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Wülfrath: Silberreiher in Düssel

Wülfrath : Silberreiher in Düssel

Hegeringleiter Reinhardt Weniger und Rolf Niggemeyer vom Bund für Umwelt und Naturschutz freuen sich über den neuen Bewohner des Aprather Teiches. Bisher sind in Deutschland keine Brutplätze des Vogels bekannt.

Er ist ein ausgesprochen schöner Vogel. Sein silbrig-weißes Federkleid schillert, wenn das elegante Tier die Flügel ausbreitet und sich in die Luft erhebt. "Mehrfach habe ich ihn am Aprather Teich einfliegen sehen. In der Abendsonne ist das ein Naturschauspiel", sagt Rolf Niggemeyer vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Als Sensation bezeichnet Reinhardt Weniger den Silberreiher, der sich in Düssel niedergelassen hat. "Wenn noch ein zweiter käme und die beiden bei uns brüten, wäre das ein biologischer Knaller", betont der Wülfrather Hegeringleiter.

Bisher sind in Deutschland noch keine Brutplätze des Vogels bekannt. "Die Tiere sind hier eigentlich nicht heimisch. Sie kommen aus dem Mittelmeerraum. Durch den Klimawandel verlegen sie ihre Brutgebiete jedoch immer weiter nach Norden", sagt Klaus Adolphy. Der Biologe vermutet, dass der Silberreiher sein Winterquartier am Aprather Teich nicht verlassen hat, weil ihm ein Partner fehlt.

Zug bis nach Ägypten

"Normalerweise ziehen die Tiere im Frühjahr in Richtung Frankreich oder bis nach Ägypten." Er hat das Tier in diesem Jahr erstmals in Düssel beobachtet. "Das hat mich gefreut, weil es ein seltener und auffällig schöner Vogel ist." Rolf Niggemeyer ist zwar ebenfalls voller Bewunderung für das schöne Tier, macht sich aber auch Gedanken, ob der Silberreiher sich problemlos in das Ökosystem einfügen kann.

Die weitgehende Renaturierung der Düssel bietet inzwischen vielen Fischarten Laichplätze, über eine Treppe erreichen sie auch wieder den Rhein. Auf den Wiesen entlang des Flüsschens haben auch schon mehrfach Störche Rast gemacht und sich satt gefressen. "Das zeigt, dass sich die Natur wieder erholt", betont Reinhardt Weniger. Er könnte sich vorstellen, den Tieren auch einen Brutplatz anzubieten, falls sie häufiger auf einer der Feuchtwiesen auftauchen sollten. "Das werde ich im Auge behalten."

Der Hegeringleiter ist stolz darauf, auch den Milan und den Uhu wieder in seinem Revier zu haben. "Im vergangenen Jahr haben die Vögel hier deutlich mehr Junge aufgezogen als zuvor." Weniger führt das auch auf die bewusst verbesserten Lebensbedingungen zurück. "Wir haben acht Hektar landwirtschaftliche Produktionsfläche in Ackerstreifen umgewandelt. Die Hecken und Büsche bieten zahlreichen Tieren Unterschlupf. Dazu kommen Feuchtwiesen, die Amphibien ein Zuhause bieten."

Trotz aller Bemühungen sind Hase, Fasan und Rebhuhn allerdings noch nicht zurück gekehrt. "Es ist uns bisher nicht gelungen, diese Arten in Düssel wieder heimisch zu machen", sagt Weniger. Er vermutet, dass sie mit der zunehmenden Besiedlung weit weniger gut zurecht kommen als Rehe, Füchse oder Marder. "Es gibt Kulturfolger und -flüchter. Die einen richten es sich mit uns Menschen ein, die andern ziehen sich zurück."

Ob Silberreiher oder Storch künftig nicht nur zu einer Stippvisite vorbeikommen, sondern länger bleiben, wird stark vom Nahrungsangebot und der Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen abhängen.

(domi)