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Erkrath: Nie wieder Kunsthandwerk

Erkrath : Nie wieder Kunsthandwerk

Veranstalter Michael Strohmayer zieht die Konsequenz aus der saftigen Gebührenerhöhung für das Bürgerhaus.Nach 70 Veranstaltungen in fast 30 Jahren ist endgültig Schluss. Sein Gewerbe hat er schon abgemeldet.

Kurz vor Silvester flatterte Michael Strohmayer ein Brief der Stadtverwaltung Erkrath ins Haus. "Als ich den gelesen habe, glaubte ich zunächst an einen Scherz", sagt der ehemalige Leiter der Erkrather Volkshochschule. Doch zum Lachen ist ihm nicht mehr zumute, der Inhalt ist leider kein Scherz.

Durch den Beschluss der neuen Ratsmehrheit aus SPD, BmU und Grünen vom 17. Dezember des vergangenen Jahres steigt die Miete für den von Strohmayer veranstalteten Kunsthandwerkermarkt im Bürgerhaus Hochdahl um mehr als das Doppelte. "Ich sollte satt 2300 Euro auf einmal 5300 Euro bezahlen", sagt Strohmayer. Sofort hat er sich erkundigt, was hinter der Gebührenerhöhung steckt und erfahren, dass die bislang vorhandene Sonderkategorie für "Örtliche Gewerbetreibende" einfach abgeschafft wurde. Damit wird Strohmayer nun behandelt, wie jeder andere Veranstalter aus dem Bundesgebiet, der etwa eine Erotikmesse im Bürgerhaus veranstalten möchte.

Kosten steigen um das Doppelte

Strohmayer hat sich mit Mitveranstalterin Beate Kupper und seiner Steuerberaterin noch mal genau nachgerechnet und ziemlich schnell erkannt, dass sich für ihn als Veranstalter die Kunsthandwerkermärkte nicht mehr lohnen werden. "Pro Jahr haben wir zwei bis drei Märkte gemacht. Die Kosten steigen für uns von 10 000 auf nunmehr 20 000 Euro im Jahr", sagt Strohmayer. Den Standbetreibern, die teilweise bis aus Sachsen, Thüringen und selbst Lettland, Bulgarien und Ungarn anreisen, seien auf keinen Fall erhöhte Standgebühren zuzumuten, so Strohmayer. "Auch die bis zu 2000 Besuchern an den beiden Öffnungstagen zahlen nicht mehr als drei Euro Eintritt". Das sei nur schwer vermittelbar, die Schmerzgrenze längst erreicht.

Ehrenamt kommt nicht in Frage

Der Kunsthandwerkermarkt wurde vor fast 30 Jahren von der Erkrather Volkshochschule ins Leben gerufen. Idee war, das Bürgerhaus – weit vom Zentrum Hochdahls entfernt – etwas mehr mit Leben zu füllen. Nachdem Strohmayer Anfang 2006 als Leiter der Volkshochschule in Rente gegangen war, meldete er ein Gewerbe an und begann selbstständig, den Kunsthandwerkermarkt zu organisieren. Großen Gewinn hat er nach eigener Aussage nie damit gemacht.

"Es hat mal für ein Buch oder ein Abendessen gereicht. Am Ende waren wir froh, wenn wir Plus-Minus-Null dabei herausgekommen sind", so Strohmayer. Der Einzugsbereich des Marktes reichte über Düsseldorf weit hinaus bis in den Raum Köln-Bonn und Neuss. Umfragen hatten gezeigt, dass die Gäste aus bis zu 50 verschiedenen Städten kommen. Das Publikum galt als gut informiert, überdurchschnittlich gebildet, kritisch und kulturell interessiert. Anfang der 90er Jahre waren es vor allem Künstler aus den neuen Bundesländern, die mit neuen Techniken die Besucher begeisterten.

"Ehrenamtlich weiter zu machen – das kommt für uns nicht ohne weiteres in Frage", sagt Strohmayer. Dahinter müsste schon ein Verein stecken, denn es gelte auch ein hohes wirtschaftliches Risiko zu tragen. Am Ende habe doch keiner was mit der Gebührenerhöhung gewonnen. Die Stadt habe keine zusätzlichen Einnahmen und Erkrath drei Veranstaltungen weniger. Das Bürgerhaus bleibt defizitär.

(RP)