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Wülfrath: Ostdeutsche Maiandacht

Wülfrath : Ostdeutsche Maiandacht

Nach dem Kirchgang treffen sich die Besucher im Pfarrheim St. Maximin Düssel. Organisatorin Dorothea Walda: Diakon Michael Anhut rückt die Tradition in ein aktuelles Licht.

"Maria, Maienkönigin, dich will der Mai begrüßen, segne ihn mit holdem Sinn und uns zu deinen Füßen!" Ein Lied für die Gottesmutter, das den gleichen Ursprung hat wie viele Besucher der ostdeutschen Maiandacht am Sonntagnachmittag in der Düsseler Kirche St. Maximin. So sangen die sie das traditonelle Liedgut andächtig in Gedenken an die ehemalige Heimat vor ihrer Zeit im niederbergischen Land. Es waren Andenken, die die Andacht und das anschließende Beisammensein im Pfarrheim prägten. Trotzdem gelang Diakon Michael Anhut der Bezug zur heutigen Zeit, mit dem er Organisatorin Dorothea Walda begeisterte: "Herr Anhut hat das Talent, Tradition in ein aktuelles Licht zur rücken. So hat auch heute seine Predigt gezeigt, welch große Bereicherung für unsere Gemeinde ist."

"Texte glänzen in Schlichtheit"

Anhut, der sich zum ersten Mal der Herausforderung der ostdeutschen Maiandacht stellte, fand durchaus Gefallen am Kulturgut der osteuropäischen Region: "Durch die ostpreußische Herkunft meiner Eltern habe ich durchaus eine Affinität zu diesen und ähnlichen Gebieten. Und die Vorbereitungen der Andacht haben diese weiter gestärkt." So sei der besondere Reiz die Einfachheit der Gottesverehrung durch Gesang und Lied: "Die Texte glänzen in ihrer Schlichtheit und sind dadurch besonders eingängig."

So kamen mit den Texten, die fast alle Besucher noch auswendig können, Erinnerungen an die Kindheit im Elternhaus. "Roch bei euch auch an Feiertagen das ganze Haus nach frischgebackenem Streuselkuchen?", fragte da eine Besucherin ihre Nachbarin, die in Erinnerung an die alten Zeiten und das Traditionsgebäck Schlesiens mit glänzenden Augen lächelnd nickt. Freudige Erinnerungen, die sich aber bis heute mit Wehmut und auch mit Zorn mischen. So eine Besucherin: "Man bezeichnet uns oft als Flüchtlinge. Das sind wir aber nicht. Wir sind Vertriebene, die aus ihrer Heimat verbannt wurden."

Diskussion, Gespräch und Erinnerungen, die auch im Hier und Jetzt Raum und Zeit haben sollten, findet Adelheid Heiden vom Bürgerverein: "Durch die Maiandacht und die anderen von Dorothea Walda organisierten Veranstaltungen wird ein Stück wunderbarer schlesischer Kultur in unserer Stadt für die Menschen zugänglich. Mit ihrer Kraft und ihrem Tatendrang bereichert sie das vielfältige Angebot in Wülfrath."

Und wie gerne und erfolgreich die Schauspielerin das gleichermaßen für ihre schlesische Kultur und ihr längst Heimat gewordenes Wülfrath tut, sieht man Dorothea Walda an. So lockte nicht zuletzt ihr Enthusiasmus rund 50 Schlesier aus Wülfrath und Umgebung, Freunde, Bekannte und Interessierte nach Düssel.

(nibo)