Wülfrath: Protest-Marsch der Forensik-Gegner

Wülfrath: Protest-Marsch der Forensik-Gegner

Von zehn Kern-Aktivisten kommen vier aus Wülfrath. Auch die Bergische Diakonie Aprath wird als Standort abgelehnt.

"Von wegen weit ab" steht in fetten Druckbuchstaben auf dem Flyer, der in der vergangenen Woche zahlreiche Wülfrather Autos zierte. Gemeint ist damit das Gebiet "Kleine Höhe" in Wuppertal, das als potenzieller Standort für die vom Land geplante forensische Klinik gilt. Das Flugblatt fordert die Wülfrather auf, sich an einem Protestmarsch am Samstag hin zu der Freifläche am Wuppertaler Stadtrand zu beteiligen. Doch würde nicht genau die Beteiligung am Wuppertaler Protest das ureigene Interesse, den Forensik-Bau auf Wülfrather Gebiet zu verhindern, schwächen?

Drei Standorte stehen zurzeit für die Forensik zur Diskussion: zwei in Wuppertal, darunter die Kleinen Höhe in unmittelbarer Nähe zum Wülfrather Stadtgebiet sowie seit kurz vor Weihnachten einer in der Kalkstadt selbst: das Gelände der Bergischen Diakonie Aprath am Oberdüsseler Weg. Der sogenannte Sternmarsch-Aufruf für diesen Samstag beschränkt sich lokal eindeutig auf Wuppertal, obwohl er auch Wülfrather zum Mitmachen auffordert. Wuppertal solle nicht zur "Knaststadt" werden, steht auf dem Flyer sowie "ein Forensik-Bau innerhalb der Wuppertaler Stadtgrenzen soll vermieden werden."

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Verlangen also die Wuppertaler Solidarität von Wülfrathern und beschränken aber selbst ihre Proteste nur auf die eigene Stadt? "Auf gar keinen Fall", antwortet Anna Mahlert, die sich federführend in der Elterninitiative "Keine Forensik in Wuppertal" engagiert. Die Flyer sei schon in Druck gewesen, als von einem möglichen Wülfrather Standort noch gar nicht die Rede gewesen sei. "Für uns gilt es auch, einen Forensik-Bau in Wülfrath zu verhindern", betont die Rechtsanwältin. Abseits der moralischen Solidarisierung mit den "Nachbarn", wäre die Diakonie auch nur rund 400 Meter von der Kleinen Höhe entfernt - und somit nach Meinung der Protestler genauso untragbar als Forensik-Standort. Von zehn Kern-Aktivisten der Gruppe kommen vier aus Wülfrath, berichtet Mahlert.

Auch Bürgermeisterin Claudia Panke beobachtet die Aktionen der Anwohner. Ob der Sternmarsch gegen die Bebauung der Kleinen Höhe den Wülfrather Standpunkt eher noch interessanter macht, vermag sie nicht zu sagen. "Ich kenne nicht die Kriterien, nach denen das Land den Ort auswählt", sagte sie am Donnerstag. Doch ob Wülfrather oder Wuppertaler - sie könne die Ablehnung der Anwohner bei diesem sensiblen Thema verstehen. Wichtig sei es jedoch, dass sie und die Stadt die Planung des Landes aus einer sachlichen Perspektive, statt aus einer emotionalen, betrachte. "Fest steht aber, da ich die Interessen der Wülfrather Bürger vertrete, dass ich keine Befürworterin der Forensik auf Wülfrather Stadtgebiet bin", betonte Panke. Diesem Statement schloss sich Anna Mahlert, stellvertretend für die Wuppertaler Aktivisten an. "Die Diakonie Aprath soll in Zukunft fester Bestandteil unserer Proteste werden", versprach sie.

(nibo)
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