Autobahn-Kontrollen: Polizei nimmt sich schwere Lkw vor

Autobahn-Kontrollen : Polizei nimmt sich schwere Lkw vor

Nach den tödlichen Unfällen auf der Autobahn 3 bei Breitscheid laufen in dieser Woche verstärkte Kontrollen. Die Beamten nehmen Brummis auf dem Rastplatz Ohligser Heide in Fahrtrichtung Köln unter die Lupe.

Schwere Lastwagen-Unfälle haben in jüngster Vergangenheit viele Todesopfer gefordert: Erst vor kurzem starben vier Menschen auf der Autobahn 3 bei Ratingen, weil ein 40- Tonner in ein Stauende raste. Ursache für solch schlimme Kollisionen sind in aller Regel ein zu geringer Abstand oder die Unaufmerksamkeit des Fahrers. Aus diesem Grund kontrolliert die Polizei in dieser Woche verschärft den Schwerlastverkehr.

Der Mann im ballonseidenen Trainingsanzug lehnt mit dem Kopf an der Fahrertür seines schweren Lkw, sein Blick ist auf den Boden gerichtet, er spricht nicht. Soeben wurde sein grauer 40-Tonner von einer Polizeistreife auf den Rastplatz Ohligser Heide, Fahrtrichtung Köln, gelotst. Wieso, warum? Der Fahrer zuckt nur mit den Schultern. Er kommt aus Weißrussland, versteht kein Wort. Der Lkw dagegen ist im Emsland zugelassen.

Polizeioberkommissarin Tanja Jandt kennt diese Konstellationen nur zu gut. "Das alte Spiel: Deutsche Spediteure beschäftigen günstige Fahrer aus dem osteuropäischen Ausland. Das Problem ist: Sie verstehen die Sprache nicht, kennen häufig weder die Vorschriften was die Ladesicherung betrifft, noch die Technik ihres Fahrzeugs. Sie wissen nur, sie müssen schnell sein und kriegen sehr viel Druck vom Unternehmer. Der Mann kann einem fast leid tun."

Die Polizistin wirft einen Blick auf den Auflieger, holt dann ihre Messlatte. "Hab ich mir gedacht, der Wagen ist zu hoch. Das ist schon mal eine Ordnungswidrigkeit, schauen wir mal weiter." Mit Kollegen zieht sie die Plane an der rechten Seite hoch, ein Blick auf die Ladung - die erfahrene Autobahnpolizistin ist entsetzt: Der 40-Tonner hat Blechcoils geladen, Stückgewicht rund 1000 Kilogramm, gesichert mit Spanngurten, die maximal 200 Kilogramm halten. Tanja Jandt tippt den Fahrer an, zeigt auf die Blechrollen. Mit abwinkender Hand macht sie ihm schnell klar: Eine Weiterfahrt ist so nicht möglich.

Zeitgleich auf einer Autobahnbrücke: Lasergeräte messen die Abstände der einzelnen Laster. Zu Stoßzeiten machen sie rund 40 Prozent des Gesamtverkehrs aus. Michael Storck beobachtet von einem Fahrzeug aus auf Bildschirmen die Aufzeichnungen. "Heute Morgen gab es bislang etwa 80 Verstöße", erklärt der Düsseldorfer Polizist, "mit moderner Technik können wir auch in die Fahrerhäuser schauen und so erkennen, ob und wie der Fahrer eventuell abgelenkt ist." Kaffeekochen während der Fahrt, Fernsehen, Zeitung lesen - es gibt kaum etwas, was die Beamten noch nicht erlebt haben. "Unlängst hatten wir einen, der hat sich während der Fahrt die Fußnägel geschnitten", erzählt Polizeisprecher André Hartwich und verzieht ein wenig angeekelt das Gesicht.

Auf dem Rastplatz telefoniert Polizistin Tanja Jandt mit dem Spediteur des vorübergehend still gelegten 40-Tonners. "Der Wagen darf nicht weiterfahren, solange die Ware nicht mit den entsprechenden Gurten gesichert wird und ihr Fahrer 150 Euro in bar hier vor Ort bezahlen kann." Trotz lauter Autobahn hört man durch den Hörer den aufgebrachten Spediteur, aber Jandt bleibt ruhig und souverän. "Ich finde das gut so. Denn der Stillstand des Lkw tut dem Spediteur richtig weh. Vielleicht bringt das ein wenig Einsicht."

(RP)
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