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SKFM im Kreis Mettmann: Anonyme Spurensicherung nach Sexualtaten

SKFM im Kreis Mettmann : Anonyme Spurensicherung nach Sexualtaten

Der SKFM hat fünf Krankenhäuser, darunter das EVK Mettmann, als erste Anlaufadressen gewonnen. Die Beweise werden zehn Jahre lang aufbewahrt

Erstmal. Heiß. Duschen. Wer Opfer einer Sexualstraftat geworden ist, will die Spuren und Verletzungen rasch loswerden. „Einfach wegwaschen“ ist eine Reflexreaktion. Allerdings mit schlimmen Folgen. Denn um einen Vergewaltiger anklagen zu können, brauchen Polizei und Staatsanwaltschaft gerichtsverwertbare Beweise. Diese würden unter einer Dusche vernichtet.

Die Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt für den Kreis Mettmann hat deshalb allen Betroffenen jetzt ein ASS an die Hand gegeben. Die Abkürzung steht für „Anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftaten“. In fünf Krankenhäusern des Kreises Mettmann – darunter das EVK Mettmann – haben sich die gynäkologischen Abteilungen verpflichtet, die Spuren von Übergriffen gerichtsverwertbar zu sichern. Anschließend können die Betroffenen duschen und sich Rat holen und überlegen, was die nächsten Schritte gegen einen Peiniger sein werden – der oft aus der Familie kommt, der Ehemann oder ein guter Bekannter ist. Die Beweise für die Straftat werden zehn Jahre lang in der für den Kreis Mettmann zuständigen Gerichtsmedizin Düsseldorf aufbewahrt:

  • Ein Abstrich wird in ein Laborröhrchen
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  • In einem Labor wird eine Tüte
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  • Eine Packung Teströhrchen in einem Labor.
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„Wir wollen dass die betroffenen Frauen selbstbestimmt darüber entscheiden können, was die nächsten Schritte sind“, sagt Eva-Maria Düring, die zuständige Bereichsleiterin beim SKFM – „Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer“. Oftmals befänden sich die Frauen in einer absoluten Ausnahmesituation. Für die SKFM-Vorstandsvorsitzende Lilo Löffler ist das Projekt ASS ein großer Fortschritt im Kampf gegen sexualisierte Gewalt: „So gewinnen Betroffene direkt nach der Tat Zeit und Raum, sich von körperlichen Verletzungen zu erholen und psychisch zu stabilisieren.“ Ohne dass entscheidende Beweise verloren gehen.

„KO-Tropfen sind beispielweise nur eine ganz bestimmte Zeit lang im Urin eines Menschen nachweisbar“, sagt Eva-Maria Düring. Auch deshalb sei die Beweissicherung in einem der fünf Kranknhäuser so wichtig. Die Frauen dort direkt die Fachabteilung aufsuchen. „Bitte gehen Sie jeweils zur Gnäkologischen Station. Dort sitzen die von unseren Ärzten geschulten Ansprechpartner.“ Diese werden bei der Spurensicherung von einem Computerprogramm angeleitet. So sei sichergestellt, dass kein wichtiger Punkt vergessen wird, der später bei Ermittlungen oder in einem Prozess wichtig wird.

Bekannt gemacht werden soll die ASS – die „Anonyme Spurensicherung“ nun in Kinospots, die im Vorprogramm der Frauen-Filmreihen in den Kinos gezeigt werden. Junge Frauen sollen im Rahmen der Aufklärung im Unterricht davon erfahren. Der SKFM hat zudem einen Flyer produzieren lassen, der unter anderem erklärt, warum Polizistinnen manchmal bei der Anzeigenaufnahme sehr detaillierte, oft als unangenehm empfundene  Fragen stellen. Eva-Maria Düring sagt: „Wir hoffen, dass ASS per Mund-zu-Mund-Propaganda bekannt wird.

Die fünf mitarbeitenden Krankenhäuser im Kreis Mettmann sind: das EVK Mettmann, das St. Marien-Krankenhaus Ratingen, das St. Josefs Krankenhaus Hilden, das St. Martinus Krankenhaus Langenfeld und das Helios Klinikum Niederberg in Velbert.