Mettmanns Weinsommer: Händler ziehen sich zurück

Mettmann : Weinsommer: Händler ziehen sich zurück

Die Werbegemeinschaft „ME-Impulse“ spricht von zu hohen Auflagen und mangelnder Gesprächskultur im Rathaus.

Irgendwann in diesem mehr als einstündigen Pressegespräch konnte Jens-Christian Holtgreve seine Tränen nicht mehr zurückhalten und es wurde eine Zeit lang still in dem Raum. Die Händlergemeinschaft „Mettmann-Impulse“ will den Weinsommer in diesem Jahr nicht mehr veranstalten – eine Entscheidung, die Jens-Christian Holtgreve als Ideengeber und über viele Jahre verlässlichem Organisator nicht leicht fällt. Umso wichtiger sind ihm seine Beweggründe: „Das ist nicht mehr mein Weinsommer“, hatte er noch gesagt, bevor ihn seine Gefühle übermannten.

Sprecher Andreas Konrad drückt es sachlicher aus: „Unter den aktuellen Bedingungen der stetig steigenden Sicherheitsauflagen, die der Genehmigungsbehörde als unumgänglich erscheinen, und unter dem Eindruck eines unkooperativen Umgangs miteinander sehen wir keine Möglichkeit, den Weinsommer 2019 auszurichten“, schreibt er in einer Presseerklärung, die er gestern um 16.25 Uhr veröffentlichte. Den Journalisten gegenüber legten die Beteiligten zuvor ihre Sicht der Dinge dar.

In Gesprächen, die der neuerlichen Planung des Weinsommers voran gingen – er ist eigentlich bereits für das Wochenende 5. bis 7. Juli angekündigt – haben sich offenbar Differenzen zwischen Stadtverwaltung und dem ehrenamtlich wirkenden Verein herauskristallisiert. Das Weinfest, das auf dem Marktplatz 600 Sitzplätze vorhält und zu Spitzenzeiten von bis zu 1500 Gästen besucht wird, sei von der Verwaltung sicherheitstechnisch als „Großveranstaltung“ eingestuft worden. Und sei es bis dahin üblich gewesen, dass sich alle Beteiligten – Polizei, Feuerwehr, Vertreter der Stadtverwaltung und von Mettmann-Impulse – zuvor an einen Tisch setzen und alle Aspekte einvernehmlich regeln, so sei der Verein jetzt mit Auflagen konfrontiert worden, die nicht verhandelbar und zudem finanziell nicht zu stemmen wären. So hätte das Team des Weinsommers zum Freihalten von Rettungsflächen „auf 80 Prozent der Bestuhlung verzichten müssen. Das ist nicht mehr das Weinfest, das ich mir vorstelle“, sagte Holtgreve.

Doch während die Veranstalter für Regeln der Sicherheit noch Verständnis haben – Konrad: „Das ist durchaus nachvollziehbar“ – zeigten sie sich über die Art der Kommunikation enttäuscht. Diese Enttäuschung fand ihren Gipfel in einer Pressemitteilung, die Bürgermeister Thomas Dinkelmann um 14.34 Uhr veröffentlichen ließ – 26 Minuten vor Beginn des Pressegesprächs von ME-Impulse, in dem diese ihren Rückzug ankündigten.

Den Bürgermeister hatte Mettmann-Impulse vor dem Pressegespräch in einer E-Mail von ihrer Entscheidung informiert. Dass er diese Neuigkeit nun schon zuvor veröffentlichte, zeuge nicht von einem guten Ton und respektvollem Verhalten, hieß es von Mettmann-Impulse gestern.

„Mit großem Bedauern“ habe Dinkelmann die Entscheidung von Mettmann Impulse zur Kenntnis genommen, schreibt er in seiner Pressemitteilung. Er wolle nun alles daran setzen, „dass das beliebte Fest in diesem Jahr und auch künftig in gewohnter Atmosphäre und so erfolgreich wie bisher auf dem Markt veranstaltet wird.“

Dinkelmann zeigte sich auf RP-Nachfrage gestern „verwundert“: „Das ist schon ein sehr endgültiger Ton“, kommentierte der Bürgermeister die Stellungnahme von Mettmann Impulse. Er betonte aber auch: „Eins stand für uns sofort fest: Das Weinfest muss weiterhin stattfinden.“ Ob die Stadtverwaltung nun das Fest organisiere oder „vielleicht findet sich ja auch jemand anders, der das im Ehrenamt macht“, das sei erst noch zu prüfen. Fest stehe aber: Die Sicherheitsauflagen seien „nicht verhandelbar“. Sie gelten beispielsweise auch für das Heimatfest, das die Stadt Mettmann selbst veranstaltet.

Insofern lässt Dinkelmann keinen Zweifel daran: „Der Weinsommer muss fortgeführt werden. Wie wir das machen und wer, das wissen wir noch nicht. Alles weitere sehen wir in den nächsten Tagen und Wochen.“

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