Kreis Mettmann: Polizei stoppt mobile Einbrecherbande

Kreis Mettmann : Polizei stoppt mobile Einbrecherbande

Die Zahl der Einbrüche steigt weiter an, die Aufklärungsquote ist niedrig. Die Gewerkschaft fordert mehr Personal.

Sieben Einbrüche in Velbert, Ratingen, Mettmann, Haan und Langenfeld meldete gestern die Kreispolizei. So geht das beinahe Tag für Tag. Im ersten Halbjahr registrierte die Polizei 920 Einbrüche im Kreis, 6,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Tendenz ist weiter steigend, bestätigt Polizeisprecher Frank Sobotta. Nicht jede Kreisstadt sei gleichermaßen betroffen. Haan schon. Die Diebe haben mittlerweile sogar das abgelegene Gruiten für sich entdeckt. Auch in Velbert, Erkrath und Wülfrath schlagen die Einbrecher vermehrt zu. In Langenfeld und Monheim ist die Zahl der Einbrüche rückläufig — zumindest in den ersten sechs Monaten.

Die "Ermittlungskommission Wohnungen" bearbeitet zentral alle Einbrüche, schaut weit über das Kreisgebiet hinaus. Bei Verkehrskontrollen werden mutmaßliche Täter gezielt angehalten. Foto: kreispolizei

Neben der Anzahl der Einbrüche steige aber auch die Aufklärungsquote, betont Sobotta und verweist — ohne Zahlen zu nennen — auf einen aktuellen Erfolg. Die Polizei in Coesfeld hat Mittwoch drei Einbrecher in Velbert festgenommen. Dort wohnen der Jordanier (21), Serbe (21) und Montenegriner (30) mit ihren Familien. Die Bande soll für mindestens 20 Einbrüche im Münsterland verantwortlich sein. In der letzten Zeit waren sie im Grenzgebiet zu Rheinland-Pfalz aktiv. Aufmerksamen Zeugen fiel ein schwarzer BMW mit Mettmanner Kennzeichen auf. Er brachte die Fahnder nach wochenlanger Kleinarbeit auf die Spur der Kriminellen.

Der Fall zeigt: Die Täter sind sehr mobil und arbeiten nicht mehr nur in der eigenen Wohnumgebung. Ende November ging der Polizei in Bergisch-Gladbach eine Einbrecherbande aus Marl ins Netz, der 19 Einbrüche im Südkreis Mettmann zugeordnet werden. Ihre spezielle Arbeitsmethode, das Aufbohren von Fenstern, wurde den Rumänen zum Verhängnis. Denn die Kreispolizei hat vor einem Jahr eine "Ermittlungskommission Wohnungen" gebildet. "Das zahlt sich jetzt langsam aus", glaubt Sobotta. Die sechs Fahnder bearbeiten zentral alle Wohnungseinbrüche im Kreis: "Muster fallen so schneller auf. Und die Kollegen tauschen sich regelmäßig mit anderen Auswertern bis ins Ruhrgebiet hinein aus." "Die Polizei strengt sich an.

Um Erfolg zu haben, brauchen wir aber mehr Leute", betont Udo Kutsche, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Kreisverband Mettmann. Durch Verlängerung der Wochen- (auf 41 Stunden) und Lebensarbeitszeit (auf 62 Jahre) habe die Landesregierung rechnerisch 2400 Polizisten mehr auf die Straße gebracht. Die Wirklichkeit sehe anders aus: "Zwei ältere Kollegen im Streifenwagen haben vielleicht zusammen 124 Jahre Lebenserfahrung: Aber die können keinem 18-jährigen Straftäter hinterherlaufen." 2020 würden bei der Kreispolizei 220 Kollegen pensioniert.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Wilhelm Droste aus Ratingen teilt Kutsches Sicht. Auch der Polizei in Mettmann fehle Personal und Ausstattung. Die Aufklärungsquote bei Einbrüchen im Kreis sei mit 14,77 Prozent (2012) "erschreckend niedrig". Noch geringer sei die Aufklärungsquote bei Autodiebstählen: 6,6 Prozent.

(RP)