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Oben-Ohne-Schwimmen im Kreis Mettmann

Pro : Jeder Mensch soll sich so kleiden können, wie es passt

Auch im Kreis Mettmann wird über das Oben-Ohne-Schwimmen diskutiert. Es gibt gute Gründe, die Regeln nicht zu eng zu fassen und der Freiheit Raum zu geben.

Ein Mann, der sich für das Oben-Ohne-Baden für alle einsetzt – das kann nur Ärger geben – neudeutsch: einen gepflegten Shitstorm auslösen. Hinzu kommt: Gerade verkehren sich viele erstrittene Freiheiten wieder ins Gegenteil; so nonkonform wie in den 1970er- und 1980er-Jahren ist unsere Gesellschaft nicht mehr. Ich versuche es. Trotz alledem.

Allerdings nicht mit dem Kampfruf, dass alle die Hüllen sofort fallen lassen müssen. Jede und jeder soll sich so kleiden, wie es passt. Hier in Mettmann, Erkrath und Wülfrath sollten Respekt und Toleranz den Vorrang haben vor einer amtlich festgelegten Kleiderordnung. Unsere Umfrage in den Bädern der Region bestärkt mich: Dort wird es anscheinend so gelebt. Bislang gab es keinen Streit, keine Beschwerden, sobald eine Frau ihr Oberteil zur Seite legt.

Was mittlerweile an vielen Stränden der Nordsee, Ostsee, Mittelmeer, Atlantik und Pazifik gang und gäbe ist, kann in unseren Bädern nicht zu einem Kulturbruch und allgemeiner Empörung führen. Es sei denn, man möchte Frauen und Mädchen gängeln; aus dem Unterschied der sichtbaren Merkmale von Frau und Mann die Herrschaft der Herren ableiten. Das wird schon deshalb nicht gelingen, weil auch manche Herren eine verhüllenswerte Oberweite tragen. Sie verdecken nichts. Warum wird das von Frauen verbindlich verlangt?

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Die Leichtigkeit des Sommers besteht nicht darin, Vorschriften zu machen, sondern einfach jeden mit seiner Strandbekleidung selig werden zu lassen. Wer sich spontan gestört fühlt, der wende einfach den Blick ab.

dirk.neubauer@rheinische-post.de