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Mettmann: Öffentlicher Dienst sieht rot

Mettmann : Öffentlicher Dienst sieht rot

300 Mitarbeiter aus Verwaltungen niederbergischer Städte und des Kreises bei Kundgebung auf dem Jubi. Warnstreik gegen Arbeitgeber-Angebot. Mettmanns DGB-Chef Eckehard Scholz: Geld fließt in die falschen Taschen.

Mettmann/Wülfrath Beschäftigte der niederbergischen Stadtverwaltungen sowie der Kreisverwaltung Mettmann machten gesten vormittag bei einer Kundgebung auf dem Jubiläumsplatz in der Kreisstadt ihrem Unmut über das für sie unbefriedigende Angebot der Arbeitgeber im Öffentlichen Dienst Luft. In Mettmann marschierten Beschäftigte aus dem Rathaus, vom Bauhof und aus der Kreisverwaltung zu Dienstbeginn am Morgen zur Kundgebung. Mitarbeiter aus den Städten Wülfrath, Heiligenhaus, Velbert und Haan reisten zu dem Warnstreik mit Bussen an. Erkrather Bedienstete schlossen sich dem Streikaufruf in Düsseldorf an.

Nicht bei Beschäftigten sparen

„Gerechter Lohn für gute Arbeit“ steht auf eine Stoffbahn gepinselt, die Verdi-Leute vor der Kreissparkasse in Stellung gebracht haben. Auf der Bühne fordert Jutta Fiege, Personalratsvorsitzende der Wülfrather Stadtverwaltung, vor 300 Teilnehmern der Kundgebung die Chefs der Stadt- und Kreisverwaltungen auf, nicht bei den Beschäftigten zu sparen. „Das muss an anderer Stelle verhandelt werden.“

Gerd Schmerbach, Betriebsratsvorsitzender der Gießerei Georg Fischer, sagte im Grußwort: „Eure Forderung nach acht Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 200 Euro, ist berechtigt, weil notwendig.“ Die Preise liefen den Einkommen davon, die Menschen erlebten seit Jahren Reallohnverlust.

Dieter Quack, Vorsitzender des Personalrates der Mettmanner Stadtverwaltung, legte vor allem Wert auf die Forderungen nach dem Mindestbetrag von 200 Euro und der Übernahme aller Auszubildenden. Auf seiner Brust prangt ein Schild: „Ich sehe rot bei diesem Arbeitgeberangebot.“

Das Bild auf dem Jubiläumsplatz war bestimmt von den orangenen Anzügen der Bauhofmitarbeiter, den gelben Warnwesten des Verdi-Bezirks Wuppertal/Niederberg sowie des Deutschen Gewerkschaftsbundes Bergisch Land. Kritikern, die den Gewerkschaftern vorwerfen, finanziell klamme Kommunen zu bestreiken und tiefer in den Ruin zu treiben, antwortete Gewerkschaftssekretär Heino Georg Kaßler mit einem Titel der Höhner: „Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nicht wir, wer dann?“

Eckehard Scholz vom Mettmanner DGB-Ortsvorstand widersprach dem Hinweis auf leere Kassen: „Es ist genug Geld da. Es fließt nur in falsche Taschen.“ So sein Seitenhieb auf die Milliardenhilfe für die West-LB und die Steuerhinterziehung wohlhabender Deutscher mit Hilfe Liechtensteiner Banken.

Notdienste eingerichtet

Klaus Krager von der Mettmanner Kreisverwaltung nannte das Angebot der öffentlichen Arbeitgeber eine „Blutgrätsche“ und setzte hinzu: „Dafür gibt’s die Rote Karte“

Die Bürger trafen gestern bei den Verwaltungen nur auf ein teilweise eingeschränktes Angebot. In den Rathäusern, Bürgerbüros und beim Bauhof war aber ein Notdienst eingerichtet, sagte Quack, so dass kein Bürger vor verschlossene Türen lief. Auch auf dem Mettmanner Friedhof gab es einen Ansprechpartner.Die Bäder hielten ihren Betrieb aufrecht, damit der Schwimmunterricht der Schulen stattfinden konnte.

(RP)