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Erkrath: Neuer Kreuzweg wird gelebt und geliebt

Erkrath : Neuer Kreuzweg wird gelebt und geliebt

Zum von Jan Masa gestalteten Kreuzweg in der Sandheider Heilig-Geist-Kirche liegt ab sofort ein Begleitheft aus.

Wer der neue Papst wird, konnte gestern auch Monsignore Christoph Biskupek noch nicht sagen. Doch etwas ganz Handfestes kann er nun jedem Kirchenbesucher mit auf den Weg geben.

Zum von Jan Masa gestalteten Kreuzweg in der Sandheider Heilig-Geist-Kirche liegt ab sofort ein Begleitheft mit Bildern und Texten aus. 2000 Exemplare wurden gedruckt, 500 davon sind schon mitgenommen worden. Johannes Hoffmann, der im vergangenen Jahr die Aktivitäten zum 40.sten Jahrestag der Kirche organisierte, bekennt: "Ich gehöre zu denjenigen, die diesen Kreuzweg lieben. Er erreicht mich."

Zu dem Kirchenjubiläum gehörte auch die Kunstaktion "Passion", während derer der Kreuzweg entstand. Hoffmann möchte die Intention des Werkes bekannter machen: "Die Menschen haben doch Schwierigkeiten das zuzuordnen, wenn sie den Prozess nicht miterlebt haben." Der Künstler hat ein Kunstwerk im Kunstwerk geschaffen: "Der Kreuzweg passt gut in diese Kirche rein."

Auch die Architektur von Heilig Geist wird oft zunächst missäugt, um später geliebt zu werden. Ein Schritt zu mehr Anerkennung war die Einfassung der Kartonbögen in wertige Plexiglasfassungen, meint Biskupek: "Es war wichtig, dass die Bilder nicht ungeschützt sind und hervorgehoben werden." Ein Jahr nach der Entstehung segnete Kaplan Wolfgang Biedaßek die fünfzehn Stationen am 15. Februar im Beisein von 60 Gläubigen ein. Schon nach der ersten Begehung war Biskupek die Idee zur festen Installation der ursprünglichen Projektarbeit gekommen: "Ich wusste gleich, das schlage ich dem Pfarrgemeinderat vor." Etwas vom Jubiläum sollte für die Kirche bleiben: "Viele sagen, dass sei genau das Richtige." Doch zwischen das Lob haben sich nun kritische Stimmen gemischt: "Einige Gläubige sind mit diesem Kreuzweg spirituell nicht einverstanden. Sie brauchen figürliche Darstellungen, wie sie auf den 14 Bronzetafeln in der Kirche St.Franziskus in Trills zu sehen sind, um sich beim Gebet fallen lassen zu können."

Der Diskurs um Kunst im Kirchenraum ist alt. Michelangelos "Jüngstes Gericht" in der Sixtinischen Kapelle oder das Richter-Fenster im Kölner Dom sind prominente Beispiele. Für Biskupek steht fest: "Der Kreuzweg hat nicht die Funktion, schön zu sein." Auf der anderen Seite dürfe die Kunst der Spiritualität nicht im Wege stehen. Für das nächste Jahr möchte Biskupek vorschlagen, die Kreuzwegandachten in beiden Kirchen abwechselt vor der symbolisch-modernen und der figürlichen Darstellung zu halten. Wobei der neue Kreuzweg, so Biskupek, auch figürlich wahrnehmbar sei, wenn man die Phantasie nutze.

Im Grunde sei jede Station ein Detail eines großen Bildes, etwa die Faust derjenigen, die Jesus Gewalt angetan haben: "Und der Balkenabdruck, das ist ganz klar der Kreuzbalken."

Ein kleiner Papierstern ganz oben über dem Kreuzweg an der Betonwand, die früher die Funktion einer Litfaßsäule erfüllte, erinnert an die dort häufig ausgestellten Krippenbilder. Für Biskupek hat der gesamte Kirchenraum an Strahlkraft gewonnen: "Die lebensreale Schönheit der Wand wurde sichtbar gemacht." Schon an seiner letzten Pfarrstelle in der altehrwürdigen Kölner Kirche St. Aposteln, hatte die Beschäftigung mit dem Kreuzweg für Biskupek eine solch zentrale Bedeutung, dass er dem Künstler Sepp Hürten eine 15. vervollständigende Station mit der Darstellung der Auferstehungszeugin Maria Magdalena in Auftrag gab. Lehre des Kreuzwegs sei: "Die Antwort Gottes auf das Leid ist das Mitleid."

An den Freitagen, 15. und 22. März, finden um 18 Uhr in Heilig Geist die beiden letzten Kreuzwegandachten der diesjährigen Fastenzeit statt. Individuell begangen werden kann der Kreuzweg jederzeit, begleitende Texte finden sich in der bereitliegenden neuen Broschüre sowie im Gebetsbuch Gotteslob, das im Advent zum ersten Mal seit dem Jahr 1975 gänzlich überarbeitet erscheinen wird.

(lard)