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Mettmann: Wartelisten für die Grippeschutz-Impfung

Impfstoff-Engpass in Mettmann : Wartelisten für die Grippeimpfung

Wer sich gegen die Grippe impfen lassen will, muss Geduld mitbringen. Denn zur Zeit gibt es auch in Mettmann und der Nachbarschaft einen Impfstoffmangel.

„Momentan haben wir nicht genug Grippeimpfstoff“, sagt Inge Funke, Sprecherin des Apothekerverbands für Mettmann, Ratingen und Velbert. „Es wurde deutlich weniger geliefert als es Vorbestellungen gab.“ Das sei jedoch kein Grund zur Beunruhigung. „Wir werden wieder Impfstoffdosen bekommen in den nächsten Wochen.“ Dann sei noch genügend Zeit, um sich impfen zu lassen, erläutert die Apothekerin. Denn die meisten Grippefälle treten erst ab Dezember auf und haben ihren Höhepunkt am Jahresanfang. „Es dauert ungefähr 14 Tage bis die Impfung wirkt. Der Impfschutz hält dann etwa ein halbes Jahr an.“

Das bestätigt auch Allgemeinmediziner Dr. Thomas Nasse aus Mettmann. „Mein Appell an alle ist: keine Panik haben. Die Grippewelle hat noch nicht angefangen, und wir haben noch genügend Zeit, um zu impfen.“ In seiner Praxis in Mettmann verzeichnet der Mediziner momentan einen deutlichen Anstieg an Impfwilligen. „Es gibt einen Ansturm auf die Grippeimpfung, auch von Patienten, die sich noch nie haben impfen lassen und nicht zu den Risikopatienten zählen. Zurzeit haben wir 30 bis 40 Impfungen pro Tag.“

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Aus diesem Grund sind die 600 Impfdosen, die Nasse für seine Patienten bestellt hat, mittlerweile fast aufgebraucht. Und das, obwohl der Arzt in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie ohnehin mehr Dosen als in den Vorjahren angefordert hat. In seiner Praxis gibt es deshalb jetzt eine Warteliste für alle, die sich impfen lassen wollen. Momentan sind das 72 Patienten, die dann der Reihe nach angerufen werden, sobald eine neue Impfstoff-Charge angekommen ist. „Wir wollen niemanden abweisen“, sagt der Mediziner. „Aber die Risikopatienten haben Vorrang.“ Zu den Risikopatienten zählen ältere Menschen ab 60 Jahren und Patienten mit chronischen Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen.

Doch wie kommt es überhaupt zu einem Impfstoff-Engpass, wenn das Bundesgesundheitsministerium dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie zusätzlich Grippeimpfstoff bestellt hat? Über 26 Millionen Dosen Influenza-Impfstoff sind in Deutschland für die diesjährige Grippe-Saison verfügbar – fast doppelt so viele wie in der vergangenen Saison insgesamt verimpft wurden.

„Wir können nicht nachvollziehen, dass es Engpässe geben soll, außer, sie sind regional begrenzt“, sagt Dr. Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut. “Wir haben bereits 19 Millionen Impfstoffdosen freigegeben. Das sind mindestens fünf Millionen mehr als das letzte Jahr verimpft worden sind.“ Die Vermutung sei, dass sich einige Chargen noch in der Handelskette befinden. Allerdings, so schränkt Stöcker ein: „Vielleicht lassen sich dieses Jahr tatsächlich noch mehr Menschen impfen als wir angenommen haben. Das muss sich jedoch erst noch herausstellen.“

Die Problematik mit Grippeimpfstoff ist, dass man ihn nicht so einfach nachproduzieren kann. „Die Impfstoffherstellung dauert etwa ein halbes Jahr. Nachproduzieren ist daher definitiv keine Option“, erläutert Susanne Stöcker. Das Paul-Ehrlich-Institut geht allerdings davon aus, dass die Impfstoff-Menge für die diesjährige Grippe-Saison ausreicht.

Vor allem Geduld sei momentan gefragt, meint Inge Funke vom Apothekerverband. Sie rät den Kassenpatienten, sich auf die Warteliste ihres Hausarztes setzen zu lassen. Privatpatienten sollten ihre Impfstoffdosen in der Apotheke vorbestellen.