Mettmann: Neanderland ist nun fest in Frauenhand

Mettmann : Neanderland ist nun fest in Frauenhand

An Altweiber begann in den Städten die heiße Phase des Karnevals. Die Jecken stürmten zwei Rathäuser und eine Sparkasse.

11.11 Uhr? Ja klar, sagen die Narren in Mettmann und Unterfeldhaus. Um die Uhrzeit stürmten sie gestern die Rathäuser und erleichterten die Bürgermeister Bernd Günther und Arno Werner um die Schlüssel der Stadt. In Wülfrath hinkte man hinterher. Aber das ist so gewollt. Erst nachmittags übernahmen die Möhnen das Zepter in der Stadt. Und das auch nicht im Rathaus-Zuhause von Bürgermeisterin Claudia Panke, sondern in der Kreissparkasse, die Asyl für alle Jecken gewährte.

Mettmanns Stadtkämmerer Reinhold Salewski kann jeden Euro gut gebrauchen. Die Stadt ist klamm und ein paar schöne Dinge will man sich in Zukunft sicher leisten. Mit Sonnenbrille und schmierigem Anzug kam er als Al Capone und stänkerte auch gleich gegen den als Schäfer verkleideten Bernd Günther: "Ich dachte mir schon, dass du dich warm anziehen musst." Gut 60 Mitarbeiter der Verwaltung kamen zum großen Möhnensturm raus aus ihren Amtszimmern. Als Schneeflocken, Pippi Langstrumpf, Punk oder die mit Mini-Hütchen nur rudimentär als Clownin verkleidete Stadtsprecherin Silvia Nolte. CDU-Fraktionschefin machte sich als spanische Edelfrau zurecht, die stellvertretende Bürgermeisterin Andrea Rottmann kam als Doktorandin, deren Plagiat als Verfallsdatum Aschermittwoch anzeigte. Fazit des Trubels im Rathaus: Biene, Superpolizist, Dirnl-Mädel, alle wollten schön, toll und begehrenswert aussehen. Hässlich attraktiv traut sich keiner auf die Straße.

Auf dem Neuenhausplatz regierten die Möhnen. Sie kamen im "Kapottelchen aus der Erbmasse", wie Renate Narberhaus aus Hochdahl. Ihr war die Stadt zu voll, und deshalb suchte sie Bekannte und Gemütlichkeit in Unterfeldhaus. Genauso wie der fidele Kegelclub aus Eller. Der schunkelte im teuflischen Outfit lieber in der "gemütlichen Provinz" statt in der Landeshauptstadt. Das Buffet hatten die acht Damen gleich mitgebracht mit Harzer Roller, selbst gebackenem Brot mit Griebenschmalz und ein paar kleinen Feiglingen, die Mut zum Schunkeln machten. Martin Beyer vom Unterbacher Karnevalsausschuss kam mal nicht im edlen grauen Zwirn, sondern recht locker als roter Hippi-Strubbelkopf und moderierte das Narrentreiben in Unterfeldhaus. Zwei hübsche Mauerblümchen aus Düsseldorf zogen ebenfalls die Gesellschaft der Erkrather Narren den Düsseldorfern vor. Sie schunkelten zum Ruderlied der flotten Röbedeuker, zu Deutsch: Teufel.

In Wülfrath mussten sich die Jecken bis zum Nachmittag gedulden: Erst um 16 Uhr stürmten die Kalkstadt Narren die Kreissparkasse und schafften es damit sogar, die sonst so gestrengen Bankangestellten in Feierlaune zu versetzen. Bevor das Schunkeln und Tanzen los gehen konnte, hieß es für die Karnevalisten aber, den goldenen Tresorschlüssel in die Finger zu bekommen. Dieter Bürger, Sitzungspräsident der Kalkstadt Narren und Ersatzmann für den erkrankten Ulrich Jansen, konnte es kaum erwarten und fiel Vorrednerin und Schlüsselinhaberin Claudia Brüggemann (Ersatz für den ebenfalls erkrankten Filialdirektor Hans Werner Fritze) aufgeregt ins Wort.

Kaum war der Schlüssel in Narrenhand feierten Hippies, Indianer, Mexikaner und Hexen in friedlicher Eintracht. Optimistisch klangen auch die Worte von Dieter Bürger, nachdem er sich den Tresorschlüssel hart erkämpft hatte: "Wenn was in die Hose geht, fangen wir eben wieder von vorne an."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Möhnen feiern in Erkrath

(RP/ac)