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Kreis Mettmann: Ohrenschmalz findet alleine hinaus

Kreis Mettmann : Ohrenschmalz findet alleine hinaus

Khorshid Kahlaf, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, warnt vor falscher Anwendung von Wattestäbchen.

Wie so oft ist auch hier das Kleingedruckte wichtig: Auf Dosen mit Wattestäbchen steht tatsächlich: Nicht in den Gehörgang einführen. Alles klar. Und wozu gibt es sie dann überhaupt? Das steht ebenso auf der Schachtel: Zum Auftragen von Lidschatten und zur Korrektur von kosmetischen "Übermalungen". Man kann sie auch zum Säubern von Tastaturen an Rechner, Mobiltelefon und Fernbedienungen nutzen.

Aber die tägliche Praxis sieht ganz anders aus. Die Wattestäbchen, die in fast jedem Badezimmer stehen, bescheren den Ohrenärzten einen großen Teil ihrer über Schmerzen klagenden Kundschaft. Die hat nämlich in der vielleicht löblichen Absicht, ihre Ohren gründlich zu reinigen, Ohrenschmalz zu entfernen und Hörfähigkeit zu erhalten, das Ohrenschmalz unbemerkt immer tiefer in Richtung Trommelfell verschoben.

Dort beginnt es nun mit seinem finsteren Werk, wenn es eintrocknet, sich verhärtet, dadurch weite Bereiche des Gehörgangs ebenfalls zum Eintrocknen bringt. Das macht sich zum Beispiel dadurch bemerkbar, dass es plötzlich im Gehörgang stark juckt. In seltenen Fällen lässt sich der Juckreiz dadurch mildern, dass man ein wenig Fettcreme ins Ohr gibt - aber nicht mit einem Wattestäbchen, sondern mit dem Finger. Und nur soweit, wie er ohne Mühe ins Ohr reicht. Die Reibung mit einem Wattestäbchen sorgt manchmal durch die damit verbundene Stimulation eines Nervs für ein angenehmes Gefühl. Doch der Genuss hält nicht lange.

Ohrenschmalz heißt lateinisch Cerumen und wird von dafür vorhandenen Drüsen im Gehörgang produziert.Es unterstützt die Selbstreinigung des Ohrs und sorgt für die Befeuchtung des Gehörgangs. Hautschuppen, Schmutz und Bakterien sammeln sich darin, und alles wird von kleinen Flimmerhärchen in Richtung Ohrmuschel weitergeschoben. "Da kann man dann wischen, ohne dem Ohr zu schaden", erklärt Khorshid Kahlaf, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Ratingen und Belegarzt im St. Marienkrankenhaus. Immer wieder kommen Patienten zu ihm, deren Gehörgänge sauber geputzt, aber ziemlich entzündet sind und die über starke Schmerzen klagen.

"Ist das Cerumen nämlich in Richtung Trommelfell zusammengeschoben und festgebacken, können weder Schmutz noch Keime abtransportiert werden und lassen sich im Gehörgang nieder, wo sie einen guten Nährboden finden. Entzündungen bilden sich schnell und sind schmerzhaft." In solchen Fällen muss einerseits die Entzündung behandelt, andererseits das Ohrenschmalz entfernt werden.

Das geschieht entweder mit einer Kürette oder durch Aussaugen mit Luft. Wattestäbchen sind beim Ohrenarzt zur Säuberung des Gehörgangs keinesfalls im Einsatz. Wer besorgt ist, wie viel Ohrenschmalz sich angesammelt hat, wer bemerkt, dass er wegen eines Pfropfens inzwischen schlechter hört und auch bedenkt, dass ein Pfropfen mit dem Haarwaschwasser auch noch aufquillt und alles gänzlich zupappt, sollte sich zur professionellen Ohrenreinigung beim Arzt entschließen.

Manche Menschen setzen auf Ohrkerzen. Dafür stecken sie eine spezielle dünne Kerze ins Ohr und zünden sie an. Der dabei entstehende Unterdruck soll das Hörorgan säubern. Doch Experten warnen auch vor den Risiken der alternativen Methode: Immer wieder verbrennen sich Kerzenanwender im Gesicht oder an der Ohrmuschel. Außerdem kann das Wachs ins Ohr eindringen und das Trommelfell schädigen.

Es muss sich eigentlich von selbst verstehen, dass auch Selbstversuche mit Wasserspülung im Gehörgang und mit dem Einsatz von Büroklammern (gibt es tatsächlich) böse enden können.

Man sollte sich schon vor Augen halten, dass jenseits des empfindlichen Trommelfells nicht nur Gedanken gewälzt werden, sondern auch das Gleichgewichtsorgan seinen Stammsitz hat. Was alles nichts mit dem kleinen Mann im Ohr zu tun hat.

(RP)