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Wülfrath: Schnibbeln fürs Altenheim

Wülfrath : Schnibbeln fürs Altenheim

Den Oberkörper tief über die weißen Porzellanteller gebeugt, ordnen Hansjörg Clashausen und seine Frau Ulrike Ruccola-Blättchen strahlenförmig an. Immer wieder begutachten sie mit einigem Abstand kritisch ihr Werk. Als alle Teller mit leuchtendem Grün bestück sind, nickt Ulrike Clashausen zufrieden. "Unsere Ehefrauen haben heute einen nicht unbedeutenden Anteil an unserer Kochkunst", sagt Hansjörg Clashausen und blickt anerkennend auch zu Barbara Gerhold hinüber, die neben ihrem Mann Thomas am Herd steht.

Der Kantor der evangelischen Kirchengemeinde kümmert sich beim Promikochen im August-von-der-Twer-Haus um den Hauptgang. Die Vorspeise steht bereits auf dem festlich gedeckten Tisch jenseits der Therapieküche. "Die Melone mit Schinken und das Bruschetta haben wir schon fertig von zu Hause mitgebracht", berichtet Hansjörg Clashausen. Der ehemalige Hauptschullehrer und leidenschaftliche Jazzmusiker ist für den ersten und letzten Gang des Spendenessens zugunsten des Fördervereins verantwortlich. "Zum Dessert gibt es einen Baisertraum mit Musik", kündigt er mit vielsagendem Gesichtsausdruck an.

Spaghetti Cantore

Thomas Gerhold steht derweil mit einem großen Löffel bewaffnet am Herd und rührt mit kräftigen Armbewegungen in einer weißen Creme mit Blattspinat. Die Abzugshaube röhrt und aus dem Topf ringelt sich feiner weißlicher Wasserdampf nach oben. "Die Leute müssen heute das essen, was es auch bei uns zu Hause gibt. Das Gericht vereint zwar die Farben Italiens, doch ich weiß nicht, ob es das in Italien überhaupt gibt. Es heißt Spaghetti Cantore und ist ein Spezialrezept von mir", sagt der kräftige Koch im karierten Hemd mit einem Schmunzeln.

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Seine Kreation vereint Ruccola, Blattspinat, Frischkäse, Tomaten, Hähnchenbrust und natürlich die langen, schlangenartigen Nudeln. "Nur bei den Mengen bin ich mir nicht ganz sicher, denn ich habe noch nie für zwanzig Personen gekocht", sagt der Musiker, ohne von seiner Arbeit aufzusehen. "Wir haben auch erst vor drei Tagen erfahren, dass wir hier kochen sollen", fährt er fort. "Das war sehr spontan", ergänzt seine Frau. "Doch wir haben uns mit den anderen beiden gut abgesprochen."

Die ersten Gäste sind inzwischen eingetroffen, sie grüßen kurz zum Küchenteam herüber und unterhalten sich anschließend angeregt. Das leise Klirren von Sektgläsern mischt sich mit den gedämpften Stimmen und hin und wieder einem kehligen Lachen. Anni Wilken, die Vorsitzende des Fördervereins strahlt und wedelt mit einem Pergamentbogen, den sie knisternd auseinander faltet. "Das ist unser aktuelles Projekt", sagt sie und deutet auf die bunten Zeichnungen des Plans. "Wir wollen den Innenhof gestalten lassen. Doch der Kostenvoranschlag übersteigt unser Budget. Nun müssen wir zunächst beraten, was wir uns leisten können und wollen."

Musiksession zum Nachtisch

Anni Wilken hofft, dass die Gäste nach dem Essen fleißig spenden. Den Korb hat sie dezent am Ausgang platziert. Sie freut sich jedoch nicht nur auf die Kochkünste der beiden Prominenten, sondern auch auf deren gemeinsame Musikeinlage. "Das ist schon etwas Besonderes." Der Jazzmusiker Clashausen und der Organist Gerhold haben allerdings noch nie gemeinsam gespielt. "Wir machen eine spontane Session. Ich habe meine Gitarre mitgebracht und werde singen", sagt Hansjörg Clashausen. "Dann setze ich mich ans Klavier", beschließt Thomas Gerhold.

Die Gäste haben inzwischen rund um die Tafel Platz genommen und beginnen mit der Vorspeise. Unter das Klappern von Geschirr und Besteck mischt sich vereinzelt bereits Lob in Richtung Küche. Dort steht Thomas Gerhold immer noch am Herd und brät zischend und dampfend die Hähnchenbrust an.

(domi)