Neanderland-Biennale in Mettmann: Souvenirs zum Lachen und Staunen

Neanderland-Biennale : Souvenirs zum Lachen und Staunen

Mit ihrem Gauklertheater bereitet die Compagnie Pas De Deux ihrem Publikum einen wunderbaren Sommerabend.

Die Treppen vor der Kirche in der Freiheitstraße waren voll besetzt. Alte und junge Menschen, Familien und Pärchen waren gekommen, um die vorletzte Veranstaltung der Neanderland-Biennale mitzuerleben. Alle Blicke waren auf die Bühne gerichtet, die jedoch vorerst leer blieb. Dann erklang mit einem Mal Musik im Rücken des Publikums. Eine Ziehharmonika spielte eine französische Melodie, und dann betraten Aline und Martin Del Torre das Geschehen. Mitten durch die Zuschauer stiegen sie auf den Platz hinab und auf die Bühne. Und dann nahmen Aline alias Mamzell Lilly und Martin alias Alphonse das Publikum mit auf eine heitere Reise.

„Souvenirs“ heißt das bunte Varieté-Programm. Diese Souvenirs verbergen sich in einem „Köfferchen“, das Lilly ihren Alphonse erst einmal holen lässt. Der kommt mit einer mannshohen mächtigen Holzkiste auf dem Rücken um die Ecke. Und schon beginnt Mamzell Lilly zu erzählen, wie sie sich einst auf die Suche nach der „großen Liebe“ gemacht hat, nach dem „perfekten Mann“. Alphonse schlüpft dabei in die Rollen der unterschiedlichen Männer und taucht damit gleichzeitig in verschiedene Kulturen ein. Zuerst wird er zu Jaques, einem „romantischen“ Franzosen.

Gemeinsam mit Mamzell Lilly entspinnt sich ein Spiel, bei dem die Bälle durch die Lüfte schweben, die beiden miteinander jonglieren, während Lilly immer noch ihre Melodie auf der Ziehharmonika spielt. Danach lernt die Mamzell den Seemann Rodrigo kennen, der magische Knoten in ein Seil zaubern kann. Als er das zerschnittene Seil wieder „heil“ macht, erklingen überraschte „Ah!“ und „Oh!“ Rufe. Die Holztruhe wird zu einem Schiff und die silbernen Ringe zu Bullaugen, mit welchen die beiden Akteure eine zauberhafte Jonglage präsentieren, bei welcher sie die Ringe immer wieder miteinander verbinden und lösen.

Natürlich lernt Lilly auch einen „echten deutschen Fritz“ kennen. Als Martin Del Torre mit Ringelstrümpfen und Ringelbody auf der Bühne erscheint, bricht das Publikum in Gelächter aus. Aus den anfänglichen Turnmeister-Jahn-Übungen werden Handstände und Überschläge, die in einem Salto mitten in einen Reifen enden, was mit spontanem Beifall belohnt wird. Mit dem Engländer William zeigt Mamzell Lilly eine romantische Tanzperformance, der es an Akrobatik nicht fehlt. William trägt sie auf Händen, während sie Seifenblasen fliegen lässt. Laut und verrückt wird es mit einem seltsamen Tier, das wie eine Mischung aus einem Truthahn und einer Hummel anmutet und auch solche Geräusche von sich gibt.

Mamzell Lilly hat dann jedoch genug und flüchtet nach Sibirien. Dort stößt sie auf Iwan. Sie öffnet den Koffer, und da steht Iwan mit abgeknicktem Kopf und spielt Balalaika. Während die beiden ein melancholisches russisches Lied singen, beginnt Iwan mit Messern zu tanzen und jonglieren, so dass das Publikum den Atem anhält.

Nach der wundersamen Reise hat Mamzell Lilly aber am Ende doch ihren perfekten Mann gefunden – Alphonse.

Getroffen haben sie sich in der Kneipe um die Ecke. Dabei wird der Koffer zu einem kompletten Percussion-Orchester umfunktioniert.

Mit ihrem Stück „Souvenirs“ haben Aline und Martin Del Torre einen bezaubernden Reigen aus Tanz und Akrobatik, aus Musik und Jonglage, aus Zauberei und Theater geschaffen, der die Zuschauer die Zeit vergessen ließ und sie nicht nur zum Lachen und Staunen, sondern auch zum Träumen brachte. Dafür wurden sie mit reichlich Applaus belohnt.

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