Erkrath: Protestanten mieten Kirche

Erkrath: Protestanten mieten Kirche

Die evangelische Bezirksgemeinde Unterfeldhaus wird Untermieter im katholischen Gemeindezentrum am Niermannsweg. Das ist ein Novum im Erzbistum Köln. Nun besichtigten die neuen Mitnutzer die Räume.

Unterfeldhaus ist für das Erzbistum Köln ein Novum und wird darum vielleicht in die Kölner Kirchengeschichte eingehen. Denn ab dem 1. Oktober wird die evangelische Bezirksgemeinde Unterfeldhaus Mieter im katholischen Gemeindezentrum am Niermannsweg sein. Der "Große Rat" im Erzbistum Köln hat mit Kardinal Joachim Meißner zugestimmt, dass die Räume des katholischen Gemeindezentrums an die evangelischen Christen zur Mitbenutzung für 12000 Euro im Jahr untervermietet werden. Die Protestanten mussten ihr eigenes Gemeindezentrum an der Matthias-Claudius-Straße aufgeben, weil sie den Unterhalt nicht mehr zahlen können. Die Vereinbarung beinhaltet eine Probezeit von einem Jahr. Zwar hat man vorher schon erlaubt, dass Christen in Fall von Kirchenrenovierungen Gastrecht gewährt wurde. Aber eine Untervermietung gab es noch nicht.

"Ökumenische Trendsetter"

Sogar "ökumenische Trendsetter" wurden die beiden Bezirksgemeinden in Unterfeldhaus genannt. Bei allem Schmerz über den Verlust des eigenen Gemeindezentrums sieht die evangelische Gemeinde in dieser Konstellation den Beginn eines ökumenischen Geistes. Die Christen feiern in einem Raum Gottesdienst, allerdings nicht zur gleichen Zeit. Auch werden alle evangelischen Gemeindekreise im katholischen Zentrum ein neues Zuhause finden. Die "Mieter" konnten sich jetzt erstmalig mit den Räumen vertraut machen. "Wir wurden von den katholischen Gastgebern mit offenen Armen empfangen", sagte Pfarrerin Gisela Kuhn bei der ersten Begrüßung. Und sie fügt hinzu: "Die Katholiken haben uns das Leben gerettet." Auch Pfarrer Günter Ernst begrüßte die evangelischen Mieter mit Herzlichkeit. Er freue sich auf das gemeinsame Leben und ein ökumenisches Miteinander – organisiert oder spontan. Die neue räumliche Nähe biete viele Möglichkeiten. Für den 22. September ist der Umzug von der Matthias-Claudius-Straße zum Niermannsweg geplant. Was mitgenommen werden darf, wurde vorher abgesprochen. Natürlich sind Tauf- und Abendmahlgeschirr, Bibel, Leuchter, Wandteppich und Kreuz dabei. Für die Jugend werden der Billardtisch und der Kicker mitgenommen. Auch die Orgel geht auf jeden Fall mit. Das hat sich die katholische Gemeinde gewünscht. "Wir ziehen aus dem eigenen Haus in eine Mietwohnung", sagte Pfarrerin Kuhn. Der erste Gottesdienst am Niermannsweg wird am Sonntag, 30. September, gefeiert.

(gund)
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