Singpause in Mettmann

Mettmann: Gemeinsames Singen macht glücklich

Beim gemeinschaftlichen Singen vor der Evangelischen Kirche strahlten die Senioren mit der Sonne um die Wette. Die Idee hatte der Runde Tisch für Seniorenfragen. Wiederholung erwünscht.

Die alte Dame hat sich schick gemacht. Ein hübsches Blüschen, darüber eine altrose farbene Strickjacke, ein passendes Halstuch gegen den leichten Wind an diesem sonnigen Herbstvormittag. Sie sitzt im Rollstuhl, aber das spielt jetzt gerade alles keine Rolle: die volkstümlichen Lieder, die sie hier gemeinsam mit anderen Senioren und begleitet von Musiker Klaus Markgraf an der Gitarre singt, die kennt sie alle noch aus ihrer Kindheit, jede Liedzeile ist ihr vertraut. „Der Kuckuck und der Esel, die hatten einmal Streit…“ singt die alte Dame mit offensichtlicher Freude und als wäre sie ein Dirigent wedelt sie mit den Armen dazu.

Gerfried Leutzsch vom Seniorenheim Neandertal freut sich über die Reaktion seiner Bewohnerin. „Wir sind hier mit acht Senioren hergekommen, singen gehört zu unserem täglichen Programm, man kann einfach auch sehen, was das mit den alten Menschen macht, sie erkennen etwas wieder, gute Gefühle die sie damit verbinden, kommen wieder hoch.“

Auch Seniorengruppen anderer Häuser sind der Einladung zum gemeinsamen Singen gefolgt, insgesamt 25 alte Menschen um die 80 Jahre finden sich hier heute zusammen, auf dem Platz vor der großen Kirche. Die Sonne lacht ihnen ins Gesicht und erwärmt Herz und Gemüter, einige wirken rüstig, andere sitzen auf Stühlen oder ihren Rollatoren, manche brauchen einen Rollstuhl, so wie die fröhliche Sängerin in der farbigen Strickjacke.

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Ein junger Pfleger, der ebenfalls die Gruppe begleitet, fasst ihr immer wieder vorsichtig an die Schultern, um sie leicht im Takt zu bewegen, sie dreht sich zu ihm um, lacht ihn glücklich und dankbar an. „Ein Vogel wollte Hochzeit halten“, „Ein Männlein steht im Walde“, „Freut Euch des Lebens“, die volkstümlichen Klassiker kennt jeder, die mitgebrachten Liederbücher benötigen die wenigsten. Einige Passanten bleiben interessiert stehen, beobachten aus der Entfernung.

Eine alte Frau mit schweren Einkaufstüten hält inne, schließt die Augen und singt mit. Eine junge Mutter mit ihrem kleinen Sohn setzt sich auf die Treppe am Platz, der kleine Junge jauchzt vor Vergnügen, klatscht ins eine Händchen. „Geht es Ihnen gut?“, fragt eine Pflegerin liebevoll eine Frau im Rollstuhl, die möchte nun lieber in den Schatten, es ist doch recht warm geworden in der Sonne. Dann geht es weiter mit „Im Frühtau zu Berge“ und „Kommt ein Vogel geflogen“:

Klaus Markgraf singt regelmäßig mit Senioren, sein Gitarrenspiel ist klar, sein begleitender Gesang warm und voll, seine Ansprache zwischen den einzelnen Liedern fröhlich und humorvoll. „Es hat mir so viel Freude gemacht, hier heute mit ihnen an diesem schönen Vormittag zu singen“, schwärmt er und die alten Damen und Herren danken es ihm mit viel Applaus und glücklichen Gesichtern, „aber nun ist die Stunde leider schon wieder herum und auf uns alle wartet jetzt das Mittagessen.“ Dann stimmt er noch einen der absoluten Volksklassiker an. „Mein Vater war ein Wandersmann“. Eine bis dahin eher ruhige Dame rudert aufgeregt mit den Armen und schubst ihre Sitznachbarin leicht an. „Oh ja, mein Vater war ein Wandersmann“, erzählt sie und ihre kleinen Augen blitzen vor Glück, „hollderi holldero.“

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