Nermin Ischebeck geht auf ihrem Hof am Benninghofer Weg neue Wege in der Bio-Landwirtschaft.

Besser essen: Zu Besuch im „solidarischen Garten“

Nermin Ischebeck geht neue Wege in der Bio-Landwirtschaft. Das hat Vorteile für Kunden und Gärtnerin. Der zertifizierte Betrieb setzt sich aus Gemüsebau, Imkerei und einem Beerengarten zusammen.

Mit weniger Glück hätte es diese Oase am Benninghofer Weg vielleicht gar nicht gegeben. Wenn Nermin Ischebeck erzählt, wie sie im Jahr 2014 nach einem Stück Land gesucht hat, dann wird ganz deutlich: Leicht war das nicht, einen Landwirt vom Verpachten zu überzeugen – und dann noch an eine Frau. Aber Nermin Ischebeck hatte Glück. Und Durchsetzungsvermögen. Jetzt betreibt sie auf 3,5 Hektar Land „Nermins Garten“ – einen zertifizierten Biobetrieb, der sich aus Gemüsebau, Imkerei und einem Beerengarten zusammensetzt. Nun gab die Gärtnermeisterin eine Führung durch ihren Garten.

In Nermin Ischebecks Gemüsegarten läuft vieles anders als in der konventionellen Landwirtschaft. Sie möchte Menschen sowohl für den Ursprung der Lebensmittel als auch für den Alltag des Landwirts sensibilisieren. Ihr Betrieb stützt sich deshalb auf die „solidarische Landwirtschaft“. Das bedeutet: Familien kaufen hier nicht einzelne Lebensmittel, sondern einen Ernteanteil. Gegen einen monatlichen Betrag können sie sich jede Woche frisches Obst und Gemüse abholen. Für Single-Haushalte gibt es halbe Ernteanteile. Außerdem zahlt jeder Haushalt jährlich einen Betrag für Investitionen auf dem Hof. „Anfang des Jahres hatte ich noch Sorge, ob sich überhaupt viele Mitglieder finden“, erzählt die Gärtnerin, „aber dann ging es doch schnell. Jetzt ist das Sollziel von 40 Ernteanteilen für dieses Jahr schon erreicht.“ Die Vorteile der solidarischen Landwirtschaft haben überzeugt: Hier gibt es immer frische Lebensmittel nach Saison, und man kann sich ansehen, wo sie wachsen. Aber auch für Nermin Ischebeck liegen die Vorteile auf der Hand – sie hat so ein festes Einkommen, kann besser planen und auch mal neue Ideen ausprobieren, ohne direkt in ein finanzielles Loch zu fallen. Und auch ein bisschen Mithilfe bekommt der Eine-Frau-Betrieb auf diese Weise – 15 Stunden Mitarbeit im Jahr gehören dazu, wenn man sich für die „Solawi“ entscheidet.

Wer sich noch stärker für Gemüsebau interessiert, kann bei der Gärtnermeisterin auch einen Selbsterntegarten mieten. Die Parzelle wird für die Mieter vorbereitet und eingesät und kann dann eine Saison lang selbst gepflegt und abgeerntet werden. Dabei stünden für die meisten Mieter nicht die Lebensmittel im Vordergrund, sondern die Beschäftigung an der frischen Luft, sagt Nermin Ischebeck.

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Sie selbst hat von Letzterem nicht gerade zu wenig. Freie Tage gibt es bei ihrer Selbstständigkeit momentan nicht. Der heiße Sommer hat Nermins Garten zusätzlich zu schaffen gemacht. „Die Gewächshauskulturen hatten zwar einen guten Ertrag bei dem warmen Wetter, aber draußen war es durch die Trockenheit schwierig. So wenig Niederschlag in einem Jahr habe ich bisher auch noch nicht erlebt.“ Dass sie auch vor solchen Wetterlagen ein Stück weit abgesichert ist, verdankt sie der Solawi.

Im nächsten Jahr gibt es in Nermins Garten Grund zu feiern: Dann wird der Betrieb fünf Jahre alt. Die Solawi feiert einjähriges Bestehen. Pläne für die doppelte Jubiläumsfeier hat Nermin Ischebeck schon – sie will das Fest nutzen, um Boden und Kompostierung zum Thema zu machen. Eine Kooperation mit der Uni Aachen ist schon angefragt.

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