Mettmanns Omas erheben sich gegen Rechts

Bürger werden aktiv : Mettmanner Omas erheben ihre Stimme

Ältere Frauen wollen nicht länger tatenlos zusehen, sondern sich für soziale Belange einsetzen.

Ihr Motto ist schon sehr aussagekräftig: „Alt sein heißt nicht stumm sein!“ Gegründet wurde die zivilgesellschaftliche und überparteiliche Initiative mit dem pfiffigen Namen „Omas gegen Rechts“ am 27. Januar vergangenen Jahres auf Facebook, inspiriert von der bereits seit November 2017 in Wien aktiven Gruppe mit dem gleichen Namen.

Die Initiative gibt auf ihrer Website an, dass die ältere Frau im kollektiven Bewusstsein nicht als politische Kraft gespeichert sei. Deshalb sei es wichtig, dass ältere Frauen nicht nur einzeln, als Privatpersonen, sondern als Gruppe auftreten. Die „Omas gegen Rechts“ setzen sich für eine demokratische, rechtsstaatlich organisierte, freie Gesellschaft ein und treten faschistischen Tendenzen, Fremdenfeindlichkeit, der Ausgrenzung Behinderter, alter Menschen und Ausländer entgegen, wenden sich gegen Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Sozialabbau. Inzwischen haben sich bereits rund 50 Regionalgruppen in Deutschland gegründet und auch in Österreich sind etliche Gruppen aktiv.

Heike Linnert ist eine dieser „Omas gegen Rechts“. „Ich habe von dieser Initiative im vorigen Jahr durch die Sendung ,Frau-TV’ im Fernsehen erfahren“, erzählt die 60-jährige Ur-Mettmannerin. „Ich saß gebannt vor dem Fernseher und dachte: Ja! Das ist es!“ Politisch engagiert ist Heike Linnert schon immer. Viele Demos hat sie besucht, zuletzt die Anti-Rassismus-Demo in Mettmann. Sie engagiert sich im „Bündnis für Toleranz und Zivilcourage“, bei den Grünen in Mettmann, und hat auch aktiv an der Einrichtung eines Frauenhauses mitgewirkt.Die Grundsätze der Initiative sprachen sie sofort an. „Es geht um die ältere Frau“, betont die Berufskraftfahrerin, die bereits mit 40 Jahren einmal von einem Jugendlichen als „Oma“ tituliert wurde. „Oma steht für die ältere Frau, wird aber oft auch als Beschimpfung benutzt“, bedauert sie.

Als Heike Linnert in ihrem Bekanntenkreis über die Initiative sprach, stieß sie zumeist auf Skepsis. „Die guckten mich alle entgeistert an“, erzählt sie. Niemand hatte bisher von den „Omas gegen Rechts“ gehört. Viele ältere Frauen dachten, sie müssten Enkel vorweisen können, um als „Oma gegen Rechts“ aktiv zu werden. Das ist natürlich nicht so. Man muss weder Enkel haben, noch Kinder, noch ein gewisses Alter. Auch wenn sich die Initiative vorrangig an ältere Frauen wendet, so sind durchaus auch Opas, Enkel oder Freundinnen willkommen. „Es geht darum, dass wir ältere Frauen unsere Stimme erheben“, sagt Heike Linnert. „Wie viele ältere Frauen können von ihrer Rente nicht leben?“

Sie selbst hat Enkelkinder und fühlt sich in Mettmann sehr wohl. „Ich liebe es, Mettmannerin zu sein“, erklärt sie. Bei der Demo habe sie so viele Bekannte getroffen und sogar eine weitere „Oma gegen Rechts“, was beide sehr gefreut hat. „Wir haben uns in den Armen gelegen“, verrät Heike Linnert. Dieses Erlebnis hat sicher dazu beigetragen, dass Heike Linnert nun eine „Omas gegen Rechts“-Gruppe in Mettmann gründen möchte. Dazu lädt sie alle interessierten älteren Frauen, Omas, Opas – und Enkel ein.