Mettmann: Musiklehrer wehren sich gegen Schlechterstellung

Mettmann : Musiklehrer wehren sich gegen Abstufung

Aus Spargründen will die Stadt Pädagogen der Musikschule künftig als Honorarkräfte bezahlen. Jetzt tauschen sich die Betroffenen aus.

Es gab Gesprächsbedarf: Fast alle Lehrer der Musikschule Mettmann, ihr Leiter Markus Sich und sein Stellvertreter Lebrecht Heidenreich waren der Einladung des Landesfachgruppenvorstand Musik der Gewerkschaft Verdi gefolgt und hatten sich im Mettmanner Rathaus eingefunden. Mit Karl-Heinz Kensche und Martin Hörisch beteiligten sich auch zwei ehemalige Schulleiter an der Versammlung.

Verdi-Funktionär Martin Erhardt begrüßte außerdem einige Eltern und Schüler. Sie waren gekommen, um sich über eine von der Stadtverwaltung aus Kostengründen angedachte Umwandlung einiger Tarifverträge für den öffentlichen Dienst(TöVD) in Honorarverträge zu informieren. Über dieses drohende Szenario wird in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Jugend, Schule und Sport am Donnerstag in öffentlicher Sitzung beraten.

Für die Musikschullehrer wäre dies eine Schlechterstellung. Eine neue Einstufung als Honorarkraft könnte, wenn die Änderung denn beschlossen würde, allen Lehrkräften drohen, die ausschließlich im so genannten JeKits-Programm (“Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“) tätig sind, oder aber weniger als zehn Stunden in der Woche „normalen Musikschulunterricht“ geben.

Mit der Rückführung vieler der bisher für alle 27 Beschäftigten geltenden Tarifverträge in Honorarverträge fürchtet nicht nur der Förderverein der Musikschule, dem Lucia Lima-Brendel als Vorsitzende und Karl-Heinz Kensche als Stellvertreter vorstehen, eine Abwanderung der durchweg hoch qualifizierten Angestellten, auf die die Kriterien einer möglichen Vertragsumwandlung zutreffen.

In einem offenen Brief hatten sie sich an Bürgermeister Dinkelmann gewandt, auf den die Antwort noch aussteht. Auch Tanja Ghadimi, deren Söhne Klavier- beziehungsweise Schlagzeug-Unterricht an der Musikschule erhalten, hatte einen Brief an das Stadtoberhaupt verfasst und deutlich gemacht, dass sie wie viele andere Eltern um die Qualität des Unterrichts fürchte, wenn man vom bestehenden Entlohnungssystem Abstand nehme. Sie habe wie viele der anderen Anwesenden die Sorge, dass „die Bindung von studierten und erfahrenen Fachkräften“ an die Musikschule dann gefährdet sei.

Dass dies keine unberechtigte Befürchtung ist, bewies das Bekenntnis einer Mitarbeiterin, die aus verständlichen Gründen anonym bleiben möchte. Sie verriet nach der Sitzung im persönlichen Gespräch mit unserer Redaktion, dass sie sich bereits bei zwei anderen Musikschulen beworben habe, die nur mit fest angestellten und im öffentlichen Tarif eingestuften Mitarbeitern arbeiten.

Einhellige Meinung unter den Anwesenden herrschte darüber hinaus, dass Mettmann als Kreisstadt ein falsches Signal in Richtung der anderen neun Städte des Kreises sende, wenn man sich entscheide, aus Sparzwängen bei der musikalischen Förderung vor allem der Kinder und Jugend den Rotstift anzusetzen. Auch wenn die „Kassen klamm sind“, sagte Verdi-Vertreter Erhard. „Im Übrigen haben sich die Kommunen im ‚Stuttgarter Appell‘ von 2016 darauf verständigt, dass Musikschulen nur mit festen Kräften betrieben werden sollen“, gab Ruddi Sodemann, langjähriger Leiter der Musikschule Hürth und nach wie vor Stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes der Musikschulen den Anwesenden als Argumentationshilfe mit auf den Weg, die hoch qualifizierten Kräfte der Musikschule Mettmann im TöVD zu belassen. Ein Aufruf appelliert jetzt an Lehrer und Eltern, die Sitzung des Schulausschusses möglichst zahlreich zu besuchen.