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Mettmann: Prozess: Todeszeitpunkt des Opfers ist unklar

Mettmann : Prozess: Todeszeitpunkt des Opfers ist unklar

Im Prozess gegen Milan S. ging es gestern um ein Alibi. Ehemaliger Vorgesetzter weist die Kritik des Kripobeamten zurück.

Vor dem Wuppertaler Landgericht muss sich Milan S. (39) wegen eines Tötungsdeliktes verantworten. Er ist angeklagt, im Januar 1994 eine 81-jährige Rentnerin nach einem Streit erwürgt zu haben. Im Prozess ging es gestern auch um die Frage, zu welchem Zeitpunkt die Mettmannerin getötet wurde.

Ein Kripobeamter, der damals ermittelte, sagte gestern vor Gericht aus, dass es ein Telefongespräch zwischen dem späteren Opfer und seiner Nichte am möglichen Tattag gegeben haben soll. Die Zeit dieses Telefongespräches wurde auf den 11. Januar zwischen 19 und 19.15 Uhr datiert. Die 81-jährige Rentnerin sei am Tattag nicht zur späteren Bibelstunde erschienen. Da sie als zuverlässig galt und ihren festen Tagesablauf hatte, meldeten Verwandte sie am nächsten Tag als vermisst. Am Freitagmittag (14. Januar 1994) wurde ihre Leiche von der Polizei in einem angrenzenden Schuppen gefunden. Wann wurde die Frau getötet und wer hat wann die Leiche dorthin gebracht? Diese Fragen sind nicht geklärt.

Fest steht jedenfalls, so der Vorsitzende Richter, dass der Fundort nicht der Tatort war. Ein Kripobeamter hatte in einer Zeugenaussage mitgeteilt, dass die Tür des Schuppens, in dem die Leiche später entdeckt wurde, bei der Suche nach der Vermissten im Laufe der Woche noch verschlossen gewesen sei.

Am besagten Freitag habe die Mutter des Angeklagten die Polizei informiert, dass die Tür einen spaltweit aufgestanden habe. Sie selbst habe sich nach ihren Aussagen nicht getraut, genauer nachzuschauen. Das Schloss, so ein Kripobeamter, sei beschädigt gewesen. Die Verteidigung geht davon aus, dass die Tür bis zum Zeitpunkt der Entdeckung abgeschlossen gewesen sei. Wer die Tür ab- oder wieder aufgeschlossen hat, konnte bislang nicht geklärt werden.

Wenig Licht ins Dunkel brachte gestern die Zeugenbefragung, ob Milan S. zur möglichen Tatzeit in einem Dentallabor geputzt habe. Nach den früheren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sollen die Eltern von Milan S. gegenüber der Polizei ein falsches Alibi abgegeben haben.

Ein Kripobeamter hatte am vergangenen Verhandlungstag die Arbeit der Mordkommission (MK) kritisiert. Sie sei recht schnell davon ausgegangen, dass es nur "die Jugos gewesen sein konnten", hätte es damals in Kripokreisen geheißen. Er hatte Bedenken gegen diesen Ermittlungsansatz. Vielmehr sei es möglich gewesen, dass Verwandte des Opfers zusammen mit dem Geliebten der Großnichte aus Habgier die Rentnerin ermordet hätten. Denn es ging um das Erbe und damit um das Haus.

Ein ehemaliger Vorgesetzter des Kripobeamten kritisierte gestern seinen Kollegen. Man habe über seine Tätertheorie damals in der MK den Kopf geschüttelt. "Dort saßen erfahrene Kripobeamte, er war damals ein Greenhorn." Der Vorwurf des Kollegen, die MK habe nicht in Richtung der Familie des Opfers ermittelt, sei nicht richtig, sagte der Vorgesetzte. Der Beamte sei kein einfacher Mitarbeiter, habe sich oft mit seinen Kollegen gestritten und sei versetzt worden. Er habe sich als Besserwisser aufgespielt. Rein fachlich sei der Kollege nicht zu kritisieren, sein Sozialverhalten hingegen schon.

(RP)