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Mettmann: Sozialstunden auf der Obstwiese

Mettmann : Sozialstunden auf der Obstwiese

Der Förderverein "Neue Wege e.V." stellt ein kreisweites Projekt auf die Beine. Kriminelle Jugendliche werden bei der Ableistung ihrer Strafe pädagogisch betreut.

Es geht nicht darum, einfach nur zu sanktionieren. Es geht darum, sich neuen Herausforderungen der Jugendkriminalität zu stellen und kreative Lösungen zu entwickeln. Prävention durch pädagogische Begleitung – das ist die Idee, die hinter einem neuen Projekt für straffällig gewordene Jugendliche in Mettmann, Wülfrath, Haan und Heiligenhaus steckt, dessen offizieller Startschuss gestern Morgen auf einer Obstwiese hinter dem Friedhof Lindenheide fiel.

Einblick in die Arbeitswelt

Acht junge Menschen im Alter zwischen 16 und 20 Jahren arbeiten dort in dieser Woche unter der Aufsicht von Sozialpädagoge und Anti-Gewalttrainer Uwe Mens einen Teil ihrer vom Jugendrichter verhängten Sozialstunden ab. Sie roden wild wuchernde Brombeerbüsche, fällen knorrige Bäume, legen einen Bachlauf frei und sprechen, wenn alles gut läuft, auch darüber, weshalb sie in der Vergangenheit straffällig geworden sind und wie sie sich ihre Zukunft vorstellen. "Das ist ein gutes Projekt", sagt Mens, "Die Jugendlichen sehen, was sie tun und was man gemeinsam schaffen kann. Außerdem bekommen sie einen Einblick in die Arbeitswelt. Wir stehen hier von neun Uhr früh bis nachmittags um vier."

  • Erkrath : Immer mehr Jugendliche sind straffällig
  • Hilden : Mehr Intensivtäter, mehr Sozialstunden
  • Mettmann : Mehr Intensivtäter, mehr Sozialstunden

Mens ist selbstständiger Erziehungshelfer. Sein Honorar und das Arbeitsmaterial bezahlen der Mettmanner Förderverein "Neue Wege e.V.", den die Volksbank bei diesem Projekt über Spenden finanziell unterstützt, sowie die Jugendämter der beteiligten Städte. Der Job auf der Obstwiese wurde vom Grünflächen amt der Stadt Mettmann vermittelt.

Keine Schwerkrminellen

Dirk Wermelskirchen, Jugendgerichtshelfer und stellvertretender Vereinsvorsitzender, sagt: "Das sind Arbeiten, für die die Stadt sonst keine Leute hat. Unser Ziel ist es, die Qualität der gerichtlich verhängten Arbeitsstunden zu steigern. Sozialstunden irgendwo stupide abzuarbeiten – das ist einfach nicht mehr zeitgemäß." Manchen Jugendliche bräuchten eine andere, eine intensivere Betreuung. "Diejenigen, die an diesem Projekt teilnehmen, sind sicher keine Schwerkriminellen. Aber sie haben auch nicht nur einen Schokoriegel geklaut." Einer der Jungs, die sich an diesem Vormittag durch das Brombeergestrüpp kämpfen, ist 19 Jahre alt, kommt aus Haan und hat bereits mehrfach Autos geknackt.

120 Sozialstunden muss er derzeit ableisten. Früher hat er auf gerichtliche Anordnung auch schon mal einen Keller renoviert. "Da war es wenigsten warm und die Arbeit nicht so stressig", sagt er. Als nächstes wolle er aber auf jeden Fall seinen Hauptschulabschluss nachholen. Was danach komme, wisse er noch nicht. "Aber Landschaftgärtner", sagt der 19-Jährige und grinst, "werde ich wohl nicht."

(RP)