Mettmann: Musikalische Reise durch Europa

Unterhaltsamer Abend in Mettmann : Stadtorchester erhält Riesen-Beifall

Unterhaltsamer Abend in der Stadthalle. Auch einige augenzwinkernde Einlagen gibt es.

Zu einer unterhaltsamen Reise durch Europa hatte das Stadtorchester Mettmann unter der Leitung von Michael Gilcher eingeladen, und die Freunde der Blasmusik füllten die Stadthalle. Michael Gilcher ist ein blendender Dirigent, verlässlich und einfühlsam, dem seine Musiker mit konzentrierter Aufmerksamkeit folgten. Dass er sich darüber hinaus als ein moderierendes Naturtalent vorstellte, ließ den kurzweiligen Abend zum Vergnügen werden.

Die Reise nach Laval im November vergangenen Jahres aus Anlass des Gedenkens an das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren hat ihn wohl inspiriert, Europa und den Frieden, den dieses politische Konstrukt bedeutet, musikalisch umzusetzen. Und Bürgermeister Thomas Dinkelmann war auch sechs Monate später noch die Freude anzumerken, dass dieser Besuch in der Partnerstadt einen neuen Meilenstein in die Beziehung der beiden Städte gesetzt hat.

Europa – da hatte wohl Ludwig van Beethoven zirka 150 Jahre zuvor schon eine Vision, als er die Ode „An die Freude“ komponierte, die dann 1972 zur Europa-Hymne avancierte. Sie wurde sehr gefühlvoll dargeboten vom Stadtorchester. Von Caruso bis Andrea Bocelli, es gibt keinen Tenor, der die bewegende Arie „Nessun dorma“ aus Puccinis Oper Turandot nicht schon gesungen hätte. Hier spielte das Stadtorchester mit großer Hingabe und erwies damit Italien seine Reverenz. Und weiter ging es durch europäische Gefilde: Der Ungarische Tanz Nr.5 von Johannes Brahms (1 von 21) erwies sich als temperamentvoller Gruß und die Bayerische Polka war schon ziemlicher Schabernack, den die Musiker köstlich aufspielten. „Dona nobis pacem“, dem immer wieder ergreifenden Flehen nach Frieden liehen Kimberly Gilcher und Michael Katz ihre Stimmen. Die französische und die deutsche Flagge symbolisierten den Beginn der europäischen Einigung.

Sehr schöne Akzente setzte das Orchester bei der „Symphonie of Praise“. Über einem großangelegten Klangteppich der Blechbläser schwebten die Holzbläser und alle mündeten im finale in den Choral „Nun danket alle Gott“. Ein Gruß der Angelsachsachsen.

Und dann erst Frankreich: ein wunderschönes Potpourri aus französischen Chansons, von Edith Piaf bis Gilbert Bécaud, natürlich eingeleitet von der Marseillaise. Nach heutiger Vorstellung vielleicht zu blutrünstig, aber die Revolution von 1789 hat eben Tradition.

Und noch ein weiterer Höhepunkt: Vier Stewardessen mit Flöten sorgten für Schwung und Harmonie und grüßten mit souveränem Spiel aus Schottland. Mutter und Tochter Gilcher begeisterten mit einem norwegischen Pop-Song und ihre Stimmen kamen richtig gut rüber. Das war klasse.

Riesen Beifall, Zugaben und nochmals Beifall. Ein Abend so richtig fürs Gemüt.

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