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Sandra Pietschmann im Portrait: „Ich bin eine Lernende“

Kommunalwahl in Mettmann : „Ich bin eine Lernende“

Das ist die Besonderheit im Mettmanner Kommunalwahlkampf: CDU und SPD haben mit Sandra Pietschmann eine gemeinsame Bürgermeister-Kandidatin aufgestellt. Die 49-Jährige ist zudem parteilos – und will es auch bleiben.

War ja irgendwie auch logisch. Nach einem Treffpunkt für das Zeitungsinterview gefragt, wählt Sandra Pietschmann, parteilose Kandidatin von CDU und SPD, die Geschäftsstelle des Vereins Mettmann-Sport an der Hasselbeckstraße unweit des Heinrich-Heine-Gymnasiums aus. „Hier verbringe ich viel Zeit, locker 50 Stunden“, sagt sie.

Seit 2008 ist die heute 49-Jährige Geschäftsführerin des 4500 Mitglieder zählenden Vereins. Doch schon zu seiner Gründung im Jahr 2005 war sie Leiterin der Geschäftsstelle, dann kommissarische Geschäftsführerin.

Eigentlich ist sie Bankkauffrau und baute ihre Qualifikation mit einer Ausbildung zur Fachwirtin für Sportmanagement aus, um für ihre jetzige Tätigkeit gerüstet zu sein. Später kam noch die Ausbildung als zertifizierte Mediatorin hinzu. Über Übungsleiterscheine ist sie bereits seit ihrem 16. Lebensjahr im Sportbetrieb aktiv.

Beruflich noch einmal umzusatteln, das war „eine harte Zeit“, erinnert sich Pietschmann. Damals hatte sie drei kleine Kinder, „und nebenher noch die Fortbildung durchzuziehen, das war schon eine Leistung“, sagt sie. Und auch ihre Tätigkeit bei Mettmann-Sport war eine große Herausforderung, galt es doch, „drei unterschiedliche Vereinskulturen zusammenzuführen“.

Der Verein Mettmann-Sport ging aus den Vereinen Mettmanner SC, Mettmanner TV und TSV Metzkausen hervor, um das Sportangebot in der Kreisstadt zu bündeln und zu stärken. Den Aufbau des neuen Vereins begleiten zu dürfen, „das war eine tolle Chance“, sagt Pietschmann.

Heute sind ihre Kinder mit 23, 25 und 26 Jahren erwachsen, doch die Bindung von Sandra Pietschmann und ihrem Ehemann Wolfgang (58) zu den Kindern ist immer noch eng. „Familie steht auf jeden Fall ganz oben“, sagt Pietschmann.

Ein zweiter Lieblingsplatz ist daher „sonntagsmorgens am Frühstückstisch mit möglichst vielen um mich herum. Wir haben einen großen Esstisch zu Hause, und je mehr daran sitzen, umso besser.“

Würde sie Bürgermeisterin werden, würde sich ihr Tages- und Wochenablauf verändern, dessen ist sie sich bewusst. „Was mich am meisten in den Fingern juckt, ist, dass wir das Klima untereinander verbessern“, erläutert sie ihre Motivation für die Kandidatur. „Das ist das, was mir aus Bürgersicht gefehlt hat.“

Die verschiedenen Kräfte in Mettmann zu einen und zu fokussieren auf Ziele, die der Kreisstadt gut tun, das sieht sie als ihre Aufgabe. „Es ist sehr wichtig, dass man sich entscheidet für einen Weg und dabei den Bürger mitnimmt.“ Dabei bezeichnet sie sich als „absoluten Teamplayer“.

Ihre Parteilosigkeit, die dem jetzigen Amtsinhaber bei dessen Wahl den entscheidenden Vorsprung sicherte, sieht sie als Vorteil, da sie ihren Blick weitet: „Wir können keine gute Idee liegen lassen, nur weil sie vom vermeintlich Falschen kommt.“ Und Sandra Pietschmann ist sich sicher, dass das so bleibt: „Ich werde überhaupt nicht in die Versuchung kommen, in eine Partei einzutreten.“

Ihr Motto lautet: „Ich bin keine Wissende, ich bin eine Lernende.“ Und seit sie Bürgermeisterkandidatin ist, entdeckt sie die Stadt Mettmann auf eine neue Weise. So zum Beispiel bei Radtouren und ihrem Format „Walk & Talk“, bei dem sie sich in die Stadtteile begibt und mit den Bürgern über deren Sorgen und Nöte spricht, das passt zu dieser Einstellung.

„Zuhören, verstehen, wo die Dinge im Argen liegen, und dann Lösungen entwickeln und sagen, wir machen das jetzt – das macht mich aus“, sagt sie.