Kerstin Griese: Mit Campino im Flieger nach Berlin

Kerstin Griese: Mit Campino im Flieger nach Berlin

SPD-Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende über ihre Wahlkampf-Pläne und ihre Begeisterung für die Toten Hosen.

Auf Ihrem Telefon ist ein Konzertbild als Hintergrund zu sehen. Was ist das?

Kerstin Griese Das ist vom Konzert der Toten Hosen. Ich war am 26. Dezember in Dortmund auf dem Konzert. Und am 29., als ich nach Berlin geflogen bin, saß ich mit Campino im Flugzeug. Das ist schon das zweite Mal, dass ich ihn im Flugzeug getroffen und kurz mit ihm gesprochen habe.

Aber nicht um ein Autogramm gebeten?

Griese Beim ersten Mal schon. Der ist richtig nett und freundlich.

Sie sind Fan?

Griese Ich bin ein großer Tote-Hosen-Fan, schon seit vielen Jahren. Ich gehe bei jeder Tour zum Konzert.

Wie muss man sich das vorstellen: Kerstin Griese direkt vor der Bühne?

Griese Ich bin 46 Jahre alt, ich nehme einen Sitzplatz und keinen Stehplatz. Im Stehplatzbereich wird Pogo getanzt, das ist mir zu gefährlich. Aber ich weiß immer genau, wann der Vorverkauf beginnt. Dann stelle ich meinen Computer und mein iPad an, damit ich auch auf jeden Fall Karten bekomme.

Jetzt geht es wahrscheinlich aber bald in den Wahlkampf. Planen Sie gemeinsame Aktionen mit dem Kandidaten für den Südkreis, Peer Steinbrück?

Griese Ich habe ein großes Ziel, ich will diesen Wahlkreis wieder direkt gewinnen. Ich bin davon überzeugt, dass der Nordkreis für die SPD gewinnbar ist. Es hängt natürlich viel von der Stimmung auf Bundesebene ab. Peer Steinbrück und ich werden auf jeden Fall unseren Wahlkampf koordinieren, er wird natürlich dieses Mal einen anderen Wahlkampf machen als vor vier Jahren, weil er Kanzlerkandidat und dadurch bundesweit gefragt ist. Ob wir hier eine besondere Aktion zusammen machen, das haben wir noch nicht entschieden.

Wie ist die Stimmung bei der SPD-Basis nach Steinbrück Äußerungen zum Kanzler-Honorar und nach seinen Rede-Honoraren?

Griese Er ist hier an der Basis unglaublich beliebt. Im Kreis Mettmann haben die Leute auch sehr gehofft, dass er Kanzlerkandidat wird. Er ist hier vor Ort ja auch ganz unprätentiös unterwegs. Das ist, was für die Leute im Vordergrund steht.

Gibt es Projekte für den Nordkreis, bei denen Sie Anschub leisten möchten?

Griese Im Bundestag macht man ja Gesetze für alle Menschen, deshalb geht es oft um grundsätzliche Fragen, die die Menschen hier im Kreis auch betreffen. Es gibt Themen, um die ich mich seit vielen Jahren kümmere und die auch mit meiner Person verbunden werden. Zum Beispiel der Ausbau der Kita-Plätze, gute Qualität von frühkindlicher Bildung, Inklusion kommt jetzt noch dazu. Sicherlich auch das Thema "Soziale Stadt". Wir haben Stadtteile wie Ratingen-West, Heiligenhaus-Oberilp und Velbert-Birth, die gezielt unterstützt werden müssen. Da finde ich es ein großes Problem, dass Schwarz-Gelb das Programm "Soziale Stadt" zusammengekürzt hat. Wir müssen mehr tun, um die Städte vor Ort zu unterstützen.

Welche Themen stehen noch an?

Griese Ganz konkret zum Beispiel habe ich mich gegen die CO-Pipeline engagiert, die SPD im Kreis Mettmann hat sich immer dagegen ausgesprochen. Aktuell ist auch das Thema Fracking. Mein CDU-Bundestagskollege sagt, er sei dagegen, dabei hat er im Bundestag nicht dagegen gestimmt. Für mich ist Ehrlichkeit die oberste Devise in der Politik. Und ich finde, man darf nicht in Berlin anders reden als vor Ort.

Ist der Kreis Mettmann ein schwieriger Kreis?

Griese Der Kreis Mettmann ist einer der größten Landkreise Deutschlands und sehr heterogen. Die Verkehrsinfrastruktur innerhalb des Kreises muss verbessert werden. Beispielsweise durch den A44-Lückenschluss, für den ich mich schon sehr lange einsetze. Der Kreis muss viel mehr seine Stärken betonen, gerade weil die Städte so unterschiedlich sind. Man kann nicht künstlich eine Interessensidentität etwa zwischen Langenfeld und Wülfrath herstellen, das funktioniert nicht. Es gibt wenig Identifikation mit dem Kreis als Kreis – weil er ja auch künstlich zusammengeschnitten wurde. Aber der Kreis verkauft sich unter Wert, er hat ja große Stärken, etwa wunderschöne Naherholungsgebiete.

Wann ist das nächste Konzert der Toten Hosen?

Griese (lacht) Ich habe heute im Internet nachgeguckt. Sie machen jetzt eine Pause bis Mai. Ich trau mich nur nicht, Karten zu kaufen für den Sommer, es ist ja Wahlkampfzeit. Stellen Sie sich mal vor, ich habe eine Karte, und genau an diesem Abend will der Kanzlerkandidat nach Velbert kommen. Ich kaufe erst wieder Karten, wenn ich weiß, wie meine Wahlkampftermine aussehen. Das ist mir sonst zu unsicher.

CORINNA KUHS FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(RP)