Mettmann/Erkrath: Neandertal: Vom Plan zum Plänchen

Mettmann/Erkrath : Neandertal: Vom Plan zum Plänchen

Der Masterplan ist deutlich abgespeckt worden. Hochpfad und Entdecker-Turm nur noch Visionen. Was bleibt? Eine Lichtung!

Als der Kreistag 2008 das erste Mal über einen Masterplan für das Neandertal diskutierte, zogen ein paar besorgte Bürger die Augenbrauen hoch. Allein schon dieses Wort: "Masterplan". Klang irgendwie bedrohlich. War es doch bislang so ruhig und so beschaulich gemütlich im Tal zugegangen. Wer dort hin kam, wollte dort hin kommen. Vielleicht ein Bier am Kiosk trinken, eine Runde Mini-Golf spielen. Eine kurze Rast auf dem Weg durch die wunderschöne Natur in der unmittelbaren Umgebung einlegen. Von der Wiege der Menschheit, vom Kulturerbe der Eiszeit war allenfalls etwas zu erahnen, wenn man mal in das Museum hineinging. Oder zufällig die Fundstelle fand.

So stellen sich die Landschaftsarchitekten von RMP den neu gestalteten Bereich vor dem Museum vor. Foto: RMP Landschaftsarchitekten

Menschenmassen - etwa hierhin gelockt durch protzig mitten in die Natur herein gebaute Attraktionen wie einem Hochpfad durch die Baumwipfel würden da eher störend wirken. Doch dann kam der Masterplan, Teil 1. Vorgesehen war: Ein Baumwipfelpfad in 18 bis 20 Metern Höhe auf einer Länge von mehr als 500 Metern. Unterwegs: Zehn Mitmach-Stationen, die Wissenswertes zu Flora und Fauna vermitteln. Man hätte direkt vom Bahnhof der Regiobahn aus auf diesem Pfad loswandern können.

War ein Traum und ist einer geblieben: Ein rund 500 Meter langer Hochpfad in Höhe der Baumwipfel im Neandertal. Foto: Kreis ME

Man brauchte nun keine besonderen Vorahnungen, um zu wissen: Es wären eine ganze Menge Leute gekommen. Weil das Neandertal auf einmal ungeheuer attraktiv gewesen wäre. Wo gibt es sonst einen Pfad durch die Baumwipfel?

Sah einladend aus: Ein rund 30 Meter hoher Entdeckerturm, der an der Fundstelle stehen sollte. Foto: Agirbas/Wienstroer und Schüßler-Plan

Im Gesamtpaket: Ein Aufzug an der Regiobahn, ein neues Info-Zentrum und noch ein wenig Schnick und Schnack drum herum: Macht zusammen: fast sechs Millionen Euro. Zahlen sollten einen Großteil die Europäische Union, und zwar fast 4,5 Millionen. Den Rest wollten sich Kreis, die Städte Mettmann und Erkrath sowie die Stiftung Neanderthal Museum aufteilen.

Doch irgendwann kam das ganz große Muffensausen. Zu teuer, zu kompliziert, nicht machbar und dann der überraschende Schwenk in allerletzter Minute. Statt eines Hochpfads sprach man jetzt vom "Zwei-Türme-Projekt" im Neandertal. An der Neandertaler-Fundstelle sollte auf einem 1520 Quadratmeter großen Areal der so genannte "Entdeckerturm" gebaut werden. Diese Stahlkonstruktion hatte eine Höhe von bis zu 30 Metern und bedeckte eine Fläche von 8,60 mal 8,60 Meter. Der Rest ist schon fast was für die Geschichtsbücher. Die Fördermittel konnten nicht rechtzeitig beantragt werden, der Kreis hätte mit Millionen in Vorleistung gehen müssen. Dazu komplizierte landschaftliche Gegebenheiten. Und immer wieder die Bedenken. Was wäre, wenn mal vom Hochpfad jemand eine Dose Cola hätte auf den Boden fallenlassen? Oder eine seltene Vogelart aufgescheucht hätte? Schon war er da - der Konflikt zwischen den Erneuerern und den Bewahrern, wie man das bundesweit von vielen Großprojekten kennt. Es geht im Neandertal um Naturschutz, Tourismus, Museum, Gastronomie und Autoverkehr - wie soll man das denn alles unter einen Hut bringen? Es geht aber auch um die wirklich einmalige Chance, die weltweit bekannte Wiege der Menschheit attraktiv und besuchenswert zu gestalten.

Also - Masterplan der zweite Teil. Diesmal eben ohne Türme und das ganze Schnick-Schnack. Natürlich auch für sehr viel weniger Geld. Knapp 1,6 Millionen Euro wollen Kreis und Städte jetzt noch in die Hand nehmen. Um erste Pläne zu erstellen, wurden drei Landschaftsarchitekten beauftragt. Und die haben durchaus sehenswerte Entwürfe abgeliefert. Gewonnen hat das Büro "RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten aus Bonn". Die Jury lobte, dass "sowohl wertvolle Naturräume" als auch attraktive Ansichten des Museumsgebäudes "interessant in Szene gesetzt" werden. Doch was heißt das jetzt genau? Das Museum soll künftig auf einer Art Lichtung stehen. Damit die eigentliche Perle des Neandertals besser zur Geltung kommt. Darüber hinaus sollen die Parkplätze neu strukturiert werden. Es soll nur noch eine Ein- und Ausfahrt geben. Radfahrer und Fußgänger sollen über eine neu geschaffene Brücke den Parkplatz erreichen können. Am Rand des Parkplatzes soll darüber hinaus eine neue Toilette aufgebaut werden. Frei gelegt und für den Besucher erlebbar werden sollen auch Teile der Düssel, die renaturiert werden könnte. Und: Bei einer neuen Fußwegeverbindung zwischen Museum und Regiobahn-Haltepunkt soll die vorhandene Natursteinmauer hinter dem Museumsgarten einbezogen werden, um so neue Aufenthaltsflächen zu schaffen. Gedanken haben sich die Landschaftsarchitekten auch um die Anbindung Parkplatz-Museum gemacht. Der Fußgängerüberweg soll leicht nach Osten verschoben werden. Was dem Entwurf noch fehlt, ist eine Überarbeitung des Spielplatzes. Die Jury schrieb in ihrer Beurteilung aber auch, dass sie nicht empfiehlt, nur eine Aus- und Einfahrt zum Parkplatz zu ermöglichen. Und: Nicht wirklich gelöst ist auch die Frage Vorplatz Museum. Dort liegt mit öffentlichem Geld geförderter Granit - so leicht und so schnell kann man das nicht umbauen. Ganz davon ab: Alle eingereichten Entwürfe kommen nicht mit den vorgesehenen 1,6 Millionen Euro aus. Das heißt: Bei der Materialauswahl muss aller Voraussicht nach noch einmal abgespeckt werden. Noch nicht geklärt, aber in Planung sind Überlegungen, was aus der Fundstelle wird.

Was bleibt jetzt über? Aus den vielen schönen Plänen ist zunächst einmal ein "Plänchen" geworden. Das ist alles gut und durchdacht - aber auch das wird man noch diskutieren, und der ein oder andere wird es wieder zerreden. Der große Wurf ist es nicht. Es ist erst ein Mal enttäuschend wenig, was übriggeblieben ist. Bleibt die Hoffnung: Das kann doch noch nicht alles gewesen sein, oder?

(RP)
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