Sonderausstellung im Neanderthal Museum Mettmann

Eine Aktion im Neanderthal Museum : Kinder sind Fährten auf der Spur

Im Neanderthal Museum erklärt Till Knechtges, wie man Tiere anhand von Knochen und Nahrung erkennt.

Wer schenkt einer Haselnuss-Schale schon Aufmerksamkeit? Vermutlich niemand, es sei denn, man ist Fährtenleser so wie Till Knechtges. „Guckt mal hier“, sagt der  Museumsmitarbeiter  und hält eine vertrocknete braune Nussschale mit den Fingerspitzen vor vielen neugierigen Kinderaugen in die Höhe, „wisst ihr, welche Tiere Haselnüsse fressen?“ Finger schellen in die Höhe, manche rufen einfach laut los. „Mäuse, Ratten, Igel, Eichhörnchen“. Till Knechtges lacht. „Genau. Und jetzt zeige ich euch woran ihr erkennt, wer von dieser Tierart diese Nuss hier geknackt hat. Schaut euch mal den Rand an, der ist ganz glatt. Hier ist eine winzige Einkerbung, da hat das Tier die Nuss mit den Zähnen aufgesprengt. Wäre der Rand uneben und zackig, wäre eine Maus am Werke gewesen, aber dies sind typische Merkmale eines Eichhörnchens.“

Fährtenlesen, für viele Menschen bedeutet das in erster Linie Spuren, Abdrücke auf dem Boden zu verstehen.  Dabei sei der Bereich wesentlich vielfältiger, erklärt der Experte. „Da, wo ein Tier etwas hinterlässt, Skelettteile, Federn, Fellreste, Krallen, Nahrungs- oder Kotreste entstehen Fährten, die es für uns Wissenschaftler zu entschlüsseln gilt. Wir können wertvolle Informationen über Lebensräume und Populationen gewinnen.“

Auf einem großen ovalen Tisch hat der Fährtenleser in einer Ecke der großen Ausstellung verschiedene Exponate liegen.  Die Kinder um ihn herum betrachten staunend Geweihe, streicheln über Felle oder Baumrinden.

„Von welchem Tier  könnte denn das hier stammen?“, fragt er in die Runde und zeigt auf einen kleinen  weißen Schädel. Der kleine Leo runzelt ein wenig die Stirn. „Hm, das könnte eine Biber sein oder ein Dachs“, überlegt der Siebenjährige laut.  Till Knechtges nickt: „Ja tatsächlich, das ist ein Biber und schaut mal hier die Zähne. Sie sind orange. Alle Nagetiere haben orangene Zähne.“  Und da kann der aufgeweckte Leo direkt noch einmal mit Fachwissen auftrumpfen. „Dieses Fell schützt den Biber vor der Eiseskälte im Bach.“  Die Neugierde der Kinder, deren Spontanität und Umgangsweise mit Neuem fasziniert den wissenschaftlichen Mitarbeiter immer wieder. „Kinder sind unvoreingenommen, das heißt, wenn sie mit etwas Neuem konfrontiert werden, gehen sie nicht rational daran, sondern lassen ihre Ideen sprudeln.“

Die Zähne an einem Tierschädel begeistern die Kinder besonders. „Guck mal“, ruft ein Mädchen, „manche Zähne sind noch gar nicht ganz raus gekommen. Und was bedeutet das? „Das war noch ein junges Tier“, findet Milla (6) schnell heraus und zeigt dann auf ihre eigene vordere Zahnlücke. „Bei mir kommen ja jetzt auch erst die Zähne, also ist es so alt wie ich gewesen.“

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