Wülfrath: Realschüler suchen Wege in die Kunst

Wülfrath : Realschüler suchen Wege in die Kunst

Beeindruckende Werke haben sie beim NRW-Projekt "Kultur und Schule" geschafft. 2014 ist man leider nicht mehr dabei.

Ganz schüchtern mit verschränkten Händen vor dem Körper und den Blick oft nach unten gerichtet, standen sie gestern im Rathaus-Foyer. Klar, Schüler der 5., 6. und 9. Klasse sind in dem Alter so. Aber die Lobeshymnen, die Kursleiterin Katja Wickert auf die zehn Mädchen und einen Jungen der Theodor-Heuss-Realschule anhob, können die elf jungen Künstler ganz sicher auf der Habenseite verbuchen. Im Rahmen des nordrhein-westfälischen Kunstprojekts "Kultur und Schule" haben sie sich ein Schuljahr lang auf die Spurensuche von Kunst begeben. "Plan und Zufall – Wege zur Kunst", nannte Kursleiterin und Künstlerin Wickert das Thema der einjährigen Erkundung. Die Werke werden bis Anfang August im Rathaus-Foyer ausgestellt. Gestern wurde die Schau eröffnet.

Als die schüchternen Jung-Künstler dann aber wieder ein wenig routinierter mit der Situation umgingen und sich im Raum umschauten, sahen sie wieder ihre beeindruckenden Werke, die man so jungen Künstlern gar nicht zugetraut hätte. Vor allem zwei Installationen schufen Raum für Interpretationen. Ein von außen graues und tristes Hochhaus gab den Blick auf bunte paradiesische Flächen im Innersten frei, wenn man eine der vier Wände in Form einer Tür öffnete. "Ich dachte erst einmal an einen Dschungel, eine Freundin erzählte von einem Hochhaus. das haben wir kombiniert", erzählte Jana Münzberg aus der 6. Klasse.

Die mannshohe Installation wurde so zum Hingucker. Ebenso wie die Kiste, auf der außen aufgepinselte Nobelmarken wie Prada und Dior etwas anderes versprechen, als innen zu sehen ist: Graffiti mit viel Müll. Es sind immer wieder Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen, die so durchaus kritisch Eingang finden in die künstlerische Arbeit der Kinder. Dabei hatten sie nicht immer Lust auf Kunst. "Es gab auch Kein-Bock-Phasen. Das gehört dazu, wenn man keine Vorgaben macht, sondern sich selbst erkunden will und muss", erzählt Wickert. Es ist ein beeindruckendes Projekt mit vielen Erfolgsmeldungen: Bei "Kultur und Schule" hatte sich Wickert zwei Jahre lang mit Oberthemen beworben und wurde angenommen. Das Ergebnis: Nicht nur eine Schulstunde pro Woche, sondern deutlich mehr gingen die ausgesuchten Schüler ihren künstlerischen Neigungen nach. Im nächsten Jahr sind die Wülfrather Realschüler aber nicht dabei. Die Bewerbung wurde von der Jury als zu wenig konkret abgelehnt. "Ich will mit den Kindern aber extra Vieles offen halten, damit sie sich selbst suchen und erforschen können", sagt Wickert.

(RP)