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Mettmann: Neuer Job, Schulden bleiben

Mettmann : Neuer Job, Schulden bleiben

Die Beratungsstellen im Kreis Mettmann spüren wachsenden Zulauf: über 1500 Fälle werden in 2007 erwartet.Viele Schuldner suchen erst spät nach Hilfe: Wenn die Kündigung der Wohnung schon im Briefkasten liegt.

Die Zahl der Arbeitslosen sinkt mit anziehender Konjunktur, doch für die Betroffenen hören die Sorgen mit der neuen Stelle oft nicht auf. Das spüren die Schuldnerberater Heinrich Beyll und Christa Kosin, die für die Caritas und die Diakonie in Mettmann Menschen beraten, die ihrer Schulden nicht mehr Herr werden.

Scheidung, Verlust des Arbeitsplatzes, gescheiterte Existenzgründung: Das sind einige der Gründe, aus denen Menschen plötzlich Gläubiger nicht mehr bedienen können. Abgesehen von jenen, die wahllos Geld geborgt und den Überblick über ihre Verbindlichkeiten verloren haben. Wenn dann nach vorübergehender Arbeitslosigkeit ein neuer Job winkt, liegt das Lohn-Einstiegsniveau oft nur bei 6,50 Euro oder sieben Euro, erfährt Beyll immer wieder, und er sagt: "Das ist kein Verdienst, mit dem man Schulden abbauen kann."

Trend zu niedrigen Löhnen bleibt

Er sieht kein Ende dieser Entwicklung. "Das wird in den nächsten Jahren so weiter gehen." Selbst im Metallbereich, wo traditionell dank starker Gewerkschaft und guter Geschäfte viel Geld verdient wurde, liegen die Einstiegseinkommen mittlerweile auf einem derart niedrigen Niveau, sagt Beyll. Hinzu kommt: Viele Wiedereinsteiger beginnen ihre neue berufliche Tätigkeit nicht mit Vollzeitjobs, sondern mit 400-Euro-Teilzeit. Da helfen dann selbst Stundenlöhne von zwölf Euro nicht, Altlasten zu tilgen.

100 Schuldner betreut Beyll jährlich, 20 suchen bei Christa Kosin derzeit Hilfe. Als erstes versucht sie, ihren Klienten die Wohnung zu retten. Denn ist die erst einmal weg, wird es noch schwerer, sich aus dem Schuldensumpf zu befreien. Leider kommen viele überschuldete Verbraucher erst dann zur Beratung, wenn die fristlose Kündigung des Vermieters bereits im Briefkasten liegt, so die Beraterin.

Die Zahl der Menschen, welche die Schuldnerberatungen aufsuchen, ist deutlich gestiegen, sagen Kosin und Beyll übereinstimmend. 1000 Beratungen würden im Kreis Mettmann in diesem Jahr notwendig sein, so lautete eine Schätzung. Tatsächlich, sagt Kosin, werden es nach neueren Zahlen über das ganze Jahr gerechnet mehr als 1500 sein. Dies liegt unter anderem auch daran, dass die örtlichen Arges wie in Mettmann Bezieher von Arbeitslosengeld II bei Bedarf von sich aus zu den Schuldnerberatungen schicken.

Der Gang zur Schuldnerberatung ist Voraussetzung für eine Privatinsolvenz, die nach sechs Jahren den Schuldner von der Last befreit. Wer diesen Gang scheut, ist 30 Jahre pfändbar.

(RP)