Neonazis marschieren durch Mettmann

Bürger entsetzt : Neonazis marschieren durch Mettmann

Die Demonstration war angemeldet, die Mettmanner Bürger sind aber im Vorfeld nicht informiert worden. Sie organisierten trotzdem einen spontanen Gegenprotest – und kritisieren ihren Bürgermeister, der ihnen keine Gelegenheit zu einem besser organisierten Protest gegeben habe.

FDP-Fraktionschef Klaus Müller wohnt direkt am Markt und war Augenzeuge, als sich am Samstagnachmittag rund 60 Anhänger der Partei „Der III. Weg“ vor dem Portal von St. Lambertus in der Oberstadt versammelten. „Es war erschreckend und einfach nur furchterregend, in diese hasserfüllten Gesichter zu schauen, die ‚Ausländer raus’ und ,Wir brauchen kein Europa’ durch die Straßen riefen und dabei von dumpfem Getrommel begleitet wurden“, berichtet Müller.

Laut Polizei hatte ein Mitglied der Partei am Donnerstagnachmittag, also recht kurzfristig, einen Demonstrationszug in Mettmann angemeldet, beginnend ab der Goldberger Straße bis in die Innenstadt. Diese Anmeldung wurde von der Polizei unter Auflagen gewährt. Der Anmelder rechnete mit 30 bis 50 Teilnehmern. Tatsächlich sind, so die Mettmanner Polizei, die am Samstag von Einsatzkräften aus Wuppertal und Düsseldorf unterstützt wurde, etwas mehr als 60 Menschen zwischen 12 und 16 Uhr durch die Innenstadt gezogen.

Die Bürger in den umliegenden Häusern und am Straßenrand wären von dem Aufmarsch völlig überrascht worden, berichtet Augenzeuge Klaus Müller. „Egal, wen ich gefragt habe, niemand ist im Vorfeld informiert worden, nicht einmal die Fraktionsvorsitzenden. Wir sind aus allen Wolken gefallen und waren dementsprechend entsetzt.“

Aber Mettmann habe prompt reagiert: „Am Rande stehende Bürger, Vertreter der Parteien und andere Gruppierungen haben in beeindruckendem Maße Flagge gezeigt und die absurden Ausländer-raus-Rufe lautstark mit Nazis-raus-Rufen und gellenden Pfeifkonzerten gekontert. In aller Eile sind Plakate gemalt worden, um den Neonazis klar und deutlich zu verstehen zu geben, dass Rechtsradikale und Europa-Gegner in Mettmann keinen Platz haben. Es war ein Aufstand der Demokraten gegen Unrecht, Fremdenhass und Europafeindlichkeit“, berichtet Müller.

Im Mettmanner Rathaus war am Sonntag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Dem Vernehmen nach soll Bürgermeister Thomas Dinkelmann seit Freitag von dem Aufmarsch gewusst, dies aber nicht öffentlich gemacht haben, um Unruhe zu vermeiden. In den sozialen Medien hagelte es dafür Kritik. Viele haben Dinkelmann am Samstag in der Stadt vermisst – und können nicht nachvollziehen, warum er ihnen keine Chance gegeben hat, den Protest besser und wirkungsvoller zu organisieren.

 Die Grünen teilten mit, in der kommenden Ratssitzung noch einmal nachhaken zu wollen. „So eine Aktion ohne organisierten Gegenprotest darf sich in Mettmann nicht wiederholen. Wir sehen die Bürgermeister in der Pflicht, ihre Bürger vor solchen Aufmärschen zu warnen und sich dafür einzusetzen, dass die Mettmanner ihr Recht wahrnehmen können, ein Zeichen gegen rechte Hetze in ihrer Stadt zu setzen“, heißt es in dem Schreiben weiter. Die Partei will sich dafür einsetzen, dass „möglichst schnell eine Demonstration gegen die rassistische und nationalistische Hetzte in Mettmann stattfinden wird“.

Ein großes Kompliment machten die Augenzeugen der mit deutlicher Verstärkung vertretenen Polizei. Sie sorgte dafür, dass es trotz der aufgeheizten Stimmung nicht zu handgreiflichen Auseinandersetzungen kam. Zwischenzeitlich hatten die Beamten einzelne Straßen in der Innenstadt für den Verkehr sperren müssen, um den Durchzug der Parteianhänger zu gewähren. Nach einer Abschlusskundgebung in der Nähe des Jubiläumsplatzes war die Veranstaltung gegen 14.45 Uhr beendet und die Demonstranten zogen ab.

Während der Veranstaltung hatte sich für die Polizei der Anfangsverdacht des Verstoßes gegen das Uniformierungsverbot ergeben. Aus diesem Grund zeichneten die Einsatzkräfte zur Beweissicherung die Veranstaltung per Video auf und stellten die Personalien von Beteiligten fest. Eine weitere strafrechtliche Bewertung obliegt nun der Staatsanwaltschaft Wuppertal, teilte die Polizei mit.

In den Sozialen Netzwerken wollten die Beiträge zum Thema gestern nicht abreißen, hunderte Kommentare und Bilder fluteten die Foren. Ein Nutzer merkte an: „Ihr solltet erwähnen, dass alle Teilnehmer der Demonstration extern mit einem Reisebus und nicht aus Mettmann angereist sind. Sie sind alle am Freibad ausgestiegen und losgegangen. Am Jubiläumsplatz hat sie der Bus wieder abgeholt. Es ist eben immer zu auffällig in der eigenen Stadt zu demonstrieren.“

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