gerade ein halbes Jahr. Alles war noch ganz neu." Es fehlte an Kampfrichtern und Hildegard Döring wagte den Sprung ins kalte Wasser. Einmal angefangen, machte sie als Riegenführerin weiter, ließ sich anschließend zur Übungsleiterin ausbilden und erwarb schließlich die Trainerlizenz. Zehn Jahre lang engagierte sie sich bei der DLRG, 30 Jahre lang unterstützte sie die Lehrer am Konrad-Heresbach-Gymnasium beim Schulschwimmen.

"Mein Traum war immer, Lehrerin zu werden, ohne dafür studieren zu müssen. Das habe ich mir auf meine Art erfüllt." Sie galt als streng, doch einige Kinder verehrten sie gerade dafür. "Ein Junge kam mal nach einem Aufenthalt in einem Internat in den USA zu mir und bedankte sich bei mir. Er sagte, ich hätte ihn ziemlich hart angefasst, doch das habe ihm geholfen, in Amerika zurecht zu kommen."

Tausende solcher Geschichten kommen Hildegard Döring ins Gedächtnis, wenn sie an die vielen Gesichter der Kinder denkt, die sie vom Lehrschwimmbecken bis zur Wettkampfreife trainiert hat. Ein bisschen stolz ist sie darauf, Mitja Zastrow ein Stück auf seinem Weg bis zur Silbermedaille in der Staffel bei den Olympischen Spielen in Athen begleitet zu haben. Er war ihr bei seinem ersten Sprung ins Wasser gleich aufgefallen. "Ich habe ihn sofort angesprochen, ob er nicht zum Vereinstraining kommen wolle. Doch nach zwei Wochen war er nicht mehr dabei. Als ich ihn nach den Gründen fragte, sagte er, er wolle nur bei mir trainieren."

Der mehrfache Deutsche Meister bei den Masters, Timo Wesemann hat seine ersten Armzüge und Beinschläge ebenfalls unter den kritischen Augen von Hildegard Döring absolviert. "Er hatte seinen eigenen Kopf. Wenn ich sagte, er solle 200 Meter schwimmen, schwamm er 250 Meter." Doch auch ihr eigener Sohn ist nach wie vor Vereinsmitglied und gewann bei den Deutschen Meisterschaften 2011 mehrere Titel bei den Masters.

Viele Kinder sind ihr im Laufe der Jahre wie ihre eigenen ans Herz gewachsen. "Es war ein Lebensinhalt, den Gedanken aufzuhören, gibt es schon länger." Ganz verlässt sie den Verein jedoch nicht. Künftig möchte sie die Kinder bei den Wettkämpfen fotografieren und die Bilder auf die Internetseite stellen. Dafür hat sie eigens einen Fotokurs belegt. Furcht vor Langeweile hat sie nicht, auch wenn sie nicht mehr am Beckenrand steht.

(domi)