Wülfrath: Satem und die 100 Felder

Wülfrath: Satem und die 100 Felder

Satem hat Volker Bruns sein erweitertes Schachspiel genannt. Das Wort stammt aus dem Persischen und bedeutet soviel wie Hundert. Ebensoviele Felder hat das neue Brett. "Da der Begriff Schach auch aus dem Persischen kommt, passte die Bezeichnung wunderbar", sagt Volker Bruns. Ein Sprachwissenschaftler hat die Bezeichnung für ihn gefunden.

Denn obwohl der Wülfrather die Idee zu der neuen Form des alten Spiels selbst hatte, waren an der Umsetzung zahlreiche kluge Köpfe beteiligt. "Meine Partnerin Verena Kürschner hat den Figuren ihre Namen gegeben, ein Industriedesigner hat ihre Form entworfen und ein Architekt hat die Vorskizzen für das erweiterte Brett gemacht", so Volker Bruns. Ihm war wichtig, das Original zu bereichern ohne es dabei zu verfälschen. "Es ist kein Märchenschach. Wer Satem ausprobiert, wird viel Bekanntes bemerken und schnell die Faszination der neuen Möglichkeiten entdecken. Sie sind eine Herausforderung."

Als ihr Erfinder hofft der Musiklehrer, dass Kardinal und Narr möglichst viele Spieler begeistern. Ob sich seine Version durchsetzen kann, ist ungewiss. Zumal er sich nicht als Erster Gedanken über eine Modifikation des einst königlichen Zeitvertreibs gemacht hat. Andere Alternativen hat Volker Bruns auf dem Weg zu Satem allerdings links liegen lassen. "Damit habe ich mich gar nicht beschäftigt." Seine Version sollte logisch auf dem Bestehenden aufbauen. "Nun wünsche ich mir, dass die Leute es einfach ausprobieren."

Turniergerecht konzipiert

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Für den Fall, dass seine Entwicklung ein Erfolg wird, hat der Wülfrather sein Spiel gleich turniergerecht konzipiert. Bisher gibt es allerdings nur einen Prototypen. Den hat Volker Bruns in seiner Gitarrenschule zwischen Notenständern und Instrumenten aufgebaut und auch schon mit einigen Schülern das Satem ausprobiert. Er selbst hat seine Faszination für das Strategiespiel bereits als Kind entdeckt. Sein Vater stammt aus dem Schachdorf Ströbeck. Bei Verwandtenbesuchen faszinierten den Achtjährigen die Figuren, die Ausstrahlung und die Möglichkeiten des Schachs.

Die Idee zu Satem kam ihm ganz spontan. "Ich habe einen Fachartikel gelesen und anschließend war mir klar, was ich verändern muss", sagt der 49-Jährige. Der Entwicklungsprozess hat ein Jahr gedauert. "Es war schon schwierig, eine Produktionsfirma zu finden, denn in Deutschland stellt niemand mehr Figuren und Bretter her." Ein Betrieb in Osteuropa liefert nun den schwarz-weißen Spielplan mit den 100 Feldern und die insgesamt 44 Figuren für Satem.

(domi)