Mettmann Erkrath: Schule gegen Gewalt

Mettmann Erkrath: Schule gegen Gewalt

Was hilft gegen Straftäter an Schulen? Rufe nach Video-Überwachung und Eingangskontrollen werden laut.Pädagogen setzen auf Vorbeugung gegen Gewalt. Überwachung sei nicht realisierbar.

In Mettmann zündet ein Täter die Realschule an, an einem Düsseldorfer Berufskolleg wird ein Lehrer verprügelt, in Emsdetten schießt ein 18-Jähriger um sich, verletzt Schüler und Lehrer und tötet sich selbst. Stimmen werden laut, die mehr Sicherheit an Schulen fordern durch Videoüberwachung und Einlasskontrollen.

„Beides ist nicht realistisch“, sagt der für die Berufskollegs zuständige Kreisdezernent Hans-Anton Fliegauf. Bei über 2000 Schülern in den Kollegs in Mettmann, Hilden und Ratingen sei eine solche Kontrolle gar nicht machbar. Fliegauf: „Das wuselt da nur so rein und raus.“ Und solche Kontrollen seien an den Kollegs im Kreis auch gar nicht nötig, sagt Fliegauf.

Schulfremde bereiten Probleme

Heiko Mavius, Konrektor an der Mettmanner Realschule, räumt ein: „Es gibt Probleme, wenn schulfremde Personen auf das Gelände kommen.“ Auch habe es in jüngster Zeit Auseinandersetzungen mit Schülern von Nachbarschulen gegeben, die bei entsprechender Kontrolle nicht vorgekommen wären. Doch eine Videokontrolle könnte das Persönlichkeitsrecht von Schülern und Lehrern verletzen. Auch könnte sie dazu führen, dass Aufsichtspersonal die Vorgänge in der Schule gar nicht mehr so sehr wahrnimmt – für die Überwachung ist ja Video da.

Nützlich könnte eine Videobeobachtung in der Zeit außerhalb des Unterrichts sein, sagt Mavius. Hier habe die Realschule einen Vorstoß unternommen nach der Erfahrung mit dem Brandanschlag. Eine Eingangskontrolle sei hierzulande nicht so drängend wie in den USA, wo Schüler nach Waffen durchsucht werden.

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Dieter Smolka, Chef des Gymnasiums Hochdahl, setzt auf Vorbeugung. Man müsse früher ansetzen, etwa mit Streitschlichtern. Grundsätzlich gelte es auch, Schüler stark zu machen und ihnen Selbstvertrauen zu geben. Wenn ein Schüler gemobbt oder in die Isolation getrieben wird, müssen andere dies erkennen und den Mut haben, sich an Vertrauenslehrer zu wenden. Zivilcourage sei nötig. Smolka: „Das hat nichts mit Petzen zu tun.“

Wichtig sei auch die Zusammenarbeit von Eltern und Schule, um Fehlentwicklungen zu verhindern. „Wir müssen Schüler ansprechen, die in die Isolation zu gleiten drohen.“ Die Schule dürfe nicht wegsehen, wenn Schüler Probleme haben. Videoüberwachung sei vielleicht für andere Schulen nötig.

Kreisdezernent Fliegauf hält es für wirksamer, jungen Menschen eine Perspektive zu geben, als sie zu überwachen. Praktika in Betrieben etwa, um ihnen einen Weg in die Arbeitswelt zu ebnen. Damit befasst sich der vor einiger Zeit gegründete Runde Tisch „Arbeitsmarktqualifikation“, den der Kreis ins Leben gerufen hat.

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(RP)
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