Erkrath: Schützen haben jetzt einen Kaiser

Erkrath: Schützen haben jetzt einen Kaiser

Der Erkrather St. Sebastianus-Bruderschaft gelingt es in diesem Jahr nur mit viel Mühe, einen neuen Schützenkönig zu finden. Fast 45 Minuten lang tritt kaum einer zum Schießen an, bis Dr. Thomas Kirchhoff die Platte herunter holt.

Noch ein paar Tage vor dem Schützenfest der Bruderschaft hatte es so ausgesehen, als gebe es bei den Erkrathern Sebastianern wie gewohnt keine Probleme, einen neuen Schützenkönig zu finden. Gleich mehrere potenzielle Kandidaten wurden hinter den Kulissen ins Gespräch gebracht. Der Vorstand war sich offenbar sicher, einer von ihnen würde es schon machen.

Doch als gestern um 16.40 Uhr der Schuss auf die Platte freigegeben wird, ist geschlagene 45 Minuten lang von einem neuen Schützenkönig nichts zu sehen. "Gleich spielen die wohl noch Schnick-Schnack-Schnuck", frotzeln die Zuschauer schon. Immer und immer wieder verliest Schießmeister Tillmann Keens geduldig die Namen der Mitglieder der Bruderschaft. Doch kaum einer tritt zum Schießen an. Ernst Jüntgen versucht es zwischendurch ein Mal, auch zwei drei andere Kameraden, doch es bleibt nur beim Versuch.

Alle drei Söhne sind Prinzen

Als die Namen der Mitglieder in der Schießliste zum dritten oder vierten Mal über Mikrofon aufgerufen werden und die Uhr kurz vor halb sechs zeigt, tritt Dr. Thomas Kirchhoff an den Schießstand auf dem Gerberplatz. Schon an seinem Blick erahnen die vielen gespannten Gäste, dass er gleich die Platte herunter holen wird.

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Mit einem gezielten Schuss aus dem Kleinkalibergewehr beendet der Erkrather Chirurg das Drama um den Königsschuss und lässt sich unter großem Jubel feiern. Sichtlich gerührt und mit Tränen in den Augen gratuliert als einer der Ersten sein Sohn Gereon Kirchhoff, der eine knappe Stunde vorher Prinz geworden ist. "Damit sind alle meine drei Söhne nun Prinzen geworden", sagt Dr. Thomas Kirchhoff. Er selbst ist seit 1997 zum zweiten Mal König geworden und darf sich nun Schützenkaiser nennen.

"Den König nun Kaiser zu nennen ist eine Tradition, die wir aus den Nachbarstädten übernommen haben", sagt Kirchhoff. Völlig überrascht davon, dass sie beim Festzug eine halbe Stunde später als neue Königin in der Kutsche durch Alt-Erkrath fahren darf, ist auch Annette Kirchhoff. Heute Abend auf dem Krönungsball wird sich die Überraschung wieder gelegt haben und es gibt reichlich Gelegenheit, vielleicht schon mal für das nächste Jahr einen König auszugucken. Jürgen Krüger fehlten gestern ausnahmsweise Mal die Worte, das lange Warten auf den Königsschuss zu kommentieren.

Feste feiern können die Erkrather, das haben sie schon am Donnerstag beim großen Party-Abend im Zelt bewiesen. Die Band Radspitz zog Fans aus nah und fern an und sorgte bis in die späten Abendstunden für eine gute Stimmung. Bester Dinge waren auch die Besucher der Kirmes, bislang gab es keine handfesten Auseinandersetzungen, wie sie in den vergangenen Jahren schon mal vorgekommen sind.

Heute ab 13 Uhr wird kein König, sondern wie im Fernsehen ein neuer Superstar gesucht. Wer singen kann, oder es zumindest versuchen möchte, kann antreten. Nur Dieter Bohlen wird nicht da sein. Auch die Kirmes ist wieder geöffnet und die Schützen freuen sich über jeden Gast.

(RP)
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