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Regiobahn fährt noch – mit weniger Fahrgästen

Serie Innehalten : Regiobahn fährt noch – mit weniger Fahrgästen

Die S 28 ist dieser Tage zu einer Geisterbahn geworden. Doch sie fährt weiter.

Für alle, die noch pendeln müssen, eine erleichternde Nachricht: Die Regiobahn S 28 fährt auch weiterhin nach Regelfahrplan. Doch wer fährt eigentlich jetzt noch mit der Regiobahn? Wir schauten uns um.

In die Regiobahn steigen? Ins Neandertal – oder zum Einkaufsbummel nach Düsseldorf? Das ist so selbstverständlich geworden, dass wir nicht mehr darüber nachdenken. Und nun gibt es da diesen Halt auf halber Strecke – wegen des Corona-Virus. Der Zug des Lebens? Ausgebremst! Mit quietschenden Rädern kommt er langsam zum Stehen. Plötzlich ist er da, der Moment des Innehaltens. Zugegeben, er ist erzwungen. Und dennoch bekommen wir nun den Raum geschenkt, um uns auf das Wesentliche zu besinnen.

Dazu sollte auch Dankbarkeit dafür gehören, dass die Regiobahn noch fährt. Wenn auch nicht so durchgetaktet, wie man es von ihr gewohnt ist. Mit dem Sonderfahrplan stellt sich das Gefühl eines nicht enden wollenden Wochenendes ein. Nur dass uns das Murmeltiergefühl diesmal nicht mehr loslässt. So wie es dem „Wettermann“ ging im legendären Hollywood-Klassiker „Und ewig grüßt das Murmeltier“. Sie kennen den Film nicht? Dann sei nur soviel dazu gesagt: Ein grandios schauspielernder Bill Murray hängt in einer Zeitschleife fest. Jeden Morgen das gleiche Lied im Radio, jeden Tag die gleichen Leute mit den gleichen Allüren. Ein Entrinnen scheint es nicht zu geben – bis zu dem Moment, in dem der Protagonist begreift, dass nur eines hilft: Auf die Kleinigkeiten schauen und das eigene Leben verändern. Am Ende hat die Zwangslage aus dem egozentrischen Zyniker einen mitfühlenden Zeitgenossen gemacht.

Nun aber zurück zur Regiobahn und zu all dem, was einem dort – allein am Gleis sitzend – so in den Sinn kommen kann. Die Ruhe an einem sonst so lebendigen Ort ist nahezu unheimlich. Am Bahnsteig gegenüber warten zwei Leute auf den Zug, der die gespenstische Stille für einen Augenblick durchbricht. Zwei Männer unterhalten sich über die Gleise hinweg – einer sichtbar angetrunken und mit Bierflasche in der Hand. In solchen Augenblicken drängt sich die Angst vor dem auf, was dieser „Shutdown“ mit den Menschen machen wird. Eingesperrt in ihren Wohnungen, so als würden die Weihnachtstage nie enden. Psychologen kennen dieses Phänomen: Zu lange aufeinander hocken lässt so Manchen an seine Grenzen kommen.

Aber es gibt auch dieses beruhigende Gefühl von Normalität. Ein Mitarbeiter des Bauhofs läuft über den Bahnsteig – mit Schaufel und Besen. Er kehrt das auf, was andere weggeworfen haben und man möchte sich spontan dafür bedanken. Und auch dafür, dass er in diesem Augenblick die einzige Konstante ist inmitten von gefühlter Unsicherheit, die uns alle umfängt.

Die Bahn fährt ein, zwei Leute steigen aus. Die Augen klammern sich an ihre Bewegungen, weil es sonst nicht viel gibt, das einen hinweg tragen könnte aus der Stille. Und dennoch stellt sich irgendwann das wohltuende Gefühl ein: Er lässt sich aushalten, der erzwungene Halt auf halber Strecke. Und noch fährt sie, die Regiobahn. Sollte sie gänzlich stillstehen, so dürfen wir uns darauf verlassen, dass es irgendwann weitergeht. Es wird wieder Trubel herrschen auf den Bahnsteigen. Das Murmeltiergefühl wird uns wieder loslassen – und vielleicht bleibt sie dann: Die Dankbarkeit dafür, dass wir uns jederzeit in einen Zug setzen können.

In ganz NRW gibt es ab Samstag Sonderfahrpläne. Auskunft gibt es unter www.mobil.nrw.

*In unserer ursprünglichen Berichterstattung schrieben wir: „Aufgrund der aktuellen Sicherheitslage wird die Regionalbahn voraussichtlich ab Ende der Woche den Fahrbetrieb auf einen stündlichen Takt reduzieren.“ Diese Information basierte auf einer Auskunft des Kundenmanagements, die unsere Redaktion bei der Regiobahn am 18. März erfragte. In einer Presseerklärung teilte das Unternehmen jedoch am Freitag, 20. März, mit: „Die Regiobahn (S28) fährt weiter nach Regelfahrplan.