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Mettmann/Ratingen - Die Problem-Straße im Schwarzbachtal

Kostenpflichtiger Inhalt: Wichtige Verbindungsstraße zwischen Mettmann und Ratingen : Die Problem-Straße im Schwarzbachtal

Die Landesregierung sieht bei den Planungen für die Mettmanner Straße zwischen Ratingen und Mettmann keinen zeitlichen Druck für eine grundlegende Verbesserung der Verkehrsverhältnisse. Dies geht aus einem Schreiben hervor.

Warten statt Weiterentwicklung: Man kommt einfach nicht entscheidend voran bei den Planungen für die Mettmanner Straße L 239 zwischen Ratingen und Mettmann. Dieses Fazit musste jetzt die Ratinger Landtagsabgeordnete Elisabeth Müller-Witt (SPD) ziehen, die eine sogenannte „Kleine Anfrage“ an Verkehrsminister Hendrick Wüst (CDU) zum Stand der Ausbauplanung gestellt hat.

Die Politikerin urteilte nach dem Lesen des Minister-Schreibens enttäuscht: „Verständlicherweise stellt mich diese Antwort in keinerlei Weise zufrieden, da zum Ausdruck gebracht wird, dass allein für das demnächst einzuleitende Planfeststellungsverfahren mit einer Zeit von mindestens zwei Jahren zu rechnen ist. Zwei Jahre, in denen außer Planung nichts geschehen wird.“

 Dieses Hinweisschild kennen die Pendler bestens
Dieses Hinweisschild kennen die Pendler bestens Foto: Achim Blazy (abz)

Der Zustand der Straße durch das Schwarzbachtal verschlechtere sich währenddessen permanent. Die Haltbarkeit der notdürftig vorgenommenen provisorischen Reparaturen sei bekanntermaßen von kurzer Dauer. Es sei daher vollkommen unverständlich, warum diese stark frequentierte und völlig verschlissene Straße keine höhere Priorität durch Verkehrsminister Wüst erhalte, zumal ihm der Tatbestand der Abgängigkeit der Straße seit Jahren bekannt sei.

 Die Straßenschäden sind zum Teil sehr gefährlich. Man muss äußerst konzentriert fahren.
Die Straßenschäden sind zum Teil sehr gefährlich. Man muss äußerst konzentriert fahren. Foto: Achim Blazy (abz)

„Die letzten wirklich bestandssichernden Arbeiten an der L 239 wurden unter der Vorgängerregierung von SPD und Bündnis 90/ Die Grünen ausgeführt“, meinte Müller-Witt. Wüst hatte in dem Antwortschreiben, das der RP vorliegt, unter anderem erklärt: „Der Neubau der L 239 ist im Planungsprogramm der Landesregierung zum Landesstraßenbedarfsplan in Schritt drei eingeordnet. Vorhaben in diesem Planungsschritt sollen vor Planungsbeginn im Rahmen der Aufstellung eines neuen Landesstraßenbedarfsplans zunächst neu bewertet werden. Grundlage für die Aufstellung des Bedarfsplans wird das Landesverkehrsmodell sein, das sich zurzeit im Aufbau befindet.“ Das klingt nach einer weiteren jahrelangen Hängepartie, bei der dieser wichtigen Landesstraße womöglich nur eine untergeordnete Rolle zukommen wird.

Fakt ist auch: Bei den Planungen will man auf einen Radweg verzichten. Das geht aus einem früheren Schreiben des Verkehrsministers an Mettmanns Stadtspitze hervor. Hintergrund: Der Landesbetrieb Straßen.NRW hat seine Karten bereits auf den Tisch gelegt, also die Ausbaupläne vorgestellt. Demnach soll die Fahrbahn der Trasse auf 6,50 Meter Breite ausgebaut werden. Allerdings sehen die Planungen auf Ratinger Stadtgebiet neben der Fahrbahn lediglich einen einseitigen „Notgehweg“ von 1,50 m Breite in Schotterbauweise vor.

Ein Radweg an der L 239 ist dort aktuell nicht geplant. Bei einer Bürgerversammlung erläuterten Vertreter von Straßen.NRW, dass die Sanierung dringend nötig sei und eine Umplanung „mehrere Jahre“ dauern werde. So lange könne man aber mit der Sanierung der wichtigen Verbindungsstraße nicht warten.

Die Mettmanner Verwaltung hatte sich im Zuge der Planungen für einen Ausbau mit Radweg eingesetzt, wie er an der L 239 auf Mettmanner und Düsseldorfer Stadtgebiet bereits besteht. Man hatte Wüst angeschrieben und einen zukunftsweisenden Ausbau der L 239 mit Radweg gefordert. Der Verkehrsminister führte aus, warum für den weiteren Straßenausbau kein Radweg geplant ist: Der Zustand der L 239 sei so schlecht, dass eine verkehrsgerechte Ertüchtigung zeitnah durchgeführt werden müsse. „Eine Erweiterung dieser Ertüchtigung um den Neubau eines Radweges würde die Fertigstellung dieser Maßnahme um mehrere Jahre in die Zukunft verschieben, da unter anderem ein zeitintensives Baurechtsverfahren speziell für den Bau des Radweges zu erwarten ist“, schrieb der Minister.

Der Bau eines Radweges müsse als ein gesondertes Vorhaben betrachtet werden, „das einen besonderen planerischen Vorlauf erforderlich macht“, so Wüst weiter. Zwischen Landrat Thomas Hendele und der Spitze der Regionalniederlassung Niederrhein des Landesbetriebes Straßen.NRW sei damals vereinbart worden, dass der Radweg in das Programm „Maßnahmen des Radwegeausbaues an bestehenden Landstraßen“ aufgenommen werden soll. Eine Priorisierung der Maßnahme in diesem Programm werde vom Regionalrat Düsseldorf vorgenommen, hieß es. Viele Anwohner, aber auch die örtlichen Gruppen des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) hatten sich unter anderem bei der Bürgerversammlung vehement für einen Radweg auf der wichtigen Verbindungsstraße zwischen Ratingen und der Kreisstadt eingesetzt. Auch andere Lösungen wurden diskutiert – zum Beispiel eine Verlegung des Radweges auf bestehende Wege im Schwarzbachtal.

Im Kreistag wurde zudem über einen Antrag der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen gesprochen: Die Kreisverwaltung sollte die Landesbehörde auffordern, den seit 1976 geplanten Neubau der L 239 aus dem Bedarfsplan herauszunehmen und stattdessen den Bau eines Radweges in die Planung des Ausbaus der bestehenden Landstraße aufzunehmen. Das wurde abgelehnt, der Antrag wurde zurückgezogen.