Performance in der Mettmanner Kulturvilla: Fürs Tanzen braucht man kein Gehör

Mettmann : Fürs Tanzen braucht man kein Gehör

Ein paar Sternstunden erlebten große und kleine Gäste jetzt bei Workshop, Konzert und einer poetischen Performance in der Kulturvilla.

Zunächst war ein Workshop von Pierre Geagea und Georg Kroneis angesagt, der alle ansprach, die gerne tanzen, bevor die beiden Künstler dann am Abend ein hoch interessiertes Publikum beeindruckten. Was ist daran so spannend, wenn ein Musiker und ein Tänzer auftreten?

Eigentlich nichts. Doch hier war etwas ganz Außergewöhnliches zu erleben, denn der Tänzer ist gehörlos und das machte sowohl den Workshop als auch das Abendprogramm zu etwas wirklich Unvergleichlichem. Zum Workshop hatte sich eine Gruppe junger Mädchen von Mettmann Sport eingefunden, aber auch einige Damen reiferen Alters, die in höchster Aufmerksamkeit die Bewegungen von Pierre Geagea nachvollzogen und dabei  Gebärden der Gehörlosensprache erlernten.

Pierre stammt aus dem Libanon und Georg aus Graz und die beiden sind seit Jahren ein brillantes Team. Georg spielte auf der Viola da gamba, die er mal wie eine Gitarre handhabte, mal wie ein mittelalterliches  Lauteninstrument, mal zupfend, mal streichend, aber immer voller Empathie. Entspannung und Atemübungen leiteten den Vormittag ein, zu mystischen Klängen ergaben sich elegante Bewegungen und die ersten Vokabeln in der Gebärdensprache.

Hausherrin Constanze Backes hatte sich in die Riege eingereiht und später das Einsingen für ein von Georg komponiertes Lied übernommen,  mit einem ungemein berührenden Text (dem Sinn nach): Es macht nichts, ob du blind bist, denn wir können reden. Es macht nichts, ob du taub bist, denn wir können uns berühren. Es macht nichts, wenn du weit weg bist, es spielt keine Rolle, wo du bist – ich fühle dich immer an meiner Seite, egal ob bei Tag oder in dunkelster Nacht. Dieses Lied mit den ausdrucksstarken Gebärden konnte die Tanztruppe dann am Nachmittag vor begeisterten Eltern und Freunden  aufführen.

Am Abend waren die beiden Künstler allein auf der Bühne der Villa. Zu meditativen Klängen frühbarocker Meister, die von irgendwoher zu kommen schienen, tanzte Pierre in vollkommener Harmonie, als könne er die Musik hören. Er folgte den Rhythmen, verstand piano und forte auszudrücken, das Muskelspiel seines Körpers war einfach genial. Anna Rösing, die Jahrzehnte lang selbst eine Tanzschule in Mettmann geleitet hat, war fasziniert und voller Begeisterung. Mit Eleganz und Emotionalität schenkte Pierre sein Herz, seine Gesten hatten etwas Überirdisches. Seit über 40 Jahren gehen im Libanon Millionen auf die Straße und fordern Rechte für Gehörlose ein, eine einheitliche Sprache für die Menschen, denen das Hören versagt ist. Georg übersetzte einen flammenden Appell, bevor für die Zugabe zwei der Mädchen vom Nachmittag mit auf die Bühne geholt wurden und der Song mit der Gebärdensprache wiederholt wurde.

Von Herzen kommender Dank an Constanze Backes und Bodo Herlyn, die die beiden Künstler aufgenommen hatten. Nach der Veranstaltung, die Teil des Andertal-Festivals war, wurden noch Nudeln gekocht und hörende und gehörlose Freunde bewirtet.

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